#25 Vergewaltigung – lose Gedanken(2)


(1)  Ist eine Vergewaltigung so schlimm? – Aus meiner (männlichen) Perspektive.
(3) Weibliches Unvermögen zur sachlichen Diskussion.

(2)    Vergewaltigung – eine erfolgreiche evolutionäre Strategie?

Anmerkung: Um das für den Laien unbekannte Wort “Adaptation/adaptativ” zu meiden benutze ich stattdessen “Evolution/evolutiv, evolutionär” in diesem Sinne – dürfte intuitiv leichter zu verstehen sein.

Die Idee ist natürlich nicht von mir (wichtig waren Autoren wie Thornmill, Palmer, Gottschall, McKibbin, u.v.a.), es handelt sich um einen Gedanken aus der Evolutionspsychologie (hier ein Überblick von McKibbin et al., 2008). Dem Thema entsprechend wird die These heftig debattiert und insbesondere von Feministen bestritten.
Die Frage ist welche alternative Erklärungsansätze man sonst überhaupt hat? Der Feminismus bietet wie immer die dümmliche (dürftige) These des Erlernten an. Unsere Kultur erziehe uns zu Vergewaltigern und die Biologie habe selbstverständlich nicht den geringsten Einfluss auf unser Verhalten.
Solche rein ideologischen Thesen sind wissenschaftlich nicht haltbar. Sie folgen dem Muster: Was nicht sein darf, kann auch nicht sein – ein moralischer Fehlschluss! Vergewaltigungen sind „böse“ also darf es auch keine natürliche Grundlage dafür geben (und jede Forschung in diese Richtung ist natürlich faschistisch und sexistisch…). Hier zeigt sich wunderbar wie ideologisch der Feminismus sein kann, wie doktrinär sein Weltbild ist.

Warum bevorzuge ich evolutionäre Erklärungsansätze? Nun ich habe ein ziemlich mechanistisches Verständnis von Lebewesen: letztendlich ist auch der Mensch nur eine geniale sich selbst reproduzierende Maschine. Ich gehe davon aus, dass nahezu alles Handeln und Denken eines Menschen biologisch erklärbar ist (auch Kultur hat eine biologische Basis! Aber ich sehe ein: Nicht jedes kulturelle Phänomen muss biologisch erklärbar sein). Solange man keine „Seele“ findet, ist mein Verständnis auch das einzig mögliche.
Warum benötigen wir dann ein Fach wie Psychologie? Psychologie ist für die Biologie (also Neurowissenschaften, Medizin) soviel wie die Stochastik für die Physik. Solange man nicht genügend Parameter kennt, die Berechnungen zu komplex sind oder der Gegenstand selbst (also das Gehirn) noch nicht genügend erforscht ist, solange sind begründete, methodische Abschätzungen viel ergiebiger – und oft auch der einzige Weg überhaupt zu einer Aussage zu kommen.
Ich gehe also davon aus, dass man die Psychologie je länger je mehr mit neurowissenschaftlichen Erkenntnissen wird erklären können, eben: Mechanistisch.

Dabei sollte klar sein, dass unser Verstand, unsere Persönlichkeit (und all diese Dinge) im Gehirn zu finden sind. Es gibt keine Seele (wurde bisher nicht gefunden) die uns „zu Menschen macht“. Auch sitzt in unserem Kopf kein kleines Männchen (Humunkulus) das quasi unser Selbst repräsentiert, nein: Unser Gehirn erschafft und IST unser Selbst. Um noch weiter zu gehen: Vermutlich haben wir auch kein „Selbst“, sondern nur die evolutiv vorteilhafte Vorstellung ein solches zu haben.
Niemand wird bestreiten, dass unser Gehirn aus der Evolution hervorgegangen ist und deshalb ein rein biologisches „Ding“ ist.

Auch unser Verhalten wurde selbstverständlich durch die Evolution geformt. Denn wie wir uns verhalten, hat (nebst der fundamentalen Lebensfähigkeit unseres Körpers) den grössten Einfluss auf unsere Lebensfähigkeit und unseren Fortpflanzungserfolg.
Bekanntes und breit akzeptiertes Beispiel: Favorisieren von Nahrung mit hoher Energiedichte (Zucker, Fett; Thema „Supernatural Stimulus“). Bestätigend kommt noch hinzu, dass diese Präferenz nicht nur der Mensch zeigt, auch Tiere zeigen sie (gerade auch Primaten!).

Findet man also ein gut umreissbares Verhalten, dann sollte es auch eine biologische Erklärung dafür geben und zwar proximat wie ultimat. Dabei ist offensichtlich, dass ein solches Vorhaben erst einmal bei weit verbreiteten, „Überkulturellen“ und fürs Überleben und die Fortpflanzung relevanten Phänomenen betrachtet werden sollten. Vergewaltigung ist ein solches Phänomen.

Will man Vergewaltigung wirklich verhindern, so muss man auch die Ursachen kennen. Eine falsche These führt zu falschen präventiven Massnahmen. Tabus im Denken haben schon immer den Fortschritt gehemmt!

Ist Vergewaltigung also eine evolutionär erfolgreiche Strategie?

Zwei wichtige Annahmen für diese Ansicht sind bestätigt worden:
1. Es werden massiv mehr Frauen in ihrer fruchtbarsten Lebenszeit vergewaltigt (bis Mitte 20). (Bestätigt in den Studien: Ghiglieri, 2000; Greenfield, 1997; Kilpatrick et al., 1992; Shields & Shields, 1983, Thornhill & Palmer, 2000; Thornhill & Thornhill, 1983)

2. Pro vollzogenem Koitus gehen bei Vergewaltigungen mehr Schwangerschaften hervor (bei Vergewaltigung 8%, bei einvernehmlichem Sex 3.1%). (Bestätigt in den Studien: Gottschall & Gottschall,2003; Holmes,  Resnick, Kilpatrick, & Best, 1996; Krueger, 1988; Shields & Shields, 1983; Thornhill, 1999; Thornhill &   Palmer, 2000), hier eine Kurzübersicht (nicht mehr/ wieder(!) erreichbar: http://scienceblog.com/community/older/2001/C/200113635.html).

Zum ersten Punkt braucht es wohl keine grossen Erläuterungen. Der zweite Punkt ist allerdings erstaunlich! Erst mal eine Erklärung: Die 8% kommen zustande, wenn man von der gesamten Anzahl an Vergewaltigungen jene subtrahiert, welche ein Verhütungsmittel benutzten (die 3.1% beziehen sich natürlich auch nur auf ungeschützten Sex!). Früher wurde immer das Gegenteil behauptet, man nahm an, dass der Akt der Vergewaltigung die Empfänglichkeit mindere.

Aus diesen beiden Voraussetzungen lässt sich unmittelbar schliessen, dass – bei genügender Häufigkeit der Vergewaltigungen – die Nachkommen von Vergewaltigern schon bald massiv in einer Population vertreten sind (man bedenke, dass in der Natur in welcher der Mensch evoluierte, Abtreibungen kaum möglich waren).
Und wenn ich schon von Häufigkeiten spreche, dann nehmen wir doch mal die hohe Schätzung von Feministen: 30% aller Frauen würden im Laufe ihres Lebens Opfer einer Vergewaltigung. Bei einer derart hohen Anzahl wären nach kürzester Zeit (einige wenige Generationen) nur noch Nachkommen von Vergewaltigern übrig.
Um noch explizit darauf hinzuweisen: Ein Vergewaltiger kann auch einvernehmlich Kinder gezeugt haben! Eine allfällig genetische Komponente kann sich also sehr leicht in einer Population festsetzen. Die folgende Abbildung soll dies illustrieren.Legende: (1) erstes Auftreten der vergewaltigenden Varietät (homozygot bzw. dominant); (a) eine nicht-vergewaltigende Linie, welche die Gene dennoch in sich trägt; (b) eine Linie die Vergewaltigungen erfolgreich nutzt; (c) Individuen ohne Nachkommen. Erklärung: Dargestellt ist ein hypothetischer sexueller Organismus, nur Männchen sind abbgebildet – es sind in jeder Generation gleich viele Weibchen vorhanden wie abgebildete Männchen. Sobald die Kapazität des Lebensraumes erreicht ist (hier 25 Individuen), schafft die Möglichkeit zu Vergewaltigungen einen Vorteil und verdrängt die andere Variante rasch.

Dann ist auch folgender Gedanke nicht von der Hand zu weisen. Aus „Genperspektive“ ist es immer besser, wenigstens Nachkommen aus einer Vergewaltigung zu haben, als gar keine zu haben. Das bedeutet der „evolutionäre Druck“ in Richtung Vergewaltigung ist gewaltig gross, beinahe schon logische Konsequenz (aber denkt daran: Evolution hat kein Bewusstsein, ist deshalb auch nicht zu logischen Konsequenzen fähig…).

Des Weiteren kann man auch bei den Vergewaltigungen auf viele Beispiele aus dem Tierreich zurückgreifen. Spricht auch für die evolutionäre These! Weil: Wir können (theoretisch) das Merkmal “Vergewaltigung” über die Stammesgeschichte auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückverfolgen. Die Annahme, dass sich “Vergewaltigung” nur einmal (oder wenige male) evoluiert hat ist dabei der Annahme von vielen voneinander unabhängigen Evolutionen vorzuziehen. Man nennt dies das “Sparsamkeitsprinzip” (Parsimony), es folgt direkt aus “Ockhams Razor“. Eine Graphik soll dies illustrieren:

Erklärung: Die Stammesgeschichte der Arten (A), (B) und (C) ist dargestellt; (A) und (C) zeigen ein Verhalten “Vergewaltigung”; (1) ist gegenüber (2) vorzuziehen (Begründung: Ockhams Razor); würde der Mensch aufgrund seiner “menschlichen Kultur” zu Vergewaltigung erzogen, so käme dies (2) gleich – es müssten alle anderen Fälle (C) unabhängig erklärt werden können (z.B. bei Bonobos, Schimpansen, Orang-Utans, Gorillas, etc.); umso weiter die Art (C) von (A) entfernt ist (Stammesgeschichtlich), umso stärker das Argument für eine Adaptation (z.B. wenn (A) Mensch und (C) Primat < Säugetier < Wirbeltier).

Ausserdem möchte ich noch auf einen wenig beachteten Punkt hinweisen: Männer haben die physiologische Möglichkeit zu vergewaltigen. Schon alleine dieser Fakt ist ein starkes Argument. Bei vielen Tieren ist eine Paarung wider Willen ausgeschlossen (sei es physiologisch oder vom Verhalten her). Männer sind leicht kräftiger als Frauen und der Penis ist von monströser Länge (im Vergleich zu den anderen Menschenaffen bezogen auf die Körpergrösse) und ist eregiert sehr hart.

Dann kann man noch auf das andere Ende der Geschichte verweisen. Weibliche Strategien, welche der Vergewaltigung entgegen wirken oder als Antwort auf Vergewaltigungen gewertet werden können.
Frauen können körperlich erregt sein, ohne es wahrzunehmen und ohne emotionale Erregung (Suschinsky & Lalumière, 2010): Man hat die vaginale Erregung von Frauen gemessen (Feuchtigkeit und Durchblutung), während dem man ihnen Videos von entweder kopulierenden Schimpansen oder Menschen gezeigt hat. Danach fragte man sie ob sie erregt seien. Interessanterweise waren beide Gruppen gleich erregt (gemessen), jene mit den Schimpansenpornos verneinten dies aber (d.h. sie waren sich ihrer – nachgewiesenen! – körperlichen Erregung nicht bewusst).
Diese rein physische Reaktion auf sexuelle Reize (ohne eigene emotionale/psychische Erregung) kann als Schutzmechanismus bei Vergewaltigungen interpretiert werden und als Adaptation gegen Vergewaltigung gewertet werden. Der Körper sorgt für eine (körperlich) möglichst schadlose Penetration, selbst in einer Extremsituation wie einer Vergewaltigung (und erhöht damit die Chance auf eine mögliche Befruchtung).

Fazit: Es ist mir klar, dass mit diesen Beispielen kein endgültiger Beweise erbracht wurde. Die Indizien sprechen aber für sich. Und wenn man sich die Alternativen ansieht, dann bietet diese Theorie wenigstens einige harte Fakten und ist nicht bloss Fischen im Trüben.
Man soll nun aber auch nicht den naturalistischen Fehlschluss ziehen und behaupten: Weil es natürlich entstanden ist, so ist es auch gut. Nein! Wir können nun als sehr kulturelle Lebewesen unserer Biologie entgegenwirken! Aber um dies zu können müssen wir auch die biologischen Ursachen erkennen, akzeptieren und weiter erforschen.

Das grosse Problem an meiner Darstellung soll zum Schluss auch noch Erwähnung finden. Unklar ist noch immer ob die ganze Geschichte wirklich als Adaptation betrachtet werden darf. Praktisch gleich plausibel ist auch die Erklärung all dieser Beispiele als Nebenprodukt der Evolution (= Exaptation). Beispiel: Schriftlichkeit des Menschen; die Fähigkeit zu schreiben bringt sicher Fitnessvorteile mit sich, deshalb kann aber nicht behauptet werden, dass sich die Fähigkeit zur Schriftlichkeit adaptativ evoluiert habe. Diese Fähigkeit entwickelt sich als Nebenprodukt der Evolution unseres Abstraktionsvermögens, unserer Sprachfähigkeit, unserer Feinmotorik und unseres Werkzeuggebrauchs, etc.

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18 Antworten zu #25 Vergewaltigung – lose Gedanken(2)

  1. raskalnikow schreibt:

    Übrigens geht mein mechanistisches Weltbild noch weiter:

    Psychologie ist Biologie; Biologie ist Chemie; Chemie ist Physik!

  2. Lilith schreibt:

    “die pervers hohe Schätzung von Feministen: 30% aller Frauen würden im Laufe ihres Lebens Opfer einer Vergewaltigung. Bei einer derart hohen Anzahl wären nach kürzester Zeit (einige wenige Generationen) schon nur noch Nachkommen von Vergewaltigern übrig” – die Schätzung von feministischen WissenschaftlerInnen ist nicht pervers, sondern dieser plumpe männliche Versuch, Vergewaltigungen auch noch biologisch zu entschuldigen. Zudem gibt es keine einvernehmlich gezeugten Kinder, denn Penetration bedeutet immer Vergewaltigung.
    (edit: — Link entfernt —)

    • raskalnikow schreibt:

      Salut Lilith,
      also ich werde das “pervers” streichen, dann ist schon mal ein gutes Stück an Polemik raus.
      Dann frage ich mich, wo du hier eine “biologische Entschuldigung” erkennst. Die simple Erklärung und Beschreibung eines natürlichen Phänomens ist niemals eine Entschuldigung. (edit: Nach deiner Logik wäre also die Erforschung der Ursachen von Krebs auch die Rechtfertigung von Krebs!)
      Am Ende des Artikels schreibe ich sogar ausdrücklich:”Man soll nun aber auch nicht den naturalistischen Fehlschluss ziehen und behaupten: Weil es natürlich entstanden ist, so ist es auch gut. Nein! Wir können nun als sehr kulturelle Lebewesen unserer Biologie entgegenwirken! Aber um dies zu können müssen wir auch die biologischen Ursachen erkennen, akzeptieren und weiter erforschen.”
      Den Artikel darfst du gerne als plump abtun, deine Unterstellung ich rechtfertige Vergewaltigungen muss ich aber entschieden zurückweisen!

      “Penetration bedeutet immer Vergewaltigung”, im Ernst? Ich dachte solch alt-feministische Ideologie sei schon längst wieder ausgestorben… Viele Tiere vermehren sich nun mal über interne Befruchtung. Die Evolution hin zur internen Befruchtung geschah nicht, weil “die Evolution” so böse zum Weiblichen war. Evolution ist ein Prozess ohne Bewusstsein! Die interne Befruchtung bot einfach viele Vorteile und hohe Überlebenswahrscheinlichkeiten für das gezeugte Leben im Mutterleib.
      Deine Deutung schreibt der Natur Bewusstsein und Absichten zu und ist somit völlig irrational.

  3. raskalnikow schreibt:

    Um es für andere Leser nochmals ganz deutlich zu machen:
    Was Lilith (und der Feminismus im allgemeinen) hier macht ist ein naturalistischer Fehlschluss. Sie wechselt von der deskriptiven Ebene unbegründet (und unzulässiger Weise) auf die normative Ebene.
    Weil ich beschreibe wie das Phänomen Vergewaltigung zu erklären wäre, wirft sie mir vor das Phänomen zu rechtfertigen. Vermutlich geht Lilith (und der Feminismus im allgemeinen) von einer genetischen Determiniertheit aus – wenn das so sein sollte, dann beweist sie damit nur ihre Unkenntnis (Bildungslücke) der Genetik und überhaupt der Biologie.

  4. Lücke schreibt:

    Pro vollzogenem Koitus gehen bei Vergewaltigungen mehr Schwangerschaften hervor (bei Vergewaltigung 8%, bei einvernehmlichem Sex 3.1%).

    Das hat mich sehr überrascht, weil ich dachte dass es bereits erwiesen ist, dass der weibliche Orgasmus die Funktion hat, die Spermien in die Eileiter “einzusaugen” und damit eine Befruchtung wahrscheinlicher zu machen. Und die Wahrscheinlichkeit dass die Frau einen Org. während ihrer Verg. erlebt, geht ja gegen null.
    Aus der oben beschriebenen Studie würde ich nicht unbedingt ableiten, dass die Frauen erregt sein können ohne es zu merken. Die Aussage, nicht erregt zu sein, könnte auch auf den Effekt der sozialen Erwünschtheit zurückzuführen sein (Wer würde schon gerne in einer standardisierten Versuchssituation zugeben wollen, soeben durch Primaten erregt worden zu sein?)

    Bei der Studie, bei der die Zahlen oben rauskamen, habe ich nicht ganz verstanden, woher die Stichprobe kam. Also wo war sie verzeichnet? Weil wie im Artikel schon angemerkt, ist es um Einiges wahrscheinlicher, dass Frauen, die nach einer Verg. schwanger werden, sich in irgendeiner öffentlichen Institution melden, sei es bei einer Beratungsstelle oder in einem Krankenhaus- und somit auch in der Statistik erscheinen. Und die Frauen, die nicht schwanger werden, fallen hier natürlich zum größten Teil aus dem Raster und somit sind die beiden Stichproben (Vergewaltigungsopfer vs. einvernehmlicher Sex) nicht vergleichbar. Und dass einige, wenn nicht die meisten Opfer eine Verg. lieber verheimlichen wollen wenn’s geht, ist ja nichts Neues. Das wird durch die Schw.schaft aber erschwert.

  5. raskalnikow schreibt:

    Salut Lücke, ich konzentrier mich mal auf den zweiten Teil deines Kommentars –
    also der Link zur Kurzübersicht scheint tot zu sein. Deshalb habe ich nun den Artikel von Gottschall & Gottschall, 2003 (aus dem die Prozentzahlen [7.98% habe ich auf 8% gerundet] stammen) verlinkt. Die Vermutung, dass es mehr Schwangerschaften pro Koitus bei Vergewaltigungen gibt wurde aber schon in vielen Studien geäussert. Und ja, es widerspricht offensichtlich der “Orgasmusthese” (ich glaube nicht, dass es “erwiesen” ist) in gewissem Umfang. Ich schränke ein, weil wirklich ein Widerspruch wäre es ja nur, wenn der weiblich Orgasmus notwendig für eine Schwangerschaft wäre – aber wie wir wissen kann man jedes Tier auch künstlich befruchten…
    Hat ein Paar 100 Mal einvernehmlichen Sex zur falschen Zeit – dann wird sie nie schwanger. Wenn eine Frau aber 1 Mal zum richtigen Zeitpunkt vergewaltigt wird, dann wird sie sofort schwanger! Und es ist wohl klar, dass ein Paar sehr viel mehr Sex “zur falschen Zeit” hat als “zur Richtigen” – denn Sex dient bei manchen Menschenaffen eben nicht bloss zur Fortpflanzung sondern übernimmt auch soziale Aufgaben.

    Zu deiner Frage zitiere ich einen Teil des Abschnitts “Data & Methods”:

    “Data for this study were taken from the National Violence Against Women
    (NVAW) survey, sponsored by the National Institute of Justice and the Na-
    tional Center for Injury Prevention and Control, Centers for Disease Con-
    trol and Prevention (Tjaden and Thoennes 1999). The study involved a
    national random-digit dialing sample of households in the United States.
    The completed survey includes 8,000 women, aged 18 years and older,
    who submitted information on a variety of topics, including instances of
    rape and rape-pregnancy.
    In all, 1,007 women claimed to have experienced a rape between the ages
    of 12 and 45 by answering “yes” to the following question: “Regardless of
    how long ago it happened, has a man or boy ever made you have sex by
    using force or threatening to harm you or someone close to you? Just so
    there is no mistake, by sex we mean putting a penis in your vagina.” We
    analyze data only for those 405 women whose age at the time of the inci-
    dent could be determined as falling between 12 and 45, and who experi-
    enced exactly one incident of penile-vaginal rape. It was not possible to
    calculate per-incident rape-pregnancy rates for women in the sample raped
    more than once because we could not determine with certainty which
    episode of rape resulted in the pregnancy”

    Dann zu deinem Einwand, dass sich Schwangere einfach öfters melden als solche die nicht Schwanger wurden. Ja könnte sein. edit: Nein, kann nicht sein, weil die Statistik nicht auf Anzeigen beruht, sondern auf zufälligen Telefonanrufen. Aber die Gottschalls bieten auch andere Erklärungen. So könnte es sich auch um Falschanschuldigungen handeln, wenn z.B. der Mann die Vaterschaft abstreitet – es wären dann also falschpositive Vergewaltigungen mit in der Statistik. Am einleuchtendsten scheint mir aber immer noch, dass die Wahl der Opfer eben nicht bloss zufällig ist: Vergewaltigt werden vor allem Frauen in ihrer fruchtbarsten Lebenszeit. Und noch mehr: Vermutlich werden die Frauen eben auch gerade vermehrt an ihren fruchtbaren Tagen vergewaltigt. Das weibliche Verhalten ändert sich in der Zyklusmitte hin zu einem risikofreudigeren – eben paarungsfördernden Verhalten. Und wenn man die Idee der evolutionär an Vergewaltigungen angepassten Männer ernst nimmt, so kann man auch annehmen, dass solche Männer (also alle…) besonders stark von fruchtbaren Frauen angezogen werden. Gerade dieser Punkt wurde schon x-fach bestätigt (habe ich auch selber in einer Vorlesung miterlebt – Diashow von Frauen, die Zuhörer konnten abstimmen): Frauen sind während ihrer fruchtbaren Phase enorm attraktiver für Männer.

  6. Lücke schreibt:

    Ich finde es nicht abwegig, dass Frauen während ihres Eisprungs eher vergewaltigt werden als in Phasen ohne Eisprung. Der Eisprung sorgt nun mal für Veränderungen bei der Frau (Gesichtssymmetrie und glättere Haut als Zeichen von Schönheit/ Fruchtbarkeit sowie Intensivierung der Sexuallockstoffe usw…) Das wirkt anziehend auf Männer, eben auch auf Vergewaltiger. Trotzdem kann ich die Logik der Schlussfolgerung, dass deshalb die Wahrscheinlichkeit für Nachkommen erhöht ist, nicht nachvollziehen. Denn das ist doch ein Vergleich von Äpfel und Birnen. Du vergleichst Sex während des Eisprungs (Vergewaltigung) mit Sex während der gesamten Periode (einvernehmlicher Sex). Das ist nicht zulässig. Wenn man wirklich herausfinden möchte, ob eine Frau durch eine Vergewaltigung eher schwanger wird, als durch einvernehmlichen Sex, darf man natürlich auch bei der Stichprobe “einv. Sex” nur eben den Sex miteinkalkulieren, bei dem die Frau auch fruchtbar ist. Denn angenommen, dass eine Frau während ihres Eisprungs bei einvernehmlichen Sex zu 90% schwanger wird und bei Vergewaltigungen eben nur zu 8%, dann ist die Hypothese, dass Verg. mit einer erhöhten Befruchtungswahrscheinlichkeit einhergeht, doch gleich widerlegt -und die Hypothese, dass Verg. die Fruchtbarkeit herabsetzt, sofort bestätigt. Den Sex außerhalb des Eisprungs darf man da eben nicht miteinbeziehen, weil wie du schon gesagt hast, hat der eine ganz andere Funktion, nämlich Kommunikation, Zärtlichkeit usw. und zielt ja gar nicht auf eine Befruchtung ab.

  7. raskalnikow schreibt:

    Äpfel und Birnen,
    hallo Lücke – ich bin deiner Frage etwas nachgegangen, weil mich dein Einwand doch etwas verunsichert hat. Ich komme zum Schluss: Nein, es ist kein Vergleich von Äpfeln mit Birnen – es ist einfach eine andere Frage!
    Deine Frage richtet sich nach der prinzipiellen Befruchtungswahrscheinlichkeit. Diese Frage könnte in der Tat mit einem Experiment beantwortet werden: z.B. eine Gruppe von 100 Frauen haben zum perfekten Zeitpunkt einvernehmlichen und ungeschützten Sex und eine andere Gruppe von 100 Frauen werden zum perfekten Zeitpunkt ungeschützt vergewaltigt – welche Gruppe bringt es auf mehr Schwangerschaften?
    Bei diesem Experiment würde die „Vergewaltigergruppe“ meiner Meinung nach schlechter abschneiden – aber um diese Frage geht es auch nicht! Die Studie trägt deshalb auch im Titel die entscheidenden Worte „per-incident“. Aus der Perspektive des hypothetischen Vergewaltigungsgens ist nur die “pro Vorfall” Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft entscheidend – sie entscheidet über Kosten und Nutzen dieses Verhaltens.
    Will man „pro Vorfall“ Vergewaltigung (und nicht nur „pro Vorfall“ Vergewaltigung bei geeignetem Zeitpunkt) mit einvernehmlichem Sex vergleichen, so sollte man ehrlicher Weise auch „pro Vorfall“ Einvernehmlich als Vergleichsgrösse genommen werden. Aber wie du richtig forderst sollten dabei möglichst die anderen Funktionen von Sex berücksichtigt und dagegen korrigiert sein.
    Der Wert von 3.1% der Vergleichsgrösse stammt von Wilcox et al. (2001): „Likelihood of Conception with a Single Act of Intercourse: Providing Benchmark Rates for Assessment of Post-Coital Contraceptives“. Die Studie betrachtet Frauen die Schwanger werden möchten und schätzt (damit ist ein statistisches Modell gemeint) die Wahrscheinlichkeit für eine Befruchtung relativ zu jedem Tag im Zyklus. Hört sich für mich schon recht vernünftig an: Der Vergleich mit den Vergewaltigungen ist somit erstens nicht nur zum „richtigen Zeitpunkt“ möglich und ist zweitens (weil nur „single act of intercourse“) auch gegen andere Funktionen von Sex korrigiert.

    Sollte sich das jetzt furchtbar rechthaberisch lesen, so füge ich an: Kritik ist höchst willkommen! Die These der Vergewaltigung als Adaptation ist umstritten und ich habe im Artikel meine losen Gedanken (und meine Meinung) zum Thema zusammengefasst – der Artikel ist nicht als „wasserdicht“ von mir konstruiert.

    - Ergänzung –
    Wilcox et al. (2001) kommen methodisch ausgeklügelt zu den genannten 3.1%. Frühere Schätzungen lagen aber auch nicht weit von diesem Wert entfernt! Zwischen 2% und 4% werden angegeben von Carrow (1980), Lader (1966), Tietze (1960) und Tintinalli & Hoelzer (1985).
    Die Leistung der Gottschalls besteht hauptsächlich darin einen vertrauenswürdigen und vergleichbaren Vergleichswert für Vergewaltigungen ermittelt zu haben. Es waren also nicht die 3.1% umstritten, sondern viel mehr die tieferen Werte für Vergewaltigungen.

  8. Lücke schreibt:

    “Bei diesem Experiment würde die „Vergewaltigergruppe“ meiner Meinung nach schlechter abschneiden – aber um diese Frage geht es auch nicht!”

    Ich denke doch, genau um diese Frage geht es: Ist es für Männer “lukrativer” eine Frau während ihres Eisprungs zu vergewaltigen oder zu verführen? Und da würde dann höchstwahrscheinlich rauskommen, dass eine Verführung wesentlich erfolgversprechender ist, weil die Befruchtungswahrscheinlichkeit steigt. Demnach könnte eine Vergewaltigung als evolutionäre Kompensationsstrategie von Männern betrachtet werden, die nicht in der Lage sind, eine Frau “angemessen zu verführen”. Also ist eine Vergewaltigung ein krankhafter Ausgleich dafür, dass die natürliche Fortpflanzungsstrategie nicht angewendet werden kann. Eine gesunde Ausgleichstrategie wäre dagegen z.B. Training im Empathie und Sensibilität im Umgang mit weiblichen Bedrüfnissen. Und zweitere Ausgleichsstrategie wäre für die Evolution viel effektiver und hat somit natürlich Vorrang vor der Vergewaltigung und müsste sich eigentlich durchsetzen und die Verg. verdrängen. Wie siehst du das?

  9. raskalnikow schreibt:

    Also eigentlich stimme ich in allem zu! ABER…
    Es ist völlig willkürlich von dir dieses Verhalten nun als “krankhaft” zu bezeichnen! Es ist sozial unerwünscht – sicher. Aber mit “krankhaft” widersprichst du dir selbst: Wenn es eine evolutionäre Kompensationsstrategie ist (wie du selber schreibst), dann ist es eben gerade NICHT krankhaft sondern adaptiv!
    Die Frage ist doch, ob man mittels Vergewaltigung seine Gene (und damit das vergewaltigende Verhalten) in die nächste Generation bringen kann. Und gerade das bestätigst du ja auch!
    Reicht die Verführungskunst nicht aus – dann bringt der Nicht-Vergewaltiger seine Gene NICHT in die nächste Generation (= sein “Gentlemenverhalten” stirbt aus!); der Vergewaltiger bringt seine Gene aber in die nächste Generation.
    (McKibbin et al. (2008) haben deinen “Notlösungs-Vergewaltiger” auch charakterisiert, daneben haben sie aber auch noch andere Vergewaltiger-Charakteren beschrieben.)

    Nur um es deutlich zu sagen: Es ist mir schon klar, dass die Vererbung von Verhalten nicht so simpel erklärbar ist, wie ich es hier der Einfachkeit wegen darstelle. Die Frage der konkreten Vererbbarkeit solchen Verhaltens ist dann noch eine ganz andere (ungelöste) Frage.

    • raskalnikow schreibt:

      Noch etwas ist mir eingefallen: “Lukrativer” ist es für den Vergewaltiger unter Umständen auch. Ich schränke ein, denn wenn das Risiko erwischt und bestraft zu werden gross genug ist, dann “lohnt” es sich nicht mehr. In risikoarmen Situationen (besonders: Krieg) lohnt es sich aber enorm: Denn seine Gene kommen ohne weitere Investitionen in die nächste Generation – zusätzlich zu seinen sonstigen Kindern!

    • raskalnikow schreibt:

      “Eine gesunde Ausgleichstrategie wäre dagegen z.B. Training im Empathie und Sensibilität im Umgang mit weiblichen Bedrüfnissen. [...] wäre für die Evolution viel effektiver [...] müsste sich eigentlich durchsetzen und die Verg. verdrängen”.

      Also dazu muss ich leider sagen: Evolution ist kein Wunschkonzert. Überspitzt sage ich mal, dass auch Geparden die besseren Jäger wären – hätten sie zusätzlich noch Flügel entwickelt…

      Weiter erkennt man, dass dem nicht so ist, weil die Realität nicht so aussieht. Ganz einfach. Wäre es dein vorgeschlagenes Verhalten “effektiver”, dann hätte es sich auch durchgesetzt und es gäbe keine Vergewaltigungen.

      [Nun man kann immer noch einfach behaupten: Es ist krankhaft. Nur dann sind auch all die Wale, Fledermäuse, Schafe, Insekten oder Enten welche ebenfalls zum Mittel der Gewalt greifen auch krank - und es gibt noch mehr Beispiele für vergewaltigende Tiere. Viel eleganter ist dann doch die evolutionäre Erklärung: Vergewaltigung setzt sich eben als erfolgreiches Verhalten durch.]

  10. Lücke schreibt:

    Ja mein Gedanke war nicht ganz ausgereift, schließlich wird oft erst eine Verführung versucht und mündet bei Misserfolg erst in der Vergewaltigung. Also ist in dem Fall die Verg. zur Befruchtung erfolgversprechender als die versuchte Verführung.

    Ok, das ist schon plausibel. Sicher können wir nicht wissen, ob vergewaltigendes Verhalten vererbt werden kann, aber es kann schon durchaus sein. Also angenommen es ist vererbbar und dein Szenario, dass Vergewaltiger die Gentlemen verdrängen, würde eintreten, was bedeutet das dann praktisch? Das würde doch dann eine Inbesitznahme der Frau durch den Mann zur Folge haben, weil die Vergewaltigung die “neue” und sozial akzeptierte Fortpflanzungsmethode und an der Tagesordnung sein wird, und weil jede Frau jederzeit von jedem Mann “genommen” werden kann, ohne Konzequenzen zu erwarten.

    Ein Schreckenszenario. Und welche Konsequenzen hätte diese Aussicht dann auf unser Verhalten in der Gegenwart?

    Anmerkung: Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass das nur ein Gedankenexperiment ist, dessen Verwirklichung sehr unwahrscheinlich ist. Da ich aber gerade auch nicht 100%ig auschließen kann, dass es irgendwann dazu kommen wird, lasse ich mich auf dieses Gedankenexperiment ein.

  11. raskalnikow schreibt:

    Erst einmal muss ich dich enttäuschen, denn die „Gentlemen“ sind schon alle ausgestorben. Ich spreche hier nicht über eine aktuelle Entwicklung, ich spreche über eine Entwicklung die vielleicht schon vor den ersten Menschen stattfand.

    Warum sollte Vergewaltigung denn nun auf einmal „solzial akzeptiert“ sein oder werden? Wenn meine geliebte Frau/Freundin von einem solchen Scheusal vergewaltigt wird, denkst du ich möchte nicht, dass der Typ aufs härteste bestraft wird? Der Mensch lebt eben nicht als Einzelgänger – wir sind zutiefst soziale Wesen: Ein Mann kann (in der Regel) nicht einfach eine Frau „packen“ und für sich beanspruchen; andere Männer der Gruppe, ihre Familie, ihr Mann oder viele andere Frauen („viele“ sind stärker als „einer“) werden sein Verhalten nicht tolerieren. Auf diese Weise entsteht die Balance in der wir heute leben: Vergewaltigung ist sozial nicht akzeptabel, bietet sich aber eine risikoarme Gelegenheit, dann ist die Biologie (der genetische Egoismus) eben stärker.

    „sozial akzeptierte Fortpflanzungsmethode“
    Genau dies ist der naturalistische Fehlschluss! Nur weil es natürlich ist, heisst dies nicht, dass es auch „gut“ ist. Das HIV ist auch natürlich, sollen wir uns nun alle mit AIDS anstecken? Nein! Wir sollten etwas dagegen unternehmen!

    Das ist die Konsequenz.

    Und weil wir wissen von wo man AIDS bekommt können wir auch wirksam etwas dagegen unternehmen.
    Gleiches soll auch für das Thema Vergewaltigung gelten. Man soll nicht sinnlos Knaben einreden sie seien „krank“ oder „böse“. Man soll versuchen unser soziales Miteinander so zu gestalten, dass Vergewaltigungen effektiv verhindert werden.

  12. Lücke schreibt:

    Wi können wir denn das soziale Mieinander so gestalten, dass das Risiko für Vergewaltigungen minimiert wird?

  13. raskalnikow schreibt:

    Wirklich eine Antwort habe ich darauf nicht bereit. Und wenn man genau hinschaut sind meine Gedanken auch nicht allesamt auf einer konsequenten Linie (z.B. stört mich der pauschale Vorwurf “alle Männer sind potentielle Vergewaltiger”, doch andererseits würde eine genetische Komponente gerade das bedeuten. Einerseits frage ich “was ist so schlimm an einer Vergewaltigung?” und andererseits wird mir nur schon von der Vorstellung schlecht wenn ich daran denke, dass es einer Frau aus meinem persönlichen Umfeld passieren könnte).

    Eine (unbefriedigende) Antwort ist: Wir müssen das Miteinander so gestalten, dass möglichst keine – für Vergewaltiger – risikoarmen Situationen entstehen. Und auch weiterhin muss klar vermittelt werden, dass solches Verhalten nicht toleriert wird (= dass es unethisch ist).

    Ich bin nicht so zynisch, dass ich sagen würde: Frau nachts allein unterwegs – also selber schuld wenn sie vergewaltigt wird. “Schuld” hat sie natürlich nicht, aber je nach Ort oder Quartier ist es eben schon fahrlässig. Wenn man weiss, dass “Gelegenheit Diebe macht” (= risikoarm für einen Vergewaltiger), dann sollte man solche Situationen vielleicht doch meiden. Vorsicht ist nie ein schlechter Rat. Ob es da allerdings noch eine Rolle spielt ob die Frau einen Minirock trägt oder Latzhosen… wohl eher nicht.

    Zum Thema Kleidung kann ich aber noch was sagen. Könnte ich persönlich darüber entscheiden, dann würde ich sofort Schuluniformen einführen. Zwar führt die aufreizende Kleidung der Schülerinnen kaum direkt zu Vergewaltigungen, aber abgelenkt werden die Jungs auf alle Fälle. Männer reagieren auf visuelle Reize! Männer reagieren sogar hauptsächlich auf visuelle Reize! Genau mit diesen sexuellen Reizen spielen die Schülerinnen und geben sich dann ganz unschuldig, als ob sie von nichts wüssten.

  14. Lücke schreibt:

    “z.B. stört mich der pauschale Vorwurf „alle Männer sind potentielle Vergewaltiger“, doch andererseits würde eine genetische Komponente gerade das bedeuten.”

    Also ich hab mich das auch schon ganz oft gefragt und halte prinzipiell auch für möglich, dass in jedem Mann ein Vergewaltiger steckt, der nur unter gewissen Umständen hervorkommt. Aber diese Hypothese führt zwangsläufig zu einem schlechten Männerbild, weil es den Mann als natürlichen Feind der Frau erklärt, vor dem sich die Frau schützen muss. Diese Darstellung des Mannes stößt wahrscheinlich bei den meisten Frauen und Männern auf Widerstand. Natürlich möchten die Menschen im Mann lieber den natürlichen Schützer der Frau sehen, aber es stimmt, sobald die Situation risikoarm ist (z.B. Krieg) kommt es massenweise zu Vergewaltigungen.

    Nur, ich frag mich, warum sich dann die gesellschaftlichen Sanktionen gegen Vergewaltiger aufrecht erhalten. Denn soziales Verhalten hat ja letztendlich auch nur evolutionäre Hintergründe. Und wenn sich Verg. als erfolgreiche Fortpflanzungsmethode etabliert hat, warum wird dann dagegen angekämpft und “nicht einfach akzeptiert”? (Wichtige Anmerkung: Ich vertrete diese Meinung nicht, ich versuche Gegenhinweise für die Hypothese “natürliche Vergewaltigung” zu finden.) Und darauf zielt dann auch vermutlich deine Frage ab, ob Vergewaltigungen für Frauen wirklich so schlimm sind (hier nochmal ganz entschieden: Ja! Vergewaltigung= Gewalt= Schmerz) und ob die gesellschaftlichen Sanktionen überhaupt gerechtfertigt sind.

    Zu deinen zwei Maßnahmen, um Vergewaltigungen zu verhindern: 1. risikoarme Gelegenheiten für Männer vermeiden und 2. Moral vermitteln. Zu 1. Frauen meiden bereits in der Regel Situationen instinktiv, die für sie eine Gefahr darstellen könnte (also risikoarme Situationen für Männer) Das aber konsequent durchzuziehen, ist schwierig bis unmöglich, weil das bedeuten würde, dass eine Frau nie mit einem Mann alleine sein darf, bzw. auch selbst nirgendwo alleine sein darf wo sie Männer treffen könnte. Das das schwierig umzusetzen ist, ist klar. zu 2. Moral wird bereits vermittelt, fast jeder Junge bekommt beigebracht, dass Sex ohne Einverständnis unethisch ist.

    Also die Maßnahmen sind keine Lösungen. Die Frage ist doch, was soll sich in der Gesellschaft ändern, angenommen, dieses neue Bild vom bösen, wilden Mann würde sich durchsetzen, man würde ein Vergewaltiger-Gen finden, dass man in jedem Mann nachweisen kann. Was ändert dieses Bild in der Gesellschaft? Außer dass es einen Keil zwischen Männer und Frauen treibt?

    • raskalnikow schreibt:

      Zuerst zu “Nur, ich frag mich, warum …”: Wenn wirklich alles auf genetischen Grundlagen basiert, dann wäre so ein Widerspruch nicht verwunderlich. Gene arbeiten nur für sich selbst, ihr einziges Ziel ist es zu existieren und sich zu replizieren. Es sind auch heute schon viele Gene bekannt, welche schädlich für andere Gene sind, oder sogar schädlich für den Organismus. So gibt es Gene die Weibchen bevorzugen und deshalb nur weibliche Foeten dulden- kommen diese Gene in männlichen Foeten vor, so stribt der Foetus ab.
      Also haben verschiedene Gene auch verschiedene Interessen, je nachdem was ihrem Vorteil dient – und dies sogar im selben Organismus!

      Zu den Massnahmen: Ja ich habe mir da nicht gross Gedanken darüber gemacht (mich interessiert in erster Linie “die Wahrheit”, also ob das Verhalten wirklich “nur” erlernt sei und damit der Widerspruch zum Feminismus – und ja, auch ich sehe die Problematik, wenn man einseitig zu Einschränkungen in ihrem Leben (der Frauen) aufruft, so etwas kann nicht wirklich eine Lösung sein. Aber wenn man die echten Ursachen finden würde, dann könnte man (hoffentlich) auch adäquate Massnahmen ergreifen.

      Dann noch ein Wort zu “Was ändert dieses Bild in der Gesellschaft, ausser dass es einen Keil…”: Also das ist nun gar nicht das Thema! Entweder ist man interessiert daran wie etwas wirklich funktioniert – oder man zieht sich einfach eine ideologische Mütze über. Wir “malen” uns ja nicht aus Sadismus solche (durchaus irritierenden) Bilder aus – nein! Nur weil uns die Antwort nicht genehm ist können wir doch nicht einfach die Augen vor den Tatsachen verschliessen.
      Auch sehe ich das mit dem Keil nicht ein. Eine blosse Wahrheit, ein Fakt treibt doch nie einen Keil zwischen etwas. Es kommt immer darauf an, was man anschliessend mit dieser Wahrheit anfängt – ob man sie dazu benutzt um Keile zu treiben.
      Naja, vielleicht irre ich mich auch – ich bin kein Philosoph. Und über hypothetische Auswirkungen einer hypothetischen Wahrheit nachzusinnen ist auch nicht meine Stärke.

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