(1) Ist eine Vergewaltigung so schlimm? – Aus meiner (männlichen) Perspektive.
(2) Evolutionär erfolgreiche Strategie? – Biologie/Biologismus.
(3) Weibliches Unvermögen zur sachlichen Diskussion.
Um es vorweg zu nehmen: Ja ich spreche hier von “den Frauen” und bin mir bewusst, dass dies bloss eine Pauschalisierung ist.
Nun habe ich es gewagt – besser gesagt: den Fehler gemacht – und habe das Thema Vergewaltigung Frauen gegenüber in meinem Umfeld angesprochen. Das heisst ich habe den evolutionspsychologischen Gedanken des “erfolgreichen Vergewaltigunserbgang” dargestellt. Ein fruchtbares Gespräch hat sich dabei nie ergeben. Besonders fatal war der Versuch bei meiner Arbeitskollegin (mit der mich eine echte Freundschaft verbindet). Es dauerte mehr als eine Woche, bis sie sich wieder mit mir verstand… Dabei habe ich alle Vorsicht walten lassen! Habe vorgängig Vergewaltigungen ganz entschieden verurteilt und auch klar gesagt, dass es mir nicht um eine Rechtfertigung der Tat, sondern um eine biologische Erklärung des Phänomens gehe. Alles war umsonst! Sobald die Worte “[...] Vergewaltigung [...] evolutionär erfolgreiche Strategie [...]” meinen Mund verliessen, da wurde ich auch schon angekeift, als ob ich gleich über sie herfallen werde. Sie hat unglaublich emotional reagiert und mich ziemlich übel beschimpft.
Ganz so dramatisch waren die beiden andere Male, da ich es versucht habe, nicht – emotional waren die Reaktionen dennoch. Und auf das Thema eingegangen wurde in keinem Fall. Die Frauen folgten stur dem Schema: Vergewaltigung – böse – Erklärungsverbot.
Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass es sich bei den drei Frauen nicht um Landpommeranzen handelt! Nein, es sind alles studierte Biologen – die in ihrem sonstigem Leben absolut rational und nüchtern sind. Auch kann man sich mit den Damen (jedenfalls mit meiner Arbeitskollegin) über alles Mögliche und Unmögliche unterhalten – es gibt sonst praktisch keine Tabus in der Themenwahl (von sexuellen Praktiken, über amoralische Versuchsanordnungen oder wie man den besten Käse aus menschlicher Muttermilch herstellt, etc.). Aber eine Erklärung für das Verhalten von vergewaltigenden Männern abseits von “böse Männer”, “Machtanspruch” oder “Kultur des Vergewaltigens” wird zum Tabu gemacht. Merkwürdig finde ich das.
Es erstaunt mich einfach, dass “die Frauen” scheinbar nicht in der Lage sind dieses Phänomen nüchtern zu betrachten. Insbesondere bin ich erstaunt, weil die gleichen Frauen entsprechende Interpretationen bei Tieren auch kennen und als gültig anerkennen.
Ich jedenfalls habe meine Lektion gelernt (nach immerhin drei Versuchen). Niemals wieder werde ich mit Frauen von Angesicht zu Angesicht über dieses Thema sprechen (bleibt die Halbanonymität im Internet). Denn: Allen Versicherungen, dass ich Vergewaltigungen verurteile, zum Trotz – bleibt doch immer etwas hängen (es bleibt was hängen, weil die Frauen eben nicht sachlich darüber sprechen können; sie trennen nicht zwischen Tat und Diskussion!). Die Beziehungen waren für einige Zeit echt belastet – als ob ich ein Vergewaltiger wäre! Und ein solcher Ruf kann das eigene Wohlbefinden echt schmälern…
Von Mann zu Mann kann man sich darüber unterhalten – und man stösst auch bei Männern nicht nur auf Zustimmung! Aber man kann darüber sprechen, ganz normal, ganz gesittet, wie über jedes andere Thema auch.
Das Positive noch zum Schluss: Ein viertes Mal habe ich es eigentlich auch noch gewagt – nur zählt das nur halb (wegen Befangenheit). Mit meiner Freundin habe ich natürlich auch darüber gesprochen. Resultat: Sie schaut mich gelangweilt an und entgegnet, es sei doch wohl trivial und offensichtlich, dass es sich bei Vergewaltigung um ein evolutionär erfolgreiches Verhalten und entsprechend um eine Adaptation handle. Wobei meine Liebste ist auch Anthropologin – und nicht Botaniker wie ich und die drei “Testfrauen”.
UPDATE!
Auf dem Blog “Alles Evolution” fand ich in den Kommentaren (zu einem Reblog des lesenswerten Artikels “Das “besondere” Verbrechen. Tilt“) folgende Wortmeldung:
Über Vergewaltigung kann mensch nicht sachlich i.S. von unbeteiligt und gefühlsarm reden.
Das können Vergewaltigte nicht und nicht solche, die sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren – weil sie diese Erfahrung haben, das können Menschen (m/w) nicht, die diese Erfahrung nicht gemacht haben – weil sie nur schwer erfassen können, welch Überwältigung und Eingriff in die Persönlichkeitsrechte das sein kann, das können Vergewaltiger nicht, weil – ok, das ergibt sich eigentlich von selbst. (Zitat: Khaos.Kind)
Die Hervorhebung stammt von mir, der Kommentar – natürlich – von einer Frau. Eine weitere Bestätigung, dass Frauen nicht sachlich über das Thema sprechen können (bzw. gar das stolze zur Schau stellen dieser Haltung). Das Argument aus mangelnder Erfahrung nicht sachlich darüber sprechen zu können ist auch mehr als merkwürdig: Ich kann doch auch sachlich über Infantizid in der Tierwelt (oder beim Menschen) sprechen – auch wenn ich selbst noch nie einen Kindsmord begangen habe noch sonst wie betroffen war!
Nur eine sachliche Auseinandersetzung kann zu einem echten Fortschritt führen.
In einem weiteren Kommentar wird dann aber schnell entgegnet, dass man diese Sachlichkeit nicht von Opfern erwarten kann (ist wohl offensichtlich…), von nicht betroffenen Frauen (und Männern) darf man Sachlichkeit aber sehr wohl erwarten und fordern!




Wenn du mich schon zitierst, dann bitte auch MIT meinem Nick.
Und ich erwähne doch direkt, warum auch nicht-betroffene beider Geschlechter nicht sachlich (i.S.v. unbeteiligt/gefühlsarm) darüber diskutieren können. Der Beweis dafür ist die komplette Diskussion auf Christians Blog.
Deinen Nick habe ich angefügt – danke für den Hinweis.
@ Khaos.Kind
Die Diskussion auf seinem Blog ist eben gerade der Beweis dafür, dass Frauen das nicht können. Nicht DIE Frauen, sondern die Frauen auf dem Blog.
@ Raskalnikow
Ich hatte schon das Vergnügen mich mit bekannten Evolutionsbiologen über das Thema Gleichstellungsfeminismus und Queertheorie zu unterhalten und sie alle, einstimmig, sahen darin eine wachsende Bedrohung für die Wissenschaft, die Evolutionsbiologie im Speziellen.
Wie stehst du dazu?
@terminator
Da die Männer auf dem Blog auch nicht sachlich darüber reden können und das wunderbar darstellen – relativiert sich das Ganze und belegt meine Aussage. Sag ich ja.
Nein das sehe ich nicht als Bedrohung für “die Evolutionsbiologie”. In der Evolutionsbiologie beschäftigt man sich doch meist mit konkreten, messbaren Grössen – z.B. morphologische Anpassungen eines Vogelschnabels an eine sich verändernde Nahrungsquelle. Die Genderbewegung streitet sich doch hauptsächlich mit den Psychologen, welche evolutionäre Psychologie betreiben? Für dieses Fach sehe ich schon eine Gefahr – insofern hier wirklich Denkverbote aus “politischer Korrektheit” errichtet werden.
Nun ich denke, dieser Genderwahn wird spätestens dann wieder verschwinden, wenn die Neurowissenschaften konkrete “harte” Resultate bringt… Oder aber die Gendertheorien werden bestätigt – könnte ja auch sein.
Also was ich zu sagen versuche: In der Evolutionsbiologie werden schliesslich harte Fakten geschaffen. Da gibt es nichts (wenig), was vom ideologischen Hintergrund eines Forschers beeinflusst werden kann. In der evolutionären Psychologie sieht es halt naturgemäss anders aus… Negativ formuliert ist es einfach “viel Spekulation”. Nur – finde ich – wenn man sich wirklich eine biologische Perspektive verinnerlicht hat, dann ist es einfach sehr einleuchtend und sehr elegant auch so etwas wie Vergewaltigung vor diesem Hintergrund zu betrachten. Wir sind Tiere – Primaten (!). Das – bzw. die Konsequenzen – scheint auch nach 150 Jahren noch immer nicht wirklich in allen Köpfen angekommen zu sein.
Selbstbestätigende Verhalten ist dir nicht fremd, stimmt Khaos.Kind.
Lieber Raskalnikow,
schon als Du dieses Fass aufgemacht hattest, war mir klar, dass über kurz oder lang nur noch Deine Füße oben rausschauen würden. „Der traut sich was“, dachte ich mir. Recht haben reicht oft nicht. Ich zitiere aus dem sehr lesenswerten (aber leider vergriffenen) Buch “Krieg der Spermien” von Robin Baker:
“Forscher können sich kaum unbeliebter machen, als wenn sie eine objektive Analyse der Vergewaltigung vortragen.”
Dies sind seine einleitenden Worte zu einer objektiven Analyse der Vergewaltigung.
Ich schreibe Dir aber eigentlich vor allem, weil mein eigenes Posting von heute ein sehr ähnliches Problem behandelt: die Singer-Debatte und warum sie eigentlich unmöglich ist. In beiden Fällen kommst Du mit rationaler Analyse nicht weit. Diese Parallele finde ich ziemlich interessant.
Salut Evidentist,
dein “Recht haben reicht oft nicht” liess mich schmunzeln. Es sind wirklich zwei verschiedene Dinge, ob man in der Halbanonymität des Internets ein paar unpopuläre Ansichten vertritt oder ob man konkret in der Kaffeepause gemieden wird.
Ob ich (bzw. die evolutionäre Psychologie) in der Causa “Phänomen Vergewaltigung” wirklich Recht habe weiss ich auch nicht, dass der “Rapeculture”-Ansatz falsch ist dagegen schon.
Fatal für unsere Gesellschaft ist doch einfach wenn politische Korrektheit zu Denkverboten führt, egal um welches Thema es sich nun konkret handelt. Anstand und Respekt sind wichtig – keine Frage! Nur was soll es uns nutzen, wenn wir uns vor lauter Anstand gegenseitig belügen?
Oh mir fällt noch etwas ganz anderes ein – wollt’ ich dir schon lange mal sagen: Bist du dir bewusst, dass englisch “evidence” und deutsch “Evidenz” so ziemlich als Antonyme gelten können? Dein Blogname war mir deshalb zu Beginn recht verwirrend…
Ja, guter Hinweis, danke. Zum Begriff Evidenz wollte ich auch mal was schreiben. Der Name spielt natürlich auf die EBM an, und in diesem Zusammenhang wird “Evidenz” auch im Sinn von “evidence” verstanden.
Ich vermute diese negativen emotionalen Reaktionen beruhen unter anderem darauf, dass in Alltagsgesprächen “natürlich” und “evolutionsbedingt” normalerweise nicht lediglich als Erklärung, sondern als Rechtfertigung für bestimmtes menschiches Verhalten gebraucht wird. Es ist sozusagen ausserhalb der gewöhnlichen Diskussionskultur, dass man damit gar nicht seinen eigenen Standpunkt untermauern will. Obwohl, gerade Biologinnen sollten über diesen Kontext hinaus sehen können.