#82 Meine kleine Christenumfrage


Zu Beginn dieser Woche habe ich eine kleine Umfrage (mit Google Docs) gestaltet, diese in einigen christlichen Foren gepostet und höflichst um Teilnahme gebeten (mich aber sonst nicht weiter darum gekümmert). Auch auf Twitter habe ich es mal an einige Institutionen getweetet – doch davon habe ich mir ohnehin nicht all zu viel versprochen.

Bis heute haben sich immerhin 19 Personen daran beteiligt und die Antworten sind auch durchaus schon interessant ausgefallen. Doch zuerst noch meine Umfrage und Intention kurz vorgestellt:

Ich hatte vor, verschiedene Interpretationen des Christentums konkret einzufangen – und dabei auch gleich die Beliebigkeit der Begriffe zu entlarven. Die Umfrage enthält nur drei Fragen. Als erstes wollte ich wissen, zu welcher Konfession oder Kirche sich der Teilnehmende bekennt. Dabei ging es mir mit dieser Frage nicht bloss darum eine gewisse Kategorisierung vornehmen zu können, sonder auch darum den Teilnehmenden schon ein bisschen zu leiten/”channeln”/einzustimmen.
Weiter ging es mit der zentralen Frage:”Welche Vorgaben müssen erfüllt sein, um Christ zu sein?” Und als Antwortoption ein Textfeld mit der Bitte sich auf Stichworte zu beschränken. Hier wollte ich also sehen, wie die Leute “Christ-Sein” mit eigenen Worten definieren.
Um die Gedanken etwas abzulenken habe ich eine Zwischenfrage eingebaut – die mich aber auch interessiert:”Was verstehen Sie unter christlichen Werten?” Damit hatte ich natürlich vor, aufzuzeigen, dass sogar von gläubigen Christen zu dieser Leerformel die verschiedensten Antworten kommen – also Beliebiges eingetragen werden kann.
Mit der letzten Frage kam ich nochmals aufs “Christ-Sein” zurück, diesmal aber mit einer Palette an vorgegebenen Antworten, von denen die “Minimalbedingungen” fürs “Christ-Sein” ausgewählt werden mussten.

Die Optionen waren:

1. getauft 12. glaubt das Alte Testament wurde vom Neuen Testament abgelöst (= AT ist nicht mehr verbindlich)
2. Mitglied einer beliebigen christlichen Kirche 13. zeigt Engagement für die Armen und Unglücklichen
3. Mitglied einer bestimmten christlichen Kirche 14. lebt in Armut
4. zahlt Kirchensteuer 15. lebt in Bescheidenheit und Demut
5. glaubt an einen Schöpfergott 16. betet zu Gott
6. glaubt an einen paradiesischen Himmel 17. beichtet seine Sünden
7. glaubt an eine schreckliche Hölle 18. nimmt am Abendmahl teil
8. glaubt an das ewige Leben nach dem Tod 19. arbeitet am Sonntag nicht
9. glaubt an Jesus Christus (d.h. Gott erschien vor ca. 2000 Jahren in menschlicher Gestalt auf Erden und nahm durch sein Opfer [Kreuztod] die Sünden der Menschen auf sich) 20. glaubt an Jesu Auferstehung
10. glaubt nur durch Jesus Christus findet man das ewige Leben im himmlischen Paradies 21. glaubt an den Dreieinigen Gott (Trinität Gott-Jesus-Heiliger Geist)
11. akzeptiert die Bibel als Gottes Wort (im weitesten Sinne) 22. akzeptiert die Bibel als wörtlich von Gott geschaffenes Zeugnis

Es ist klar, dass ich die Antworten 2 & 4 einer Person miteinander vergleichen wollte – und die Unterschiede in der Selbstdefinition und der “offiziellen” Doktrin aufzeigen möchte. Einige Antwortoptionen sind natürlich auf ganz bestimmte Konfessionen gemünzt… (Katholiken müssen z.B. beichten – anerkennen sie aber auch nicht-beichtende Jesus-Jünger als Christen?).

Ohne das Ganze weiter zu zerreden verweise ich nun direkt auf die Antworten:

1. Vollständiges Tabellenblatt: Umfrage für Christen

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6 Gedanken zu “#82 Meine kleine Christenumfrage

  1. Tja sie sind leider alle beschränkt, diese Religionen, daher ist auch zwischen “Gewissheit habend”,ehrlich (Agnostizismus/ Gnostizismus) und “glaubend”, unehrlich (Atheismus/Theismus) gut zu differenzieren. Als Theosophe, welcher die Bibel auswendig kennt ohne sie gelesen zu haben, kann ich allen Religionen und umso älter sie sind viel wahres abgewinnen, dem etablierten Christentum jedoch genauso viel Nonsens, gegenüber etwa dem Islam als relativ reine Lehre. Wie letzterer jedoch ausgelebt wird, und zwar ausschliesslich in Ländern, in denen er nicht verwurzelt ist (Afrika, Polynesien), rückt ihn in ein schlechteres Bild als er es ist, etwas, das dem Christentum langsam auch blühen dürfte, denn was heute gepredigt ist in zunehmendem Masse geistesgestört. Ich fand immer, das moderate Moslems und radikale Katholiken die realitätsnächsten sind, mit sinnvollen Werten und die Wahrheit relativ gut durschauend, alle anderen sind Mitläufer und Träumer, oder [von Raskalnikow editiert: Ich dulde hier keinen Rassismus - auch nicht in beiläufigen Bildern]

  2. Ach, von Dir kam der Kommentarspam. Hättest Dich ja mal auf die Mail melden können.
    Ich hatte mich auch schon gewundert, warum da zweimal quasi das gleiche kommt als Frage. Und mich ein wenig über den Versuch geärgert, den Glauben so irgendwie in eine Definition zwängen zu wollen. Jetzt ist mir jedenfalls klar, was der Zweck des Ganzen war.
    Und zufrieden? Interessant finde ich ja, daß ich nicht der einzige war, der sich in den vorgegebenen Konfessionsmustern nicht wiederfinden konnte (zur Info: Auch in Deutschland gibt es Reformierte und auch in der Schweiz gibt es Lutheraner).

    • Hi BBT,
      den Link habe ich einfach auch einigen bloggenden Christen zugesteckt – da die ganze Sache aber reichlich unsystematisch ablief habe ich mich auch nicht mehr weiter darum gekümmert (so wichtig war es mir nicht) – also: Ich bitte um Entschuldigung für die nicht-beantwortete Post!
      Die Sache an sich interessiert mich aber schon – nicht nur bei Christen. Wann ist jemand IN einer Religion mit dabei? Welche Bedingungen müssen erfüllt sein? Reicht die Selbstdeklaration? Braucht es auch eine Anerkennung seitens einer Gruppe? Beides? Gibt es keine Minimalbedingungen (kann man “Christ” sein ohne an Jesus zu glauben – wohl kaum)?

      Und mich ein wenig über den Versuch geärgert, den Glauben so irgendwie in eine Definition zwängen zu wollen

      -> Genau dies beschäftigt mich! Ja, ich möchte endlich mal so was wie einen verbindlichen Katalog sehen! Für die Katholiken gibts das im Prinzip auch schon, für die Lutheraner eigentlich auch, doch die Zwinglianer kennen bis heute kein eigentliches Bekenntnis… Alles schwammig, alles unklar also… macht es natürlich einfach um gegen Kritiker zu immunisieren: “Ja sooooo haben wir das aber nicht gemeint!”

      Wegen der Konfessionszugehörigkeit: Ist mir alles klar! Eigentlich wollte ich es zu Beginn einfacher halten, doch dann wollte ich schon auch wissen, ob sich viele Schweizer (die interessieren mich im Speziellen) beteiligten. Rausgekommen ist irgendwas krummes unbrauchbares – nun für ne kleine Übersicht reicht es aber schon (besonders gefreut hat mich die Teilnahme des orthodoxen Gläubigen).
      Auch war es mein erster Versuch mit einem Google Docs Formular… Vielleicht wage ich nochmals einen besser ausgearbeiteten Versuch – insofern sehe ich es als Voruntersuchung :)

      Die Teilnehmer haben bei diesem Versuch auch keine direkte Möglichkeit die Resultate zu sehen… ist natürlich nicht sehr nett.

  3. doch die Zwinglianer kennen bis heute kein eigentliches Bekenntnis

    … und haben nicht ganz unrecht mit diesem Ansatz.

    Alles schwammig, alles unklar also

    Es sperrt sich gegen eine Kategorisierung, ja. Aber Menschen sind halt nicht immer so leicht in Schubladen zu zwängen. Natürlich muß man in der Religionswissenschft oder ähnlichen Gebieten versuchen, trotzdem eine Kategorisierung vorzunehmen, sonst kann man mit der Sache gar nicht umgehen. Man muß sich aber auch immer im Klaren darüber sein, wie weit soche Kategorisierungen tragen. So gibt es fr die Frage “Wer ist ein echter Christ” mehrere Perspektiven. Die Eigenperspektive, die Gruppenperspektive, die Perspektive der Führung oder auch die Perspektive Außenstehender. Das alles kann mehr oder minder formalisiert vorliegen (Stichwort Bekentnisschriften), muß es aber nicht.

    macht es natürlich einfach um gegen Kritiker zu immunisieren: “Ja sooooo haben wir das aber nicht gemeint!”

    Tja, dann muß man sch halt mit den jeweiligen Menschen selbst auseinandersetzen. Meine Erfahrung ist zum Beispiel, daß Kritiker, also Menschen in der Außenperspektive, gewisse Definitionen der Religionszugehörigkeit voraussetzen und als objektiv deklarieren (das sind sie nicht, sebst in der katholischen Kirche) und davon ausgehend dann Kritik üben, dabei aber weitgehend gegen Strohpuppen kämpfen, da sich in der zu Grunde liegenden Definition niemand wiederfinden kann.

    besonders gefreut hat mich die Teilnahme des orthodoxen Gläubigen

    Ich hätte mich auch fast so bezeichnet. Ich halte mich für orthodox (nicht griechisch oder russisch), ebenso für katholisch (nicht römisch), bin aber Protestant. Ist halt so ne Sache, mit der Selbstbezeichnung. ;)
    Mal sehen, vielleicht widme ich der Frage der Zugehörigkeit zum Christentum nen eigenen Blogpost (die Frage hat mich irgendwie inspiriert, weiß noch nicht, ob ich das jetzt zeitlich hinkrieg), Du kriegst in jedem Fall nen Pingback. ;)

  4. Stimmt, aber selbst da sind etwa die Altorientalen nicht mit dabei, also vor allem Kopten und andere Konfessionn in den arabischen Ländern. Außerdem gibt es auch bei diesem Bekenntnis den Streit zwischen Ost- und Westkirche um das filioque. Darüber hinaus sind die Formulierungen für die Streits in der damaligen Zeit gefasst worden. Sie werden heute nicht verworfen, richten aber recht wenig für heutige Fragen aus.

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