#2 Schweizer Religionswirren


Einleitung siehe unter #1

In der leidigen Geschichte um die atheistische Plakatkampagne ist ein interessanter Aspekt aufgetaucht. Die Zuger Exekutive, welche die Plakatkampagne als einzige in der ganzen Schweiz verboten hat, erliess das Verbot in der selben Sitzung, in der sie die Plakate für die Minarettinitiative als zulässig befand.

Es sind für mich zwei Szenarien vorstellbar, wie die werten Ratsherren dazu kamen die Minarett-Plakate zu genehmigen.

Es könnte sein, dass sie in einer intensiven Diskussion eine Güterabwägung vorgenommen haben, dass sie also das Recht auf freie Meinungsäusserung und den wichtigen Prozess der politischen Meinungsbildung vor einer Abstimmung gegen eine mögliche Diskriminierung von Muslimen und unterschwelligen Rassismus gegeneinander abwogen und zum Schluss kamen, dass die politische Meinungsbildung und die dazu nötigen Äusserungen wichtiger sind als die mögliche Verletzung muslimischer Befindlichkeiten.

Möglich wäre aber auch, dass sich die Ratsherren dachten, dass wir hier in der Schweiz schliesslich in einem christlichen Land leben und hier der Islam nichts zu suchen hat. Weil man den Islam (der Verfassung wegen… Religionsfreiheit) aber nicht verbieten kann, so soll er doch wenigstens möglichst unsichtbar bleiben und sich nicht weiter ausbreiten. Die Muslime dürfen zwar brav Steuern zahlen, aber Minarette aufstellen – welche sie aus eigenem Geld zahlen – sollen sie lieber nicht dürfen.

Nun wüsste man eigentlich nicht welches der beiden Szenarien zutrifft, schliesslich kennt man keinen dieser Honoritäten persönlich und auch wenn… wer würde schon das zweite Szenarium zugeben, es wäre schlicht politischer Selbstmord.

Da aber die atheistische Plakatkampagne so schnell und ohne grossen Aufhebens verboten wurde ist auch klar welche geistige Haltung die Ratsherren einnehmen: Alles was dem christlichen Befinden nicht genehm ist wird verboten und bekämpft.

So etwas wie die Verfassung geht die konservativen Ultras in der Zentralschweiz nichts an.

Für diese Leute scheint es selbstverständlich zu sein, dass die atheistische Meinungsäusserung unterdrückt werden darf – mit dem Hinweis auf die Verletzung religiöser Gefühle. Diese Ignoranten können im Gegenzug aber nicht begreifen, dass die christliche Präsenz auch areligiöse Gefühle verletzt – nur gilt es diese natürlich nicht zu schützen… Denn niemals wurde im Zuger Rat über die Plakate der berüchtigten Agentur-C verhandelt. Und gegen die penetranten Sprüche, welche von jenen Plakaten prangen sind die Plakate der Atheisten kaum der Rede wert.

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