#1 Schweizer Religionswirren


Seit Huntingtons „Clash of Civilizations“ (1996) ist schon einige Zeit vergangen und seine politische Einschätzung muss wohl als Irrtum erkannt werden, auch wenn sie sich mittlerweile als selbsterfüllende Prophezeiung verwirklicht. Auch die Terroranschläge vom 11. September 2001 liegen Jahre zurück, sogar Afghanistan- und Irak-Krieg sind geschlagen – wenn auch nicht gewonnen…

In der Schweiz scheint aber die traditionell verbreitete Fremdenfeindlichkeit seit diesem Jahr vermehrt in Religionswirren aufzugehen. Den genannten Ereignissen entsprechend stand und steht immer noch das Verhältnis zum Islam im Vordergrund, was einigermassen langweilig ist, da in diesem Fall die Religion simpel als Synonym für das Fremde steht und das Thema deshalb auch stumpfsinnig von der SVP besetzt wird.
Mittlerweile rückt die Debatte aber immer mehr zum eigentlichen Kern der Sache vor: Wie hält es die Schweiz ganz allgemein mit den Religionen und Kirchen?

Es war die atheistische Buskampagne der Britin Ariane Sherine welche dem Thema auch in der Schweiz neuen Auftrieb gab. Genauer gesagt haben nur schon deren Ankündigung und erste Abklärungen die religiösen Gefühle (die aus unerfindlichen Gründen bekanntlich einerseits besonders schützenswert, andererseits äusserst leicht zu verletzen sind…) hoch gehen lassen. Zahlreiche Verkehrsbetriebe in den Kantonen lehnen es ab die Plakate an ihren Fahrzeugen (Busse und Trams) anzubringen. Die für die Schweizer Kampagne verantwortliche Freidenkervereinigung plante darauf auf Plakatwände auszuweichen, rechnete aber nicht mit dem Widerstand der konservativen Exekutiven der katholischen zentralschweizer Kantonen Luzern und Zug. In Luzern zog der Verantwortliche CVP-Politiker seinen Einwand aber zurück, nachdem Exponenten der Kirchen (aus taktischen Gründen) bekannten keine Probleme mit der Kampagne zu haben. Nach Bekanntwerden des Luzerner Entscheides entschloss die Zuger Regierung ihrerseits die Plakate zu verbieten.

Anhand dieser auf den ersten Blick belanglosen Debatte werden einige grundlegende Probleme der Schweiz und die rückwärts gewandte Geisteshaltung vieler Schweizer offenbar. Meinungsfreiheit, Gewissens- und Religionsfreiheit werden in der Schweiz vielleicht meistens gewährt, sie sind aber nicht in letzter Konsequenz (der Verfassung entsprechend) verwirklicht.

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