#12 Bildungslandschaft Schweiz – Gesundheitswesen


Das Gesundheitswesen der Schweiz beklagt zunehmend Schwierigkeiten genügend Personal anzuwerben. Die Ärzteschaft wird zu grossen Teilen aus Deutschland importiert und die Krankenschwestern stammen hauptsächlich aus dem Balkan und der Türkei.

Die politische Rechte führt dazu natürlich gleich wieder Überfremdungsängste ins Feld, was ich hier unterlassen möchte – auch wenn ich zugebe, dass es auch mich stört wenn man in gewissen Berufsfeldern die Leute nicht mehr in der eigenen Landessprache ansprechen kann (ich muss dann von Schweizerdeutsch auf Schriftdeutsch wechseln). Vielmehr sollte sich die Schweiz auch die Frage stellen, wie es wohl der deutsche Steuerzahler empfindet, wenn die äusserst teuren Medizinstudenten für das Schweizer Gesundheitswesen ausgebildet wurden…

Um dem Mangel an Krankenschwestern (oder politisch korrekt: Pflegepersonal) zu begegnen sprechen die zuständigen Politiker immer von einer „Aufwertung“ des Berufes und einer verbesserten Ausbildung. Es sollen auch die Anforderungen angehoben werden – keine Realschüler mehr, Sekundarschüler oder gar Gymnasiasten sollen es sein. Und natürlich auch mehr Weiterbildung, an Fachhochschulen…

Ich hege grosse Zweifel an dieser Strategie. Mit der Matura sollen sich die Leute dann entscheiden Jurist, Arzt, Ingenieur, Chemiker oder doch lieber Krankenpfleger zu werden? Wer sich da für den Pflegeberuf entscheidet wäre doch einfach dumm. Mehr Leute bekommt man nicht mit höheren Anforderungen ins Gesundheitswesen, sondern mit tieferen! Wer möchte nach einem Fachhochschulstudium noch Fäkalien wegputzen und Betten machen?

Analoges gilt auch für die Lehrerausbildung: In Zürich müssen nun auch Kindergärtnerinnen die Matura vorweisen und eine umständliche Ausbildung an einer Pädagogischen Hochschule absolvieren.

Im Ausland wäre das alles vielleicht kein Problem, dort sind die Maturquoten doppelt so hoch wie in der Schweiz. In der Schweiz absolvieren jedoch nur etwa 20% aller Schüler das Gymnasium. Man kann es nämlich auch ohne Matur – Berufsbildung sei Dank! – sehr weit bringen. Den finanziellen Rückstand durch die längere Ausbildung der Studierten können übrigens nur jene aufholen die es zu einem besseren Managerposten schaffen… Die allermeisten ehemaligen Sekundarschüler verdienen nach einer ordentlichen Lehre in der Summe mehr als die Akademiker.

2 Gedanken zu „#12 Bildungslandschaft Schweiz – Gesundheitswesen

  1. Danke für den Einblick ins Schweizer Bildungssystem.
    Tja, in D werden Ärzte ausgebildet und dann so schlecht bezahlt und behandelt, dass viele lieber ins Ausland gehen. Allerdings beschweren sich die Österreicher, dass zu viele Deutsche da studieren, grad auch Medizin, und dann nicht dort arbeiten, lol.
    20% Matura scheint mir wirklich nicht viel, aber wenn der Rest des Bildungssystems stimmt….

    Für alles sollte man wirklich keine Matura (Abitur) brauchen, da hast du sicher recht.
    Bei ErzieherInnen/KindergärtnerInnen bin ich anderer Meinung. In D sieht man, dass das System daran krankt, dass man die wichtige Zeit von 3 – 6 Jahren als pure Kinderbetreuung auffasst und von minder ausgebildeten Leuten die Kinder oft nur verwahren lässt, statt sie zu fördern. In Frankreich haben schon seit vielen Jahren die Beschäftigten in den écoles maternelles eine den GrundschullehrerInnen vergleichbare Ausbildung.
    Vielleicht würde eine weitere Aufwertung dieses Berufsfeldes auch endlich wieder mehr Männer in diesen Bereich führen.

    Sorry für so viel OT.

  2. Mein Einwand ist hier, dass die Matura ein denkbar schlechtes Kriterium ist um die Leute zu selektionieren. Wenn nur 20% eine Matura machen, dann bedeutet das, dass es (hoffentlich) nur die wirklich besten Schüler aufs Gymnasium schaffen. Und diese Leute braucht es dann auch mehr oder weniger als Akademiker auf dem Arbeitsmarkt (die Schweiz hat trotzdem noch viel zu wenige und rekrutiert deshalb fleissig Akademiker im Ausland). Es gibt in den verbleibenden 80% der Schüler noch immer viele helle Köpfe… Und jene, welche ein Talent für den Umgang mit Kindern haben, jene sollten doch Kindergärtner werden. Die Matura als Kriterium schliesst doch viele fähige Leute aus und sagt gleichzeitig nichts über die konkrete Qualifikation eines Bewerbers aus.
    Wozu sollte ein (Deutschschweizer) Kindergärtner auch Französisch und Englisch (evt. Latein) in Wort und Schrift beherrschen müssen, Kenntnisse über die Weltliteratur haben, eine Kurvendiskussion führen (Analysis) können, vertiefte Kenntnisse in Chemie und Biologie haben? – Versteh‘ mich nicht falsch: Ich finde alle Bürger sollten eigentlich über diese Bildung verfügen! Aber als Qualifikation für einen Kindergärtner ist das doch alles nicht brauchbar und nötig.

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