#13 Bildungslandschaft Schweiz – die Universitäten


Beim Thema Universitätsbetrieb habe ich einen Hang zu xenophoben Ansichten. Mir ist das zwar oft selbst ein wenig peinlich – aber ich berichte hier einmal darüber und hoffe, dass sich in den Kommentaren Gegenstimmen mit starken Argumenten von sich hören lassen.

Als Student im Grundstudium bemerkt man es vielleicht gar nicht. Es fallen einem höchstens die zahlreichen ausländischen Professoren auf – meistens sogar positiv. Merkwürdig ist allenfalls, dass sich viele dieser Professoren der Landessprache verweigern und auf englisch dozieren.

Nimmt man aber nach dem Grundstudium seine Arbeit in einer Forschungsgruppe auf ist es unübersehbar. Mindestens die Hälfte aller Doktoranden und Post-Docs sind keine Schweizer. In vielen Gruppen sind sogar überhaupt keine Einheimischen vertreten, allenfalls noch der Professor – oft nicht einmal der. (Ich sollte vielleicht noch einmal darauf hinweisen, dass ich an einer naturwissenschaftlichen Fakultät studiert habe – an meinem Institut waren Deutsche, Österreicher, Engländer, Franzosen, Chinesen, Inder, Japaner, Dänen, Schweden, Südafrikaner, Australier, Italiener und Iraner vertreten).

Nun will ich mich dem positiven Aspekt nicht verschliessen: Für „die Forschung“ ist es natürlich eine Bereicherung, wenn aus der ganzen Welt die besten Leute in die Schweiz kommen und unsere Institutionen von ihren Leistungen profitieren können. Abgesehen davon ist es natürlich auch eine schöne Erfahrung mit Menschen aus allen Teilen der Welt sprechen zu können.

Die Liste der negativen Aspekte wiegt aus meiner Sicht jedoch ungleich schwerer. Da der allergrösste Teil der universitären Tätigkeiten völlig nutzlos (für die steuerzahlende Bevölkerung) ist, wäre ihre einzige Berechtigung die Schaffung von Arbeitsplätzen – Arbeitsplätze für Abkömmlinge der finanzierenden Bevölkerung. Wie sollte ein Schreiner einsehen, dass seine Steuergelder für die Ausbildung eines Dänen benutzt werden, währenddem sein eigener Sohn keine Arbeit findet?
Desweitern ist an die prekäre Situation der Forschenden zu denken: Der Arbeitsmarkt für universitäre Forschung ist total globalisiert – warum soll man künstlich  noch mehr Konkurrenz (zum eigenen Forschungsnachwuchs) schaffen? Um einen Job als Post-Doc wird sich der in Zürich ausgebildete Inder genauso bewerben wie ein Schweizer. Und der Inder wird vermutlich sogar noch bevorzugt – seiner Auslandserfahrung wegen…

Vielleicht wäre eine Quotenregelung nicht schlecht. Ich schlage eine Begrenzung des Ausländeranteils auf 10% pro Forschungsgruppe vor – wobei Professoren (des hohen Gehalts wegen) doppelt oder mehr zählen würden.

2 Gedanken zu „#13 Bildungslandschaft Schweiz – die Universitäten

  1. Ich habe hier in Singapur auf einer „Karrieremesse“ mal einen Herrn getroffen, der die hiesigen Abiturienten zum Studium nach Baden-Württemberg locken sollte.

    Auf meine Frage, weshalb dafür so ein Aufwand betrieben wird, antwortete er mir, man hoffe, dass die Leute dann nach ihrem Studium in Deutschland über Kontakte verfügen und die deutsche Wirtschaft ankurbeln (z.B. durch Aufträge an deutsche Firmen). Ob sich das tatsächlich belegen lässt, weiß ich nicht.

    Ich stelle mir vor, in der Schweiz müsste man vor allem Diktatorenkinder anlocken, damit die dann ihr Geld weiterhin dort in Sicherheit bringen…

    • Also das mit den Diktatorenkindern entspricht in manchen Fällen wirklich der Realität. Aber die Konkurrenz in diesem Business ist ausgesprochen hart. Die (ehemaligen?) Kolonialmächte Frankreich, Vereinigtes Königreich und die VSA haben in dieser Beziehung ebenfalls eine lange Tradition…

      Deine Beobachtung auf der Karrieremesse ist wirklich erstaunlich. Es könnte schon sein, dass sich das Engagement auf lange Sicht auszahlt – gerade bei exportstarken Ländern wie Deutschland. Aber man wundert sich schon ein bisschen über den Aufwand der getrieben wird. Schlussendlich investiert man hier doch nur in eine Hoffnung.

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