#18 Schweizer Religionswirren – Kruzifixgeschichten


Kürzlich kam es zu zwei „Kruzifixvorfällen“ in Schweizer Schulzimmer. Im ersten Fall wollte ein Walliser Lehrer (Mitglied der Freidenker) die Kruzifixe in den Schulzimmern nicht akzeptieren und wurde darauf entlassen. Beim zweiten Fall hat sich im Luzernischen ein Vater (deutscher Einwanderer, ebenfalls Freidenker) gegen die Kruzifixe in den Schulzimmern seiner Kinder gewehrt (und verliess die Schweiz nach Morddrohungen).

Zum Themenkreis Kruzifix im Klassenzimmer gab es eine „Arena“-Sendung des Schweizer Fernsehen. An der Diskussion beteiligen sich der entlassene Walliser Lehrer Valentin Abgottspon, der Professor und Religionskritiker Beda Stadler (der Schweizer Dawkins), der CVP Nationalrat Pirmin Bischoff und der SVP Nationalrat Ulrich Schlüer.

Die Diskussion läuft relativ gesittet ab und bringt einige interessante Sachverhalte auf den Punkt, neue Argumente finden sich aber nicht. Hier also die Sendung:

http://www.videoportal.sf.tv/video?id=7a6877e1-a386-4501-b1b5-f3f8629c3299

Es gibt einen Stelle in der Diskussion, an der seitens der Konservativen die Präambel der Bundesverfassung als Argument hinzugezogen wird. Über diese Präambel habe ich mich auch schon einmal ausgelassen: #4 Aus der Bundesverfassung.

Interessante Randnotitz war für mich, dass der SVP Hardliner Schlüer sich outete, dass er damals im Initiativkomitee für die Trennung von Staat und Kirche im Kanton Zürich war. Für einmal war er doch tatsächlich auf der progressiven Seite!


Nachtrag:

Unglaublich ignorant und peinlich ist „die Lösung“ der zuständigen Behörde im Luzernischen. Sie entsprachen dem Begehren des Freidenkers und entfernten die Kruzifixe – montierten stattdessen aber Steinkreuze.

Und jetzt müssen sich natürlich alle Atheisten den Vorwurf gefallen lassen, sie seien intolerant, wenn sie mit dieser „Lösung“ immer noch nicht zufrieden sind. Sie beharren schliesslich auf einer atheistischen Maximalvorderung…

An dieser Argumentatsionsweise erkennt man, wie unaufgeklärt diese Leute noch immer sind. Da nützt auch alle Demokratie nichts: Demokratie ist auf aufgeklärte, gebildete, informierte und urteilsfähige Bürger angewiesen. Solange diese Anforderungen an die Bürger nicht erfüllt sind, kann es auch keine wirkliche Demokratie geben (und die schweizerische direkte Demokratie ist auf diese Limitierung besonders anfällig).

Solche unaufgeklärte, ungebildeten Horden sind ein leichtes Fressen für Vorurteile (Rassismus – typisch Schweiz, musste den 2. Weltkrieg nicht verarbeiten), alte Machtstrukturen (Kirchen – die meisten Kantone sind NICHT laizistisch) und Verführungen (Rechtspopulismus – Wahlerfolge der SVP).

4 Gedanken zu „#18 Schweizer Religionswirren – Kruzifixgeschichten

    • Liebe heisst nicht das man sich alles gefallen lassen muss.

      In übrigen steht es den Friedenkern frei eigene Schulen zu gründen.

      Templarii

    • Nur sind die Kreuze und Kruzifixe eben an Wänden von staatlichen Schulen angebracht. Bei christlichen Privatschulen will auch niemand die Kreuze verbieten. Nur weil die Freidenker ihre Kinder nicht christlich indoktriniert haben wollen, sollten sie doch nicht gezwungen sein Privatschulen zu gründen!
      Es wäre eben auch in der Schweiz Zeit für den Laizismus.

      „Liebe heisst nicht, dass man sich alles gefallen lassen muss.“ So rechtfertigst du also Morddrohungen?

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