#24 Die goldene Regel


Kennt ihr die goldene Regel? „Was du nicht möchtest das man dir antut, das tue auch keinem anderen an!“ oder anders rum: „Wie du mir, so ich dir!“

Die goldene Regel wird oft als das verbindende Element aller Religionen angepriesen. In praktisch allen heiligen Schriften findet sich die eine oder andere Version dieses Spruchs. Ob die Regel sinnvoll ist, ist eine andere Frage – in den meisten Fällen ist sie es wohl auch (es wurden mit dieser Parole aber auch schon Selbstmordanschläge verübt).

Was ich mich nun frage ist, ob die goldene Regel wirklich auch fürs Christentum gilt. Unbestreitbar ist, dass sie gleich zweimal in der Bibel in Erscheinung tritt. Einmal aktiv bei Matthäus 7,12 „Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt – das ist es, was das Gesetz und die Propheten fordern.“ Einmal passiv bei Tobit 4,15 „Was du selbst nicht erleiden möchtest, das füge auch keinem anderen zu!

In den meisten Interpretationen des Christentums (auch im Katholizismus) führen aber nicht „gute Taten“ und ein frommer Lebenswandel zur Aufnahme ins himmlische Paradies. Weit gefehlt – dann kämen doch alle Atheisten, Häretiker und Andersgläubige auch in den Himmel! Nur durch den Glauben an Jesus wird die Himmelspforte geöffnet.
Dieser Sachverhalt wird sogar von Jesus hochpersönlich verkündet: Joh 14,6 „Ich bin der Weg, denn ich bin die Wahrheit und das Leben. Einen anderen Weg zum Vater gibt es nicht.

Für einen Christen ist es also ziemlich unerheblich wie er sich anderen Menschen gegenüber verhält – unerheblich um sein Ziel – den Himmel – zu erreichen. Somit ist auch die goldene Regel kein zentraler Punkt der christlichen Lehre und es ist ziemlich an den Haaren herangezogen, dass die goldene Regel ein Verbindungspunkt des Christentums zu anderen Religionen sei.

Die goldene Regel ist geradezu ein Paradebeispiel, wie sich „schön zu lesende“ Passagen aus der Bibel instrumentalisieren lassen. Mit der christlichen Heilslehre hat die goldene Regel überhaupt nichts zu tun, trotzdem findet sich der Satz in der Bibel und lässt sich somit bequem Kritikern vorsetzen.
Je nachdem was gerade politisch opportun ist, wird beliebig aus der Bibel zitiert und nach Bestätigung des eigenen Standpunktes gesucht. Braucht man eine friedliche oder befriedende Religion, dann zitiert man die goldene Regel; braucht man eine missionarische oder aggressive Religion, dann finden sich auch entsprechende Passagen.

Eine Erweiterung der goldenen Regel (= diamantene Regel): „Behandle den anderen so, wie der andere behandelt werden will und frage das andere Individuum zuerst, wie es behandelt werden will, bevor Du Deine unkommunizierten und unreflektierten Projektionen an ihm verwirklichen willst!“,  Quelle: M. Röthlisberger.

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