#33 Geben und Nehmen – von Versagern, Faulenzern und Ausgenutzten (7 Diagramme)


Hinweis: Etwas unglücklich habe ich bei meinen Übersichten Daten aus verschiedenen Jahren gemischt. Die Werte haben sich aber nicht dramatisch verändert – somit sollten Tendenzen und Proportionen nach wie vor korrekt sein. Nur auf die konkreten abgeleiteten Zahlen ist kein Verlass! Jahresangaben: NFA – 2010; direkte Bundessteuern – 2006; Einwohner – 2009.

Die Steuern sind in der Schweiz immer ein grosses Thema – weil eben nicht nur die Schweiz der EU gute Steuerzahler abluchst, sondern auch gewisse Kantone die anderen im Steuerwettbewerb ausbooten. Vom Steuerwettbewerb abgesehen interessiert mich auch die Frage, wer denn nun eigentlich den „Staat Schweiz“ finanziert.

In einem älteren Posting ging ich der Frage schon einmal nach (#30 Wie viel Bundessteuern zahlen die Kantone?), habe dabei aber nur die direkte Bundessteuer (für natürliche und juristische Personen) betrachtet. Nun habe ich zusätzlich auch den Neuen Finanzausgleich (NFA) der Kantone miteinbezogen.

Zum Einstieg erst einmal die Übersicht der Geber und Nehmer im NFA:
-> Diagramm anklicken und man kann alles entziffern!

Acht Kantone bezahlen (wobei nur fünf Kantone nennenswerte Beträge beisteuern: ZH, GE, ZG, BS, SZ), achtzehn Kantone beziehen Gelder. Es fällt auf, dass die Beträge der Geber und der Nehmer nicht gleich gross sind, die Differenz begleicht der Bund (Geber Total = 1’158’276’000 SFR, Bezüger Total = 4’058’847’000 SFR, Bund = 2’900’571’000 SFR).
Der Witz dabei ist natürlich, dass auch die „Bundesgelder“ hauptsächlich aus den Kantonen stammen… Manche Kantone zahlen also erst mal viele Bundessteuern und dann müssen sie auch noch NFA direkt an andere Kantone zahlen! Bei anderen verhält es sich gerade umgekehrt: Die zahlen schon mal wenig Bundessteuern und bekommen im Gegenzug auch noch Gelder aus dem NFA! Wie praktisch! So werden die Tüchtigen gleich zweimal übervorteilt…

Es sticht hauptsächlich Bern als grösster Empfänger hervor. Weiter unten wird sich dies jedoch etwas relativieren (weil Bern eben doch auch einiges an Bundessteuern beiträgt und pro Einwohner auch nicht besonders viel NFA bezieht).

In einem zweiten Diagramm stelle ich alle Steuern nebeneinander, welche die Kantone abtreten müssen:

Allein schon diese Gegenüberstellung von NFA und direkten Bundessteuern (NP und JP) lässt unschönes ahnen. Zürich, Zug oder Genf haben drei gewaltige Säulen vorzuweisen – andere v.a. kleine Kantone scheinen (fast) nichts beizusteuern und viel NFA zu beziehen.

Anmerkung: Die gestrichelten, farbigen Linien zeigen den jeweiligen Mittelwert (gilt für alle Diagramme).

Nun möchte ich die drei „Steuersäulen“ addieren und neben die Bevölkerungszahlen stellen, schliesslich interessiert neben den Absolutwerten vor allem die Werte pro Kopf:

Und es tun sich Abgründe auf! Folgende drei Punkte finde ich erschreckend:

1) Das Wallis trägt überhaupt nichts zur Eidgenossenschaft bei, es bezieht nur 200 Mio SFR. Auch FR, GL, GR, JU und UR sind blosse Parasiten!

2) BE, LU und SG tragen trotz überdurchschnittlicher Bevölkerungszahl unterdurchschnittlich wenig bei.

3) ZG, GE, ZH, VD, BL und SZ tragen absolut und im Verhältnis zu ihrer Bevölkerung überproportional viel bei.

Die drei Gruppen lassen sich auch deutlicher benennen: 1) die Versager (aka Schmarotzer), 2) die Faulenzer und 3) die Ausgenutzten.

Im Folgenden zwei weitere Diagramme um das Verhältnis der geleisteten Zahlungen zur Einwohnerzahl darzustellen. Da im Diagramm links nicht alle Kantone erkennbar sind habe ich beim Diagramm rechts die Werteskala logarithmisch dargestellt (dabei gehen aber die Kantone mit Negativbeträgen verloren (also: VS, FR, GL, GR, JU, UR fehlen rechts).

Zu links: Die durchgezogene rote Linie ist bei Null Franken gezogen. Wer darunter liegt, der bezieht Gelder und zahlt nichts.

In diesen beiden Diagrammen ist besonders gut zu sehen, welche Kantone über- bzw. unterdurchschnittlich bezüglich ihrer Zahlungen im Verhältnis zur Bevölkerung sind.

Schliesslich eine Übersicht der Verhältnisse wenn man die Kantonsbeiträge pro Kopf berechnet:

Zug spielt hier in einer eigenen Liga (>14’000 SFR pro Einwohner muss der Kanton abgeben!). Acht Kantone haben zwischen 2000 und 4000 SFR pro Einwohner abzugeben, was auch beträchtlich ist! Zehn Kantone zahlen moderate Beiträge pro Kopf und die bekannten sieben Versagerkantone beziehen bloss Gelder und zahlen nichts an die Schweiz.

Diese sieben Schmarotzer möchte ich zum Schluss noch hervorheben und ihr Versagen in voller Grösse darstellen, in absoluten Zahlen wie im Verhältnis zur Einwohnerzahl:

Ihr seid die Schande der Schweiz!

In absoluten Zahlen lautet die Rangliste:
1. Wallis, 2. Freiburg, 3. Jura, 4. Uri, 5. Graubünden, 6. Glarus, 7. Obwalden

Im Verhältnis zur Einwohnerzahl:
1. Uri, 2. Jura, 3. Wallis, 4. Glarus, 5. Freiburg, 6. Graubünden, 7. Obwalden

Wir haben also tatsächlich sieben Kantone in der Schweiz, welche nichts zur Schweiz beitragen! Und dennoch haben sie im Ständerat die gleich Stimmkraft wie alle anderen?
Ich sehe zwei Lösungen für diese Ungeheuerlichkeit: 1) Die Geber verweigern die Zahlungen. 2) Eine Anpassung der Stimmgewichte. z.B.

a) Zahlt nichts = Keine Stimme im Ständerat
b) Zahlt unterdurchschnittlich = normale Stimmkraft
c) Zahlt überdurchschnittlich = doppelte oder dreifache Stimmkraft

——

Was ich mich frage ist: War es das jetzt? Oder sieht das Bild mit weiteren Daten komplett anders aus? Nun gerne würde ich noch zwei weitere Grössen in meine Aufstellung einarbeiten: 1) Die Mehrwertsteuer und 2) Die Subventionen der Landwirtschaft.

Doch es ist ziemlich klar, dass diese beiden Grössen das eben gezeichnete Bild nur verschlimmern und nicht grundsätzlich verändern würde. Denn: Der Mehrwertsteuerbetrag wird (als Konsumsteuer) in den grossen Kantonen gross und in den kleinen Kantonen klein sein (Zug kommt also etwas besser weg, für Zürich bleibt alles gleich); Die Subventionen der Landwirtschaft sind in ländlichen und gebirgigen Kantonen am höchsten, ergo bekommen Kantone wie Uri, Jura, Wallis, etc. auch überproportional hohe Beträge…

Alles Datenmaterial stammt vom Bundesamt für Statistik: www.bfs.admin.ch

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