#38 Argumente für Religion


Es gibt drei Argumente die zur Befürwortung von Religionen führen können:

1)  Eine spezifische Religion ist wahr.

2)  Religion ist nützlich.

3)  Atheismus ist schädlich.

Den merkwürdigsten Punkt finde ich dabei den Ersten. Punkt zwei und drei kann ich verstehen – ich bin zwar gegenteiliger Meinung, aber ich kann verstehen, dass Menschen aus Fehlinformationen oder Trägheit zu jenen Überzeugungen kommen. Wie aber jemand davon überzeugt sein kann, dass eine bestimmte Religion wahr sein soll kann ich nicht verstehen (erstaunlicher Weise sind auch immer alle davon überzeugt, dass ihre eigene Religion – in die sie hinein geboren wurden – „die Richtige“ sei).

Prinzipiell kann man über die Existenz oder Nichtexistenz eines Gottes nichts sagen – beides ist grundsätzlich denkbar, beide Meinungen werden vertreten. Wie jemand aber behaupten kann dieser Gott sei der „christliche Gott“ und gerade die katholische, lutherische, zwinglianische, calvinistische oder (gar) anglikanische Art ihn zu verehren sei „die Richtige“ – ist mir völlig unbegreiflich. Wir alle kennen doch auch etwas Kirchengeschichte, wissen Bescheid über die kanonisierung der Bibel und die sie begleitenden Wirren, Machtkämpfe, Fälschungen und Lügen. Auch theologische Laien wissen um diese Dinge, kennen die dürftige Faktenlage (für beides: Ihren Gott und ihre Kirche).

Allen Gläubigen möchte ich sagen: Zeige mir erst, dass ein Gott existiert! Und dann zeige, dass auch deine Religion die Richtige ist!

Beides konnte in der gesamten Geschichte der Menschheit noch nie gezeigt werden (und kann es auch nicht!). Es ist schon sehr befremdend, dass nicht einmal die Präsenz von hunderten von anderen Religionen die Gläubigen skeptisch werden lässt. Dabei ist die Existenz von verschiedenen Religionen mit (oder ohne) unterschiedlichsten Gottesbildern doch gerade ein sehr starkes Argument gegen jede spezifische Religion. Nun es ist mir klar, dass es Aussenstehenden leichter fällt dies zu sehen – ein Mindestmass an Reflexion und Selbstkritik hätte ich aber auch bei religiösen Menschen erwartet (ha! gar nicht möglich, dann gäbe es keine Religiösen mehr…).

Zu Punkt 2)
Ist Religion nützlich? Ja! Sie kann das Gruppengefühl – die Zusammengehörigkeit – steigern und festigen. Es können gesellschaftliche Regeln via Religion fixiert werden – unter der Drohung des Zorns Gottes.

Auch ist es vermutlich der Religion geschuldet, dass wir Menschen überhaupt so zahlreich und derart dicht beieinander leben können. Alles was über die „Clan-Grösse“ von ca. 150 – 200 Mitgliedern – in der alle mehr oder weniger nah miteinander verwandt sind – hinausgeht bedarf einer Erklärung. Eine gute Erklärung wäre eben: Religion. Sie erweitert den „Toleranzbereich“ über die blosse Verwandtschaft hinaus auf Dorfgrenze, Stadtgrenze bis hin zur Landesgrenze!

Gläubige sagen auch gerne: Religion sei nützlich, weil sie die Moral mit sich bringe. Das sehen heute aber viele Forscher und Philosophen anders. Ethik ist etwas zutiefst menschliches und ist NICHT erst durch Religion entstanden.

[Ethik ist schliesslich auch nur ein Merkmal, dass evoluierte weil es den Individuen höhere Überlebenschancen und höheren Fortpflanzungserfolg bietet. Bei vielen Tieren können grundlegende Regeln ebenfalls beobachtet werden: Mütter fressen ihre Kinder nicht, Artgenossen töten und fressen sich nicht gegenseitig. Ethik ist Kooperation im weitesten Sinne und der Mensch treibt diese Kooperation einfach auf die Spitze – und ist gerade deswegen so unheimlich erfolgreich.]

Dann will ich aber auch fragen: Ist Religion schädlich? Auch dies ist zu bejahen! Das Gruppengefühl kann auch für negative Ziele (Eroberungskriege, Ausgrenzung, Diskriminierung, etc.) eingesetzt werden. Gesellschaftliche Regeln können dogmatisch werden (Jungräulichkeit vor der Ehe, Speiseregeln, Tanzverbote, etc). Religiöse Ämter können missbraucht werden – in unbegründeter Weise erhalten diese Menschen Macht (unbegründet weil sie keinen besseren Zugang zu Gott haben als jeder andere auch!). Besonders verheerend ist, dass Religion keine Kritik an sich zulässt – sie schränkt das freie Denken ein.

Was ich also sagen möchte: Religion kann nützlich sein; Religion kann auch sehr schädlich sein.

Und prinzipiell: Wer kann schon etwas unterstützen, das vielleicht nützlich ist – von dem man aber weiss, dass es nicht wahr ist?

Zu Punkt 3)
Dass Atheismus was schädliches und verwerfliches sei, behaupten jene Leute gerne, welche die Religion als „letztes Bollwerk“ vor dem Sittenzerfall sehen… Was angesichts all der pädophilen Übergriffe durch Priester einfach lächerlich wirkt.

Als Atheist hängt man gerne dem Gedanken einer Welt ohne Religion nach – auch ich tue das! Nur muss man sich die Frage gefallen lassen, ob die Welt dann mit einem Schlage heiter und ohne böses wäre. Natürlich wäre sie das nicht. Die Menschen wären noch immer Menschen – mit all ihren Schwächen. Aber die Welt wäre ehrlicher und etwas näher an der Wahrheit.

Atheismus ist schädlich? Ohne Gott ist alles erlaubt? Wohl kaum – doch es gab Leute die so lebten und handelten (totalitärer Säkularismus). Ein ausgezeichneter Artikel dazu findet sich beim hpd: Ohne Gott ist alles erlaubt? , dazu noch der Folgeartikel: Ohne Gott ist alles erlaubt? – Atheistische „Helden“. Klare Worte dazu auch auf dem Blog Evidenz-basierte Ansichten: Atheismus ist irrelevant.

Dann will ich aber auch fragen: Ist Atheismus nützlich? Selbstverständlich! Über den Atheismus können wir zu Naturalisten werden und können uns ohne die künstlichen Schranken der Religion für das positive im Menschen einsetzen! Wir können uns auf Fakten berufen um gesellschaftliche Fragen zu diskutieren und uns nicht bloss auf „christliche Werte“ oder „christliche Moral“ (z.B. es gibt keine „Seele“, deshalb kann man sie auch nicht als Argument in der Abtreibungsdiskussion verwenden).

Was ich also sagen möchte: Atheismus kann schädlich sein; Atheismus kann auch sehr nützlich sein und Atheismus ist ehrlich.

2 Gedanken zu „#38 Argumente für Religion

  1. Hallo, ich bin nur zufällig hierhin gelangt, möchte aber hinterlassen, dass ich Ihre Seite famos finde. Ich mag Ihre Weise, sachlich, objektiv, pragmatisch aber auch versöhnlich auf Themen einzugehen.
    Ihren angeführten Punkten kann ich inhaltlich nur zustimmen.
    Weiter so!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s