#43 Bevölkerungswachstum der Schweiz 1970 bis 2009 – nach Kantonen (13 Diagramme)


Die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz wuchs in der Periode von 1970 bis 2009 um 25.7% – von 6’193’064 auf 7’785’806 Einwohner. In 39 Jahren leben hier also ganze 1’592’742 Menschen mehr als 1970. Dabei fiel das Wachstum natürlich nicht für das ganze Gebiet gleichmässig aus. Manche Kantone wuchsen stark, andere weniger stark und einer wurde sogar kleiner (Basel-Stadt).

-> Auf die Diagramme klicken und man kann alles entziffern!

Bevölkerungsentwicklung in den Kantonen von 1970 bis 2009 (absolut)

Zuerst die Übersicht in absoluten Zahlen; die kleinen Kantone habe ich durchaus mit Absicht so unübersichtlich belassen – sie sind bezüglich der Einwohnerzahl vernachlässigbar (sichtbar sind sie aber im Diagramm oben):

Die sechs grössten Kantone (ZH, BE, VD, AG, SG, GE) beherbergen zusammen mit 4’555’066 Einwohner unglaubliche 58.5% der Schweizer Wohnbevölkerung! Das heisst die restlichen 20(!) Kantone entsprechen bloss 41.5% der Bevölkerung.

In diesen sechs Kantonen fand auch ein beträchtliches Wachstum statt – in Zürich gar ein beschleunigtes Wachstum, in den anderen ein mehr oder weniger gleichmässiges; in Bern aber blieb die Bevölkerung in etwa konstant.

Die gleichen Daten in einer etwas übersichtlicheren Darstellung  macht die absoluten Zunahmen der Kantone miteinander vergleichbar:

Es sticht hauptsächlich Berns disproportionales Wachstum auf. Viele kleinere Kantone zeigen eine grössere Bevölkerungszunahme als Bern! Bei Basel-Stadt kann man die Zahlen nicht entziffern, weil es dort zu einem Negativwachstum kam. BS verlor von 1970 bis 2009 gut 45’000 Einwohner!

Und noch einmal finde ich es erschreckend, dass (2009) bloss sechs Kantone mehr als 400’000 Einwohner haben. Die Schweiz ist einfach viel zu kleinräumig! Da geben sich Gebiete mit weit unter 100’000 Einwohner als „Staaten“ aus – in anderen Ländern wären das bloss Städte von kleiner bis mittlerer Grösse! Nun die Kleinheit alleine wäre auch nicht weiter tragisch; ein gewaltiges Problem sind aber die unglaublichen Differenzen von kleinen zu grossen Kantonen – da handelt es sich um Unterschiede im Bereich von Faktor 20 bis über 30!

Schön übersichtlich schliesslich noch der totale absolute Bevölkerungszuwachst von 1970 bis 2009:

Zwölf Kantone haben in absoluten Zahlen ein überdurchschnittliches Wachstum (mean:  +61’259) und vierzehn Kantone dagegen ein Unterdurchschnittliches.
Den – nach Personen – geringsten Zuwachs erfuhren die Kleinstkantone Glarus, Uri und Appenzell i.R.

Dann betrachten wir die Sache mal relativ. Für die selbe Periode habe ich auch den relativen Kantonsanteil an der Gesamtschweizer Bevölkerung dargestellt:

Zürichs Anteil fiel in den 80er bis in die 90er-Jahre – doch in den letzten zehn Jahren wuchs der Kanton derart stark, dass sich der Kantonsanteil wieder steigert.
Anders bei Bern – der Kanton verliert immer mehr Boden. Der „Knick“ bei 1994 zeigt übrigens den Verlust des Laufentals an Basel-Landschaft (Bemerkung: Das Gebiet des Kanton Juras wurde in meinem Datensatz auch schon vor 1979 als eigenständiges Gebiet behandelt).
Die meisten mittleren Kantone scheinen einen moderaten Bedeutungsgewinn zu verzeichnen. Von den kleineren Kantonen befinden sich vor allem das Wallis, Schwyz und Zug auf deutlich aufsteigendem Ast.

Übersichtlicher ist der Vergleich zwischen den Jahren 1970 und 2009:

Links sind für beide Jahre die Bevölkerungsanteile aller Kantone an der Gesamtbevölkerung dargestellt. Rechts dagegen die Veränderung zwischen den beiden Jahren. Die grössten Anteile verloren haben Bern und Basel-Stadt; in geringerem Ausmass auch Neuenburg und Solothurn. Den grössten Anteilszuwachs haben die Waadt, Aargau, Wallis, Fribourg und Genf zu verzeichnen.

Um welchen Anteil sind die Kantone aber bezüglich ihrer eigenen Grösse gewachsen? Das wohl spannendste Diagramm mit dem totalen relativen Bevölkerungszuwachs von 1970 bis 2009:

Hier finden wir Zug, Nidwalden, Schwyz, Fribourg und das Wallis an der Spitze. Diese kleine bis mittlere Kantone haben in den 39 Jahren ein unglaubliches Wachstum von über 50% erlebt! Gerade für das Flächenmässig sehr kleine Zug (43’193 zusätzliche Einwohner, +64%!) bring ein solch gewaltiger Zuwachs einen Blumenstrauss an Problemen mit sich. Am dramatischsten sind dabei die ins astronomische wachsenden Immobilienpreise.

Erwartungsgemäss erlebten die Bevölkerungsreichsten Kantone ein nicht ganz so extremes Wachstum. Wobei drei der sechs grössten Kantone immer noch ein überdurchschnittliches Wachstum erfuhren, nämlich: Aargau, Waadt und Genf. Aber auch Zürich und St. Gallen liegen nahe an den 25.7% des Durchschnitts.

Spannend ist auch die Gegenüberstellung des relativen und absoluten Wachstums. So tragen kleinere Kantone mit

relatives vs. absolutes Bevölkerungswachstum der Kantone

überdurchschnittlichem relativen Wachstum dennoch kaum etwas zum gesamten absoluten Wachstum bei. Z.B. hat Nidwalden ein Wachstum von über 60% erlebt, dennoch sind das bloss  um die 20’000 zusätzliche Einwohner – also praktisch nichts. Zürich hingegen wuchs knapp unterdurchschnittliche 24%, was aber mehr als 260’000 zusätzliche Einwohner bedeutet!

Einen krassen Wandel haben dabei jene Kantone erlebt, welchen sowohl absolut wie auch relativ ein überdurchschnittlich starkes Wachstum widerfuhr: Waadt, Aargau, Wallis, Fribourg, Genf und Tessin.

In den letzten 39 Jahren kaum etwas geändert hat sich in den Kantonen Glarus, Neuenburg, Jura, Schaffhausen, Uri, Appenzell a.R. und Appenzell i.R.  In absoluten Zahlen ist ihr Wachstum kaum von der Null-Linie unterscheidbar und auch ihr relatives Wachstum (bis auf Appenzell i.R.) liegt bei unter 10%.

Zum Schluss noch ein etwas überlades Diagramm. Sie zeigt die prozentualen Änderungen von einem Jahr aufs Nächste für jeden Kanton. Hervorgehoben sind die drei grössten Kantone und der Mittelwert aller Kantone (mean):

Beschriftet sind für jedes Jahr die Kantone mit dem grössten und dem geringsten Wachstum.

Auffallend sind v.a. drei Stellen. Erstens das sehr schwache Wachstum (negativ Wachstum in den meisten Kantonen) in den 70er-Jahren (1973 bis 1977). Zweitens der merkwürdige Wachstumssprung im Jahr 1991. Und drittens der einmalige Peak von Basel-Landschaft 1994.

Zwei dieser Anomalien kann ich erklären: 1994 hatten wir schon. Damals trat das Laufental von Bern zu Basel-Landschaft über; deshalb hat BL dort einen Wachstumssprung und BE einen negativen Wachstumssprung.
Das geringe Bevölkerungswachstum in den 70-er Jahren erkläre ich mir durch die erste Ölkrise von 1973 und die darauf folgende wirtschaftliche Depression.

Was aber den Peak in zahlreichen kleinen Kantonen 1991 zu erklären vermag ist mir schleierhaft. Klar ist, dass 1991 einiges los war: Zweiter Golfkrieg, Kroatienkrieg, Warschauer Pakt löst sich auf, Putsch in Mali, etc., etc. (Wikipedia 1991). Klar kann es zu einem erhöhten Aufkommen von Flüchtlingen gekommen sein, nur warum kam es dann in allen grossen Kantonen zu einem geringeren Wachstum als 1990? Das Muster ist einfach merkwürdig. Wer eine Erklärung hat soll sich doch bitte melden!

Quelle: Bundesamt für Statistik www.bfs.admin.ch  (Ständige Wohnbevölkerung (Total) nach Kantonen, 1970-2009)

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