#49 Schweizer Politik: NFA 2012 und Entwicklung seit 2010 (3 Diagramme)


Im Tagesanzeiger war es gestern schon zu lesen: Der NFA für das Jahr 2012 ist (provisorisch) beschlossen (Artikel im Tagi). Den NFA gibt es seit 2008 und in der heutigen Form seit 2010; so haben wir immerhin schon drei Datenpunkte und können einen ersten Verlauf darstellen. Als erstes habe ich die Beträge für jeden Kanton einzeln in einem Diagramm zusammengefasst:

-> Diagramme anklicken und man kann alles entziffern!

NFA 2010 bis 2012 - Übersicht

In blau die Geber-Kantone und bezahlten Beträge, in rot die Empfänger und empfangenen Beträge. Die Differenz der empfangenen und geleisteten Beträgen wird vom Bund bestritten. Unglaublich einmal mehr Bern: Die zocken über eine Milliarde ab! Pro Person sind aber nach wie vor andere Kantone um einiges Schlimmer: Glarus, Uri, Jura, Wallis. Dort finden sich die echten Schmarotzer.

Zur Übersicht hier die Summen der Beteiligten Gruppen:

Jahr Geber Bund Empfänger
2012 1’195’488’000 3’101’637’000 4’297’125’000
2011 1’282’847’000 3’050’785’000 4’333’632’000
2010 1’158’276’000 2’900’571’000 4’058’847’000
NFA – Geber und Empfänger

Erschreckend ist, dass der Anteil des Bundes immer weiter wächst. Dies vertuscht den effektiv von den Kantonen geleisteten Beitrag – denn die Bundesgelder stammen schliesslich auch hauptsächlich aus den Kantonen (z.B. als direkte Bundessteuer [28%] und Mehrwertsteuer [32%] – ja, auch die Mehrwertsteuer wird von Bürgern der Kantone bezahlt, d.h. grosse Kantone zahlen mehr Mehrwertsteuern als kleine Kantone). Es ist deshalb politisch viel einfacher den Bundesanteil zu erhöhen als den Kantonsanteil – denn die Kantone würden irgendwann auch auf die Barrikaden gehen.

Nun habe ich mich auch gefragt, wie viel die Kantone nun effektiv für den NFA bezahlen – d.h. wenn man den Bundesanteil in die Überlegung miteinbezieht.
Ich habe mal der Einfachheit wegen die direkte Bundessteuer als Mass genommen. Aus den direkten Bundessteuern für natürliche und juristische Personen aus den Jahren 06 und 07 habe ich die Kantonsanteile berechnet und jene der Geberkantone (ZH, ZG, GE, SZ, BS, VD, BL und NW) addiert. Dabei kam ich auf 63.5%, d.h. gut 60% des Bundesanteils zahlen ebenfalls die Geberkantone! Dies ist bloss eine grobe Schätzung und sie dient nur der Verdeutlichung des Sachverhaltes, dass die Geberkantone weit mehr zahlen als auf den ersten Blick erkennbar.

Dieser Sachverhalt ist im folgenden Diagramm festgehalten:

NFA Was zahlen die Geber effektiv? – 2010 bis 2012

Beunruhigend, nicht? Den Geberkantonen werden also nicht „bloss“ 1.2 Milliarden Franken entzogen! Weit gefehlt! Aus den acht Geberkantonen stammen ca. 3.1 Milliarden Franken! Und die werden den übrigen 18 Kantonen einfach geschenkt! Es ist unglaublich…

Dazu kommt noch: Als „Dank“ für das üppige Geschenk revanchieren sich die anderen Kantone mit einer politischen Blockade mittels Ständemehr und Mehrheit im Ständerat.

EDIT!
Zu den unterschiedlichen finanziellen Beiträgen der Kantone zur Eidgenossenschaft habe ich schon mal was verfasst: #33. In jenem Artikel addiere ich die direkten Bundessteuer zum NFA und schaue, welche Kantone etwas bezahlen und welche NUR profitieren – und dies sowohl absolut als auch in Relation zur Bevölkerung (pro Kopf).

Ich sage es einmal mehr: Die Schweiz ist keine Demokratie. Die Schweiz ist eine Tyrannis der kleinen Stände (Kantone).

Quellen:
1) Erläuterungen der Eidgenössischen Finanzverwaltung zum NFA
2) NFA Ausgleichszahlungen 2012 (und 2011)
3) NFA Ausgleichszahlungen 2011 (und 2010)
4) NFA Ausgleichszahlungen 2009 (und 2008)

2 Gedanken zu „#49 Schweizer Politik: NFA 2012 und Entwicklung seit 2010 (3 Diagramme)

  1. Die maximale Zahlung pro Empfängerkanton könnte auf ca. CHF 400 Mio p.a. limitiert werden zugunsten der Geberkantone und auch der andern Empfängerkantone. Damit könnte der Bundesrat oder das Parlament eine bessere Akzeptanz des NFA erreichen.

    • So lautet in etwa auch der Vorschlag von Zug. Eine blosse Deckelung ist vermutlich aber auch wieder zu grobschlächtig gedacht – eine Beschränkung in Abhängigkeit der Anzahl Einwohner und der Anzahl Firmen pro Einwohner (es ist ja nicht so, dass die Zuger selbst so viel zahlen würden – sie haben einfach überproportional viele Firmen angesiedelt) müsste es schon sein.

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