#52 Die landwirtschaftlichen Direktzahlungen pro Kanton (4 Diagramme)


Noch nie konnte ich eine zusammenfassende Übersicht der landwirtschaftlichen Direktzahlungen finden – jedenfalls nicht einzeln für jeden Kanton. Es scheint als sollten diese Zahlen möglichst nicht bekannt werden – dem interkantonalen Friede zuliebe.

So habe ich mir den Agrarbericht 2010[pdf] (mit den Zahlen von 2009) zu Gemüte geführt und aus den einzelnen Tabellenblättern eine Übersicht selbst verfasst.

Es gibt folgende Arten von Direktzahlungen:

1. Allgemeine Direktzahlungen SFR 2’190’245’000
a) Flächenbeiträge
b) Beiträge für die Haltung Raufutter verzehrender Nutztiere
c) Beiträge für die Tierhaltung unter erschwerenden
d) Produktionsbedingungen
e) Allgemeine Hangbeiträge
f) Hangbeiträge für Rebflächen in Steil- und Terrassenlagen
2. Ökologische Direktzahlungen SFR 566’108’000
2.1. Ökobeiträge
a) Beiträge für den ökologischen Ausgleich
b) Beiträge nach der Öko-Qualitätsverordnung (ÖQV)
c) Beiträge für die extensive Produktion von Getreide und
Raps (Extenso-Produktion)
d) Beiträge für den biologischen Landbau
e) Beiträge für die besonders tierfreundliche Haltung
landwirtschaftlicher Nutztiere
2.2. Ethobeiträge
a) Beiträge für besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme
(BTS)
b) Beiträge für regelmässigen Auslauf im Freien (RAUS)
2.3. Sömmerungsbeiträge
2.4. Gewässerschutzbeiträge- und Ressourcenprogrammbeiträge
Kürzungen (= Bestrafung für fehlbare Bauern) SFR -14’668’000
Total Direktzahlungen SFR 2’741’686’000
Grundlagenverbesserung SFR 82’746’235
DZ + GV SFR ~2’826’373’186

Schon nur die schiere Anzahl an verschiedenen Sparten lässt übles ahnen. Es scheint so, als ob das System so eingerichtet ist, dass möglichst jeder etwas Geld bekommt… Auch will ich kurz daran erinnern, dass in der Schweiz nur ca. 3.8% (Quelle: bfs) der Einwohner in der Landwirtschaft tätig sind – und diese 3.8% bekommen von den hart arbeitenden „Städtern“ fast drei Milliarden Franken geschenkt! Aber egal, dies alles soll hier nicht das Thema sein.

Für jeden der aufgelisteten Unterpunkte ist eine Tabelle im Agrarbericht vorhanden, auf welcher ersichtlich ist, zu welchen Anteilen das Geld auf die Kantone verteilt wurde. So habe ich also für jeden Kanton sämtliche Unterpunkte addiert (ausser Punkt 2.4. war nicht verfügbar – ebenfalls unberücksichtigt liess ich Kredite und Darlehen des Bundes an Landwirtschaftsbetriebe). Entstanden ist folgende Übersicht:

-> Diagramm anklicken und man kann alles entziffern!

Landwirtschaftliche Direktzahlungen pro Kanton (absolut) – 2009

Einmal mehr tut sich Bern als mit Abstand grösster Empfänger von Bundesgeldern hervor. Nebst der Milliarde aus dem NFA bekommt Bern auch noch 500 Millionen an Direktzahlungen.
Ich verzichte hier bewusst darauf, die Beträge in Relation zu den Bauernbetrieben zu stellen. Meine Absicht ist schliesslich eine Andere: Ich will wissen was die Kantone an Bundesgeldern erhalten und wie viel sie an den Bund einzahlen. Es interessiert hier nicht, wie gross die Beträge pro Bauernhof sind; stattdessen interessieren die absoluten Beträge pro Kanton, sowie pro Einwohner:

Landwirtschaftliche Direktzahlungen pro Einwohner – 2009

Die Direktzahlungen pro Einwohner geben eine grobe Abschätzung davon, wie landwirtschaftlich die Kantone geprägt sind. Je mehr Menschen ausserhalb der Landwirtschaft beschäftigt sind, umso weniger Direktzahlungen pro Einwohner dürften es sein. Erwarten würde ich also vor allem strukturschwache Kantone am oberen Ende der Skala – was eigentlich auch zutrifft, bis auf eine Ausnahme: Appenzell i.R. Der Kanton AI bekommt pro Person den höchsten Betrag vom Bund, doch AI ist eigentlich nicht als strukturschwacher Kanton bekannt – im Gegenteil. Typisch hingegen die folgenden Kantone: JU, GR, OW, UR, FR oder GL – allesamt landwirtschaftlich geprägt, teils mit grossem Gebirgsanteil.
Am unteren Ende finden sich die typischen dicht besiedelten Kantone wieder: ZH, GE und BS. Ziemlich erstaunt bin ich über den ebenfalls sehr geringen Betrag pro Einwohner welche das Tessin bekommt. Vermutlich ist die Landflucht im Tessin stärker als ich es mir bewusst bin – schliesslich sind mit Bellinzona, Locarno und Lugano gleich drei grössere städtische Gebiet präsent. Auch werden sich die zahlreichen aufgegebenen Landwirtschaftsbetriebe in den Tälern bemerkbar machen: Das Tessin ist schliesslich zum waldreichsten Kanton geworden! Dies weil viele Bergwiesen und -weiden aufgegeben und damit natürlich auch die landwirtschaftliche Direktzahlungen eingestellt werden.

UPDATE!

Bei meiner Aufstellung oben ist mir ein anderer Posten an Zahlungen an die Landwirtschaft entgangen. Auch die „Grundlagenverbesserungen“ können nach Empfängerkantonen aufgeschlüsselt werden. Mysteriös finde ich, dass diese Zahlungen nicht zu den Direktzahlungen gerechnet werden – und deshalb vermutlich in vielen Zusammenstellungen fehlen werden. Doch der Name soll uns nicht ablenken, auch diese Zahlungen gehen an die Landwirtschaft und sollen deshalb hier aufgeführt werden:

Landwirtschaftliche Grundlagenverbesserung - 2009

Man sieht: Auch hier profitiert Bern einmal mehr an forderster Front. Mit Abstand am meisten Geld streicht in dessen Graubünden ein.

Nun fehlt noch die Gesamtübersicht, die Direktzahlungen mit den Grundlagenverbesserungen addiert:

Landwirtschaftliche Direktzahlungen und Grundlagenverbesserung - 2009

Die Reihenfolge bleibt nahezu unverändert. Nur Graubünden steigt um einen Platz auf und nimmt, aufgrund der üppigen Gelder aus der Grundlagenverbesserung, Fribourgs Platz ein.

19% aller Zahlungen an die Landwirtschaft wandern in den Kanton Bern und über 50% der Gelder kommen nur fünf Kantonen zugute (BE, VD, LU, SG und GR).

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