#58 Fragen an Christen


Mich erstaunt immer wieder, wie intelligente und sonst auch absolut vernünftige Menschen gläubig sein können und diesen Glauben dann auch noch als  rational darstellen.

Andere wiederum leben quasi ein schizophrenes Leben: Sie sind im Alltag völlig vernünftig und mit einer gesunden Portion Skepsis ausgestattet. Den Glauben anderer können sie ebenfalls kritisch betrachten und Unstimmigkeiten erkennen. Den EIGENEN Glauben aber klammern sie völlig aus oder finden abgedrehte Begründungen (welche sie in anderen Bereichen ablehnen würden) für alles.

Ich habe hier versucht ein paar Fragen zu sammeln, welche auch jedem Christen sofort klar machen sollten, dass etwas in seiner Überzeugung nicht stimmen kann. Es ist mir selbstverständlich auch klar, dass Gläubige immer Ausreden und komplizierte, verschlungene Erklärungen gefunden haben, aber eben: Wenn es wie eine Ausrede aussieht, wie eine Ausrede riecht und wie eine Ausrede schmeckt, dann ist es wahrscheinlich auch eine Ausrede.
Der in der Wissenschaft anerkannte Massstab ist dabei die Sparsamkeit der Annahmen (Ockhams Razor), also die Eleganz einer Hypothese. Die Ausreden der Gläubigen sind dabei eigentlich immer als sehr umständlich, also unelegant zu erkennen – wenigstens im direkten Vergleich zur Null-Hypothese „es gibt kein Gott“.

Also Christ, wie beantwortest du:
Anmerkung:
1. Die Antworten „Gottes Wege sind unergründlich“, „Weil Gott uns testen möchte“, „Geheimnis des Glaubens“, etc.  sind inakzeptabel – jeder der etwas Neugierde und Verstand in sich trägt wird sich kaum mit solchen Vernebelungen abspeisen lassen.
2. Es ist klar, Christ, dass ich von dir verlange auch die Untaten deines Gottes im alten Testament zu erklären. Es ist doch dein Gott, oder? Und es ist der gleiche Gott wie im neuen Testament – oder glaubst du doch an mehrere Götter? Wenn dieser Gott aber der gleiche ist, dann wusste er auch schon immer was gut und was böse ist – oder ist er doch nicht allwissend?

1. Die Theodizee: Dein Gott ist allmächtig, allwissend UND allgütig?
Jeder weiss und sieht, dass diese Eigenschaften – in dieser Welt voller Leid –  nicht miteinander vereinbar sind. Wie viel Geschwafel und Geschwurbel musste jeder arme ehrliche Atheist schon über sich ergehen lassen, weil Gläubige irgendwie eine Lösung zu dieser einfachen Frage konstruieren wollten!

2. Wenn es dir schlecht geht, dann betest du und bittest Gott um Beistand (und manchmal geht es dir danach tatsächlich besser!). Warum aber hilft dir Gott bei deinen absolut nebensächlichen Problemen, wenn er gleichzeitig abertausenden von unschuldig verhungernden Kindern nicht hilft?
– Und wenn Gott DIR zwar tatsächlich hilft, den hungernden Kindern aber NICHT – wäre das nicht sehr verwerflich von deinem Gott? Dazu eine Illustration: Sorry Guys

3. Warum verlangt Gott die Todesstrafe für Kleinigkeiten oder nur schon für andere Lebensauffassungen?
a) Bei Verstoss gegen Kleinigkeiten: 2. Mose 35,2 (Arbeit am Sabbat), 5. Mose 21,18:21 (ungehorsame Teenager), 2. Mose 22,18 (Zoophilie – ein Verstoss gegen Sitte und Anstand und Verletzung der Würde des Tiers, aber sicher KEIN Kapitalverbrechen!).
b) Andere Lebensauffassung 3. Mose 20,13 (Homosexualität), 5. Mose 20,13:21 (Mädchen die bei der Hochzeit nicht mehr Jungfräulich sind), 2. Mose 22,17 (Zauberinnen), 2. Mose 22,19 (wer andern Göttern Opfer darbringt).

4. Naturwissenschaftliche Fehler in der Bibel?
– Gott (= Jesus) ist doch allwissend?
a) Die Ahnenabfolge seit Adam ergibt in Summe bloss ~6000 Jahre.
b) Die Sintflut hat nicht so stattgefunden wie in der Bibel geschildert (Weltumfassend und höher als alle Berge).
c) Noas Archenmission ist unmöglich (zu klein, zu wenig Nahrung, zu viele Fäkalien, Tiere von anderen Kontinenten, etc.)
d) Senfkorn ist NICHT der kleinste Same der Welt (und es wird auch kein Baum oder „grösser als alle Kräuter“). Mat 13,31:32, Mark 4,31.
e) Gott verbietet ein Tier zu essen, das es gar nicht gibt: 3. Mose 11,20.
f) Der Mensch wurde nicht aus einer handvoll Erde erschaffen. 1. Mose 2,7.
g) Die Erde ist keine Scheibe. Mat 4,8.

5. Warum findet Gott Sklaverei völlig in Ordnung?
2. Mose 21,20:21, Kol 3,22:24, Eph 6,5, 1. Petrus 2,18
– Oder: Wie kann es sein, dass ich als Atheist höhere moralische Ansprüche habe als dein sogenannter Gott?

6. Gott will, befiehlt und unternimmt mehrere Völkermorde; ich dachte Genozid sei was schlechtes?
5. Mose 7,1:2, 5. Mose, 7,22, 2. Mose 33,2, 5. Mose 32,42.
– Oder: Wie kann es sein, dass ich als Atheist höhere moralische Ansprüche habe als dein sogenannter Gott?

7. Warum hat kein einziges Wunder Jesu einen Beweis hinterlassen?
– Warum gibt es für die Existenz Jesu (1. als Person, 2. dass die Person auch Gott war) keine klaren Belege?

8. Warum will Jesus von dir, dass du sein Fleisch isst und sein Blut trinkst?
– Deutlicher: Warum will Jesus, dass du ein kannibalisches Ritual ausübst?

9. Wenn beten/Wunder manchmal zur Heilung einer Krankheit führen kann, warum hat dann Gott noch nie einen Amputierten geheilt (Bein/Arm nachwachsen lassen)?

10. Warum reflektiert der Wissenstand/moralische Massstab Gottes in der Bibel immer den Erkenntnisstand der Menschheit zur Entstehungszeit des jeweiligen Bibelabschnitts?
Auch: Warum ändert Gott seinen Charakter (AT versus NT)?

11. Warum legt Gott in der Bibel minutiös fest, welche Preise für Ritualhandlungen im Tempel zu bezahlen sind – und erwähnt mit keinem Worte etwas Nützliches wie: Übrigens, es sind Bakterien welche Krankheiten verursachen?

12. Warum gibt es andere Religionen?
– Warum ist deine Konfession die richtige Interpretation deiner Religion?
– Ist das nicht ziemlich beliebig und willkürlich…

13. Die Bibel ist das einzige handfeste Zeugnis deines Gottes. Bist du dir aller Probleme bewusst, welche die Bibel (als historisches Dokument) mit sich bringt?
– z.B. Beliebigkeit der Kanonisierung, Übersetzungsfehler (exponentiell wegen Mehrfachübersetzung!), Inkongruenz mit anderen historischen Quellen (ägyptisch, römisch, griechisch), Niederschrift der Ereignisse erst nach Jahrzehnten, Fälschungen und nachträgliche Veränderungen an den Texten, etc.

14. Woher weisst du, dass die Bibel ein Zeugnis Gottes ist?
– Nur weil viele andere es auch vermuten? Weil in der Bibel steht es sei Gottes Wort?

15. Warum behauptest du als Christ, die irren Gesetze von Mose seien nicht mehr gültig? Das neue Testament äussert sich jedenfalls widersprüchlich dazu: 1. Das Gesetz bleibt gültig Mat 5,17:18. 2. Das Gesetz wird abgelöst Röm 10,4. 3. Das Gesetz ist nützlich 2. Tim 3,16. 4. Das Gesetz ist nutzlos Heb 7,18.

16. Wenn du wirklich an das zu erreichende Ziel vom ewigen Leben im Himmelreich glaubst, warum tötest du dann nicht deine neugeborenen Kinder?
– Jede Sekunde die sie auf der Erde verbringen vermindert nur ihre Chancen.

17. Wie entscheidest du, welche Stellen der Bibel metaphorisch, symbolisch, allegorisch, mythisch, etc. verstanden werden müssen und welche Stellen wortwörtlich?
– z.B. die Schöpfungsgeschichte mythisch aber Jesu Auferstehen als Tatsache.

18. Wie kannst du Gott in der Geschichte um die verbotene Frucht im Garten Eden als etwas anderes als einen grossen Sadisten sehen?
– Gott wusste, dass die Menschen die Frucht essen werden – wie kann er dann ein Verbot aussprechen (von dem er weiss, dass sie es brechen werden) und sie dafür auch noch bestrafen? Illustration: ForbbiddenFruit

19. Warum hält Gott seine Versprechen nicht?
– In Ägypten versprach er, dass in Kanaan „Milch und Honig fliesst“ 2. Mose 3,8. Doch Kanaan ist der beschissenste Fleck im nahen Osten! Unfruchtbar, zwischen Grossreichen gelegen gab es dort nur immer sehr kurze Phasen der Prosperität oder auch nur des Friedens.

20. Warum hat Gott Mose samt Volk 40(!) Jahre in die Irre geführt?
– Die Strecke Kairo – Jerusalem beträgt 400 km. Gute Läufer gehen locker 80 km mehrere Tage hintereinander (= 5 Tage), selbst wenn man nur 10 km pro Tag geht, dann sind nur 40 Tage zu gehen! In spätestens drei Monaten hätten alle (auch Alte, Kinder und Schwangere) in Jerusalem sein können!
– Gott muss ein extrem schlechter Führer sein! Vergleichen wir Gottes Leistung mit jener von Alexander dem Grossen – in 11 Jahren führte Alexander seine Truppen von Griechenland bis nach Indien & Agypten! Abbildung zum Vergleich der beiden Märsche hier.

21. Du bist ein aufgeklärter Christ und es leuchtet dir ein, dass der Mensch ein Produkt der Evolution ist? Dann frage dich mal, wo in der Evolutionsgeschichte der Sündenfall zu verorten ist!
– Ohne Sündenfall braucht es keine Erlösung durch das Menschenopfer Jesu…

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