#59 Disput Berlin – Philipp Möller (Video)


Eine Podiumsdiskussion zur These „Ohne Religion wäre die Welt besser dran“.
Alle acht Beiträge sind sehenswert (bis vielleicht auf Frau von Thurn und Taxis). Herausragend ist Philipp Möllers konzise Darstellung der atheistischen Position.

Echt bewundernswert wie kompakt, treffend und humorvoll er die Kritik anbringt.

Man vergleiche dazu Herrn Matusseks Beitrag; dieser ergiesst sich erst einmal in der persönlichen Diffamierung und Diskreditierung eines Gegners (was logischer Weise die Argumente seines Gegners NICHT entkräften kann), dann verharmlost er die sehr ernsten Probleme der (organisierten) Religion (Vertuschung von Missbrauch, Unterdrückung von Frauen, Terrorismus, etc.) und am Schluss überzieht er seine Redezeit als einziger massiv, muss mehrmals ermahnt werden.
Bei der Thematisierung von Dawkins (ebenfalls in einer Diffamierung) unterschlägt er, dass Dawkins vor allem als Reaktion auf Geschehnisse in den USA zu verstehen ist – wo tatsächlich versucht wird an Schulen die Unterrichtung der Evolutionslehre aus religiöser Motivation zu untersagen oder mindestens den Kreationismus als vermeintlich wissenschaftliche Alternative daneben zu stellen.

Sehr peinlich finde ich beim Theologen Imkamp die Platzierung der pascal’schen Wette als Argument. Die pascal’sche Wette geht von falschen Prämissen aus (alle anderen möglichen Religionen/Götter werden nicht berücksichtigt; es wird eine nicht vorhandene Dichotomie aufgestellt) und ist so formuliert ungültig/unlauter. Man kann deshalb nur annehmen, dass Imkamp auf blossen Stimmenfang beim ungebildeten Publikum aus ist – was natürlich besonders verwerflich ist, da solcherlei religiöse Manipulation doch gerade auch Thema der Diskussion ist! Imkamp weiss als gebildeter Theologe garantiert von der Unredlichkeit der Wette.

Allgemein fällt mir auf, wie gewandt die Seite der Christen sich direkt an den fühlenden Menschen wendet – es wird kaum auf einer intellektuellen Ebene agiert. Obwohl es eigentlich ein Disput der Argumente sein sollte, predigen die Christen als wären sie in einer Kirche – und erreichen dadurch die Zuhörer. Auch in der Selbstdarstellung achten die Christen darauf sympathisch, amüsant, gütig zu erscheinen und selbst böseste Anfeindungen werden zuckersüss verpackt – besonders Imkamp beherrscht dies perfekt.
Auch die Atheisten versuchen teilweise über Humor den emotionalen Zugang zum Publikum zu finden – Möller gelingt es als einzigem wirklich. Sonst erscheinen die Atheisten mit ihren Appellen an die Vernunft eher kalt und intellektuell. Speziell Frommel kommt beim Publikum überhaupt nicht an – so warm ihre Stimme auch ist, zu lehrerhaft, zu hölzern ist ihre Rede, zu gestelzt ihre Sprache – die Mehrheit denkt sich: *gähn*. Kelek hingegen schrieb einen wunderbaren Essay, berührte auch die emotionale Ebene – doch es war vermutlich zu intellektuell für den hier bestimmten Zweck.

Merkwürdig finde ich, dass beim Thema „ohne Religion wäre die Welt besser dran“ sich doch nur (katholische!) Christen und Atheisten gegenüberstehen. So scheint es, als ob die Seite der Religion total in sich einig wäre – obwohl in Realität ein erbitterter Kampf um die Vorherrschaft in der Welt ausgetragen wird.

Alle acht Videos: DisputBerlin

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