#66 Parlamentswahlen 2011 – Liste Konfessionslose in Zürich


Wieder einmal bin ich viel zu spät dran, aber geposted muss es dennoch werden. Für die diesjährigen Wahlen am 23. Oktober 2011 gibt es im Kanton Zürich zum ersten Mal eine Liste mit konfessionslosen Politikern!

Hier ihre Website: konfessionslose.ch, Twitter: #!/konfessionslose

Das ganze findet unter Federführung von Andreas Kyriacou, dem Präsidenten der Zürcher Freidenker, statt.

Es freut mich selbstverständlich, dass es nun eine solche Liste gibt. Doch ich zweifle an der Wählbarkeit der Liste (immerhin gibt es Listenverbindungen mit der AL und den Piraten, so können evt. wenigstens die Piraten von den Stimmen profitieren). Ich werde kaum eine ganze Liste an Leuten wählen – nur weil sie Atheisten/Konfessionslos sind. Gerne gebe ich Kyriacou meine Stimme – bei ihm als links-grünen Freidenker weiss ich ziemlich genau wen ich da wähle, doch alle anderen „Politiker“ auf der Liste sind Unbekannte, viele noch Studenten, deren Positionen in Fragen abseits des Themas Religion gänzlich unbekannt sind (und deren Wahlchancen ohnehin bei NULL liegen).

Viel lieber wäre es mir, wenn Politiker aller Parteien ihre Haltung zur Religion offen zeigen würden (einige tun dies auch; mich überrascht es beispielsweise immer wieder, dass auch einige SVPler Religions- und Kirchenkritisch sind). Oder noch besser wenn sich innerhalb von Parteien die Konfessionslosen zusammentun würden um für Laizismus einzutreten – dann könnte man genau diese Gruppen wählen. (Am ehesten könnten noch SP und FDP den Laizismus im Parteiprogramm stehen haben – müsste man mal überprüfen).

Die Position zur Religion ist für mich ein wichtiges Kriterium – es macht für mich sogar die ganze CVP unwählbar. Trotzdem wähle ich kaum jemanden nur weil er Atheist ist – andere Fragen sind genau so wichtig.

Positiv an der Liste ist natürlich auch überhaupt ihre Existenz! Es gab doch ein kleines Medienecho und fand national Beachtung. So kommt das Thema wieder etwas in den Vordergrund und allfällige Sympathisanten (verkappte Atheisten) bekommen etwas positives Feedback. Vielleicht ist dies überhaupt der wichtigste Punkt an der Sache: Die Sichtbarkeit der Konfessionslosen zu erhöhen. Noch immer werden Vertreter von Religionen mit grosser Selbstverständlich zu ethischen Diskussionen eingeladen und Konfessionslose mit ebensolcher Selbstverständlichkeit übergangen.

2 Gedanken zu „#66 Parlamentswahlen 2011 – Liste Konfessionslose in Zürich

  1. Natürlich, säkulare Forderungen alleine machen kein Parteiprogramm. Doch konfessionslose.ch tritt bewusst „nur“ als Liste an. Sie umfasst Personen aus sechs Parteien von ganz links bis zur FDP (und natürlich eine stattliche Anzahl Parteiloser) – das macht uns so schnell keine andere Liste nach. Wir verdeutlichen damit, dass es quer durchs Parteienspektrum Personen gibt, die sich für einen säkularen Staat einsetzen wollen. Die Liste soll auch denjenigen Kandidatinnen und Kandidaten Mut machen, die unsere Werte teilen aber auf anderen Listen stehen. Wir wollen aufzeigen, dass eine Nachfrage nach einer klareren Trennung von Staat und Kirche besteht und ihnen Mut machen, selbst offen dafür einzustehen.

    Selbstredend: Es wird Themen geben, bei denen wir ein heterogenes Bild abgeben werden. Doch das trifft auch auf die etablierten Parteien zu. In vielen Parteien stehen sich beispielsweise bei Bildungsfragen Bewahrer und Reformer gegenüber. Und gerade die Gretchenfrage „Trennung von Staat und Kirche“ dürfte in fast allen Parteien (außer der religiösen Mitte) kontrovers sein. Da hingegen sind wir uns einig. Schaut man auf unsere Smarteste-Profile schimmert klar ein weltlich-humanistisches Grundbild durch: gesellschaftlich sehr liberal, tiefe Werte bei „law & order“, aussenpolitisch eher bis sehr offen und für eine menschliche Migrationspolitik.

    Die Listenverbindung Konfessionslose-Piraten-AL wird fast sicher einen Sitz machen und damit eine Veränderung der Zusammensetzung der Zürcher Nationalsratsdelegation bewirken. Es ist im besten Sinn des Begriffs eine unheilige Allianz. Denn in Sachen Laizismus stehen uns unsere Listenpartner nahe. Es liegt nun an den Wählerinnen und Wählern zu entscheiden, welche der drei Gruppen künftig jemanden nach Bern schicken kann.

  2. Heute habe ich auf smartvote.ch die Listenempfehlung ausprobiert. Ergebnis: 1. Konfessionslose, 2. Piraten, 3. Grünliberale.
    Wirklich erstaunlich, dass das Kriterium „konfessionslos“ anscheinend auch weitere Rückschlüsse erlaubt (nebst den Offensichtlichen).

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