#84 Der Zufall und die Evolution (1 Diagramm)


Wer sich als Atheist etwas bei gläubigen Fundamentalisten oder anderen Kreationisten umschaut, der stösst rasch einmal auf angebliche Beweise die gegen die Evolutionstheorie sprechen sollen. Äusserst beliebt sind dabei „Argumente“ über Wahrscheinlichkeitsüberlegungen – ihr seht, ich habe Argumente schon in Anführungszeichen gesetzt. Meistens wird bei solchen „Beweisen“ nämlich gegen eine falsch verstandene Wirkungsweise der Evolution argumentiert (oder es wird bewusst ein Strohmann produziert, gegen den man leicht gewinnen kann…).

Wenn ich Leuten den Unterschied zwischen ihrer falschen Vorstellung und der tatsächlichen Wirkungsweise von Mutation und Selektion erklären soll, dann greife ich zu folgender Analogie:

Je nach Wissenstand des Belehrten kann man dann einen Würfel mit einem verständlichen Merkmal gleichsetzen. Bei fortgeschrittenem Publikum entspricht ein Würfel z.B. einem Basen-Triplet/Aminosäure oder einem Gen; bei jüngerem Publikum wähle ich dagegen anatomische/morphologische Anpassungen.
Eine gewürfelte „6“ entspricht dabei immer einer positiven Mutation auf welche selektioniert – und deshalb auch vererbt – wird…

Eine Variante die gerne von Kreationisten erzählt wird ist jene mit den Schreibmaschinen-Schreibenden Schimpansen (wow… dreifach Alliteration!). Sie geht so: Das Wunder, das wir Leben nennen ist so komplex wie ein Drama von Shakespeare. Die Evolutionstheorie behaupte nun, dass eine Horde von Schimpansen – die wild und ignorant auf Schreibmaschinen einhämmere – mit genügend Zeit und Volumen (viele Schreibmaschinen und viele Schimpansen) so etwas wie Othello entstehen lassen könne.

Auch diese Variante entspricht exakt meiner Illustration oben – der Kreationist geht immer gerne von „alles oder nichts“ aus. Dies entspricht aber nicht der Evolutionstheorie. Mein analoger Vorschlag: Die Schimpansen könnten sehr wohl durch Zufall vernünftige Worte tippen… und immer wenn ein Wort inhaltlich passt, dann bliebe es dort auch stehen (das ist eben die Selektion).

UPDATE!

via reddit

Ein Gedanke zu „#84 Der Zufall und die Evolution (1 Diagramm)

  1. Wahrscheinlichkeitstheorie ist ein komplexes, interessantes und weites Feld. Die meisten Kreationisten, die das „Zufallsargument“ gegen die Evolutionstheorie anführen übersehen, dass nur die Mutation, nicht aber die Selektion als rein zufällig gelten darf. Somit ist der Evolutionsprozess kein rein zufälliger und das Argument damit nicht stichhaltig. Daneben gibt es möglicherweise noch kompexe biochemische Mechanismen, die ebenfalls nicht als zufällig gelten dürfen und die Annahme eines laplacschen Wahrscheinlichkeitsraumes (?) unbegründet ist.

    Trotzdem halte ich wahrscheinlichkeitstheoretische Überlegungen zur Evolutionstheorie für sehr interessant. Die kreationistische Herangehensweise geht aber von falschen Annahmen aus, was Sie ja in ihrem Artikel gezeigt haben.

    Kreationisten berücksichtigen auch nicht, dass die Evolution kein bestimmtes Ziel anvisiert. Mit der Würfelanalogie gesprochen: Wenn ich zehnmal hintereinander würfle, erhalte ich genau ein Ergebnis, dessen Eintretenswahrscheinlichkeit vor dem ersten Wurf winzig war. Dieses Ergebnis nun als unmöglich durch Zufall entstanden zu erklären übersieht, dass es nur ein Ergebnis unter vielen ist, die, auf die Evolutionstheorie bezogen, einen Überlebensvorteil bot.

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