#102 Eine juristische Frage – wie handelt man schweizerrechtskonform?


Kann mich bitte mal jemand aufklären, wie man in folgender hypothetischen Situation handeln soll?

1. Ich stehe zusammen mit einem Bekannten auf dem Dorfplatz in ein Gespräch vertieft.

2. Es sind etliche Passanten (mögliche Augenzeugen) präsent.

3. Ein Dieb (dessen Identität im Dorf unbekannt ist) hat sich an mich herangeschlichen und hat mein Portemonnaie beinahe unbemerkt meiner Hose entnehmen können.
– Also: Ohne Gewaltanwendung, ohne Waffe, ohne Drohung.

4. Ich bemerke den Diebstahl, drehe mich um und stehe dem Dieb (der nun sichtbar meinen Besitz einsteckt) gegenüber.

5. Meiner Aufforderung mir meinen Besitz auszuhändigen kommt der Dieb nicht nach – er ist im Begriff sich ohne Hast zu entfernen.

Was soll und DARF nun getan werden?

Meine „kohlhaas’sche“ Ader würde – je nach Gewichtsklasse des Diebes – wahrscheinlich überhand nehmen. Entweder würde ich versuchen den Dieb mit Hilfe des Bekannten (und evt. Passanten) festzuhalten und allenfalls die Polizei aufbieten; oder ich würde kurzerhand gewalttätig werden – mein Adrenalinspiegel dürfte in einer solchen Situation genügend angestiegen sein: Kräftige Tritte gegen die Kniekehle, Schienbein und Genitalien dürften den Dieb stoppen.

Dabei habe ich aber stark das Gefühl, dass beides nicht erlaubt ist. Gewaltanwendung UND Festhalten sind beides Polizeikompetenzen – niemand sonst darf sie ausüben.

Wie aber soll man adäquat reagieren, wenn man nicht auf seinen Besitz verzichten möchte? Eine Anzeige gegen Unbekannt ist hoffnungslos – selbst die vielen Zeugen nützen wenig bist nichts, da es sich um einen Unbekannten handelt. Und sogar wenn der Dieb später gefasst werden kann – z.B. wegen weiteren Delikten – ist nicht klar, ob ich meinen Besitz wieder bekomme (das Portemonnaie wurde samt Inhalt weggeworfen und das Geld ausgegeben).

Also bitte: Wie reagiert man gesetzeskonform? Gehe ich von falschen Annahmen aus?

EDIT: Weiter könnte man das Dilemma der angemessenen (verhältnismässigen) Reaktion verschärfen. Wenn besagter Diebstahl nun allein im Gebirge/ im Wald, ohne Bekannten und ohne Passanten stattfindet? Ein Festhalten kommt nun nicht mehr in Frage (unmöglich den Dieb alleine zur Polizei zu „eskortieren“). Die vermutlich einzige Möglichkeit mit realistischen Erfolgsaussichten ist den Dieb mit gezielten Steinwürfen ausser Gefecht zu setzen oder wenigstens zur Herausgabe des Diebesgutes zu bringen.

3 Gedanken zu „#102 Eine juristische Frage – wie handelt man schweizerrechtskonform?

  1. Es gibt keine Lösung. Der brave Staatsbürger hat sich mit det Opferrolle zu identifizieren. Der gesetzestreue Mensch ist ein natürliches Opfer und sieht sich realistisch an dem unteren Ende der Nahrungskette. Welcome to the jungle – begreift das endlich ihr ehrlosen Steuersklaven.

    Schönen Abend noch.

  2. Tut mir Leid für den bissigen Kommentar, aber ich kenne solche Situationen. Das System ist nun mal falsch. Und wie sagte schon Adorno : Es gibt kein richtiges Handeln im Falschen (oder so ähnlich). Es ist noch nicht lange her da wurden Frauen unisono für eine erlittene Vergewaltigung selbst verantwortlich gemacht. Jedenfalls bei uns in Deutschland. Aber wenn du als anständiger Bürger mal falsch parkst oder zu schnell fährst dann kennt der freiheitlich-demokratische Rechtsstaat keine Gnade. Es ist perfide dass man für seine Selbstverteidigung bestraft werden kann aber kinderfeindliche Religioten die Vorhäute von Säuglingen ungehindert filetieren dürfen und sich dabei noch im Recht sehen. Dominant-aggressive Alpha-Affen eben. Als zurückhaltende Atheisten ziehen wir da letzendlich den Kürzeren. Wie war jetzt nochmal dir Frage?

    Thom

  3. Handlungen im Affekt werden auch nicht gleich behandelt wie geplante Handlungen – man kann einem Dieb unter Umständen schon eine ins Gesicht donnern (wer das kann… ich kann’s nicht) und straf-frei davon kommen. Auch das Festhalten (bis die Polizei vor Ort ist) wird wohl als angemessen durchgehen und kaum bestraft werden.
    Ich bin aber juristischer Laie und ohne persönliche Erfahrung mit solchen Situationen – deshalb wäre ich an einer Fachmeinung interessiert.

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