#111 Zum Geschlecht – openmind12


Für alle die sich – wie ich – mit Feminismus etwas schwer tun*: Zwei Videos von der openmind12 der deutschen Piraten. Zwei übersichtliche und eingängige Darstellung von zwei sehr sympathischen Menschen. Besonders der zweite Vortrag von Herrn Stefanowitsch über die Sprache war für mich als Naturwissenschafter so ziemlich mindblowing – äusserst sehenswert!

1. Geschlechterdifferenz und Politik – von Antje Schrupp

2. Sprache und Plattformneutralität – von Anatol Stefanowitsch

Die kurzen Vorträge stellen natürlich bloss einen sehr kleinen Ausschnitt der jeweiligen Themenfelder vor und zwangsweise müssen viele Aspekte weggelassen werden. Dennoch möchte ich meinen – immer gleichen – Kritikpunkt anbringen: Das völlige ignorieren der Biologie.
Ich sage nicht, dass diese Leute quatsch erzählen – im Gegenteil! Alles was sie zu berichten wissen ist relevant (jedenfalls das was Schrupp & Stefanowitsch hier sagen ist es sicherlich), äusserst spannend und auch ziemlich irritierend – doch sie blenden einen Bereich des Mensch-Seins völlig aus: Wir sind Tiere; mit tierischen Zellen, mit einem Primaten-Gehirn, mit einem Körper & Wesen mit evolutionärer Geschichte (= mit phylogenetischem Erbe).
Selbstverständlich kann man sich darüber streiten, ob das „tierische Erbe“ nun zehn oder siebzig Prozent unseres Verhaltens ausmachen – doch das „blank slate“ ist eine längst widerlegte Hypothese. Es ärgert mich wirklich immer sehr, wenn die biologische Dimension nicht auch miteinbezogen wird. (Wobei das auch nicht das Thema der Vorträge ist)

Ein zweiter Punkt hat sicher auch mit meinen Privilegien zu tun (ha! das habe ich gelernt!). Gerade Erkenntnisse wie aus Stefanowitschs Vortrag lösen bei immer eine ähnliche Reaktion aus: Ich bin fasziniert, etwas verblüfft, durchaus dankbar mit einer neue Dimension konfrontiert worden zu sein – doch anschliessend frage ich mich was nun daraus folgen soll. Nun sind wir uns des Problems bewusst geworden – damit können doch auch alle „bösen“ Worte ihren Makel verlieren. Wenn wir festgestellt haben, dass unsere Sprache diese Mängel hat, dann kann man schulterzuckend zur Normalität zurückkehren – ich sehe, nach der Aufklärung, keinen Bedarf mehr zum Handeln. Wenn wir alle wissen, dass es an sich kein generisches Maskulinum gibt – dann können wir es doch gerade benutzen… So wie wir auch über Begriffe sprechen, von denen wir wissen, dass es sie nicht gibt – solange es alle wissen (Samichlaus, Kobolde, Einhörner, etc.).

Was mich sehr aufgewühlt hat war Schrupps Empfehlung der „symbolischen Unabhängigkeit“, weil die geschaffenen Strukturen und Institutionen eben fremde sind (Parteien, Parlament, Justiz – alles von Männern geschaffene Dinge, mit denen Frauen nun umgehen müssen). Diesen Vorwurf kann man auch viel weiter denken, als nur auf die Geschlechterfrage bezogen: Was sollen Indios zum Patentrecht sagen? Warum soll die deutschsprachige Forschungsgemeinschaft die Vorherrschaft der englischen Journals akzeptieren? Was sollen zutiefst patriarchale und polygyne muslimische Gesellschaften zu „westlichen Werten“ sagen?

Gerne hätte ich auch noch etwas Aufklärung über das „Gender-Mainstreaming“ gehabt…
* Mit „schwer tun“ meine ich hier nicht eine ablehnende Haltung gegenüber den Inhalten, sondern überhaupt Schwierigkeiten die Sache an sich zu verstehen – wo es über die Gleichstellung vor dem Gesetz hinaus geht.

Ein Gedanke zu „#111 Zum Geschlecht – openmind12

  1. Pingback: #112 ‘Frauensport’ – ist das nicht an sich sexistisch? | atheist raskalnikow

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