#133 Die Bevölkerungsverteilung auf Gemeindestufe (1 Karte)


Der Artikel von gestern (#132) wurde doch ziemlich rege besucht – deshalb lege ich nochmals zum Thema nach. Bei Philippe Wampfler findet man (nebst seinem eigenen Reformvorschlag) einige weiterführende Dokumente zu existierenden Reformvorschlägen (des Ständemehrs) aus der Politikwissenschaft, sowie einige lesenswerte Kommentare dazu.

Grundsätzlich hat man zwei Optionen: 1. Eine grundlegende Gebietsreform – in welcher die Kantone neu, den heutigen Realitäten (veränderte Stadt-/Landgrenzen, veränderte ökonomische und gesellschaftliche Räume) und Bedürfnissen entsprechend definiert werden. 2. Etwas Kosmetik bei den Stimmgewichten, um auf einfache, aufs Ständemehr fokussierte Weise etwas mehr Gerechtigkeit bei der Stimmkraft der Stimmenden in verschiedenen Kantonen zu erreichen.

Wampflers Vorschlag ordne ich dabei unter 1. ein – eine ‚Gebietsreform light‘. Eine solche Lightversion (die Zerstückelung der grossen Kantone in (Gross-) Stadt und Land) dürfte realistischer Weise auch das Extremste sein, was noch umsetzbar wäre. Wirkliche Gebietsreformen – z.B. die Reduktion auf sechs bis acht Kantone – sind im starren Schweizer System nicht mehr möglich.
Vermutlich sind aber auch so moderate Vorschläge wie jener Wampflers nicht zu realisieren – obwohl auch in diesen Systemen die Kleinstkantone noch immer über alle Massen bevorteilt wären.

Etwas höhere Chancen werden wohl Vorschläge zu kleineren Anpassungen beim Stimmgewicht der bestehenden Kantone haben (siehe Nordmann, Gross, etc.).

Wenn man denn aber eine wirkliche Gebietsreform vornehmen möchte, so sollte man auch vor Kantonsgrenzen nicht halt machen. Ich zeige deshalb die heutige Realität auf Gemeindestufe, so lebt die Schweiz auf die Gemeinden verteilt:

gemeinden_popBallungsräume werden sichtbar, und man kann auch gerne übersehene urbane Gebiete erkennen: Luzern ist zusammen mit Emmen und Kriens eine Stadt von über 100’000 Einwohner! Ebenso ist Bern mit Köniz, Muri, Bremgarten, Ittigen und Ostermundingen viel grösser als es allein die Altstadt Bern ahnen liesse… Aber auch Lugano-Bellinzona-Locarno ist viel grösser, als sich manch deutschweizer Kopf erinnert. Sehr deutlich wird auch, dass Lausanne mit Umland nahezu so gross ist wie der Kanton Genf. Ausserdem darf man jeden, der den Kanton Zug noch als ‚ländlich‘ bezeichnet, getrost des Realitätsverlusts bezichtigen.

Beim Land kann man leicht kantonsübergreifende Einheiten festmachen: Luzern und Bern sind an ihren Grenzen zueinander sehr ländlich – völlig unverständlich, dass diese Gebiete unbedingt in zwei verschiedenen Kantonen vertreten werden müssen. Gleiches gilt fürs Oberwallis, Berneroberland, Uri, die Waldtsädte und der Grossteil von Graubünden – idealer Weise wäre das alles doch im selben Kanton vorzufinden.

Die ganz grosse Anomalie stellt der Kanton Aargau dar: Der viertgrösste(!) Kanton der Schweiz hat keine dominanten Zentren ausgebildet und bleibt für die Land-/Stadtzuordung ein Problem. Wettingen, Aarau und Baden kratzen alle knapp (in dieser Reihenfolge) an den 20’000 Einwohner – man vergleiche das mit Thun oder Biel (was letztlich ja auch nur so was wie ‚Provinzstädte‘ sind, die bringen es aber auf satte 40’000 oder 50’000 Einwohner!). Der Aargau ist spannend und nimmt sicher eine spezielle Rolle in dieser Geschichte ein (Ähnliches gilt, in geringerem Umfang, auch für den Thurgau).

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s