#138 Persönlich – Gedanken von der Finnenbahn


Allgemein bin ich zwar nicht besonders sportlich, doch laufen entspricht meinem Naturell und meinem Körper – so wurde das Joggen zur Sportart, welche ich mehr oder weniger regelmässig und auch mit etwas Ehrgeiz betreibe (sonstige Aktivitäten beschränken sich auf botanisch motivierte Wanderungen, gelegentliches Velofahren (im Radius ~15 km mein bevorzugtes Verkehrsmittel) und eher seltenes Schwimmen).

Wie gesagt laufe ich auch mit etwas Ehrgeiz und möchte natürlich schneller, ausdauernder, besser werden – deshalb führe ich auch „Buch“ über diese Aktivität. D.h. ich laufe hauptsächlich auf einer standardisierten Strecke (= Finnenbahn) und trage eine Stoppuhr mit Zwischenzeitenspeicher auf mir. Hier erwähne ich das nur, um zu illustrieren, dass ich mit einer gewissen „Ernsthaftigkeit“ bei der Sache bin und mich selbst beobachte. Aus dieser Beobachtung heraus ist mir etwas aufgefallen und es gefällt mir überhaupt nicht:

Bin ich alleine auf der Finnenbahn, so kann ich mein Training wie geplant absolvieren. Sowohl Rundenzahl, als auch Tempoverlauf schön auf den Trainingsverlauf abgestimmt, so dass ich bei sanfter Temposteigerung über die gesamte Strecke hinweg doch durchhalten kann und am Ende – angenehm gefordert – nicht die totale Erschöpfung erleide.

Die Sache verändert sich aber, wenn noch andere Leute auf der Bahn anzutreffen sind. Mein Tempo verändert sich unweigerlich und zwar völlig ungewollt – sogar wenn ich es bemerke ist eine Korrektur kaum und wenn, dann nur kurzfristig möglich.
Später habe ich dann mal bemerkt, dass meine Temposteigerung sehr von Geschlecht und Alter der Mit-Läufer abhängt: Kinder haben keinen Einfluss und auch ältere Damen kaum. Finden sich aber sportliche ältere Herren ein, dann werden meine Rundenzeiten schon etwas kleiner. Schlimmer ist der Effekt bei Frauen – dann laufe ich plötzlich viel zu schnell und muss mich selbst ganz bewusst wieder bremsen. Am heftigsten ist die Reaktion aber bei etwa gleichaltrigen oder etwas jüngeren Männern – dann wird es praktisch unkontrollierbar und ich hetze mich ohne jede Rücksicht über die Bahn und bin am Ende völlig ausgepowert.

Zu meinem Glück finden sich auf der Finnenbahn aber meistens nur ältere Damen oder Teenage-Mädchen ein.

Dann ist da noch eine andere Sache, die mir auf der Finnenbahn aufgefallen ist: Das Problem der letzten Runde und der attraktiven Frau. Auf der letzten Runde versuche ich manchmal nochmals alles zu geben, ein Schlusssprint sozusagen. Das Unangenehme dabei ist, dass man unweigerlich andere Läufer überrundet und diese Läufer wissen natürlich nicht, welche Rundenzahl ich mir vorgenommen habe.
So kann es sein, dass ich – im vollen Galopp – auf das Ziel zu stürme und sich vor mir eine attraktive Frau befindet. Würde ich wie von Anfang an von mir geplant den Schlussspurt durchziehen, dann würde ich die Läuferin im Zielbereich – volle Pulle – überholen, nur um danach sofort auszulaufen und wiederum von ihr eingeholt zu werden. Meine Sorge ist natürlich, dass die Läuferin – fast mit Sicherheit – denken muss: „Der Depp muss natürlich noch sein Imponiergehabe auffahren“. Also drossle ich mein Tempo, um die Läuferin nicht zu überholen und beende mein Training politisch korrekt, aber auch etwas unbefriedigt, da ich um eine gute Zeit gebracht wurde.

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