#144 Schweizer Katholiken: Nicht ganz erwachsen.


Der lokale Trachtenverein hat eine neue Vereinsordnung: Frauen sind nicht mehr als Vorstandsmitglieder zugelassen, weiter wurden die Mitgliederbeiträge so angepasst, dass Frauen das Dreifache der Beiträge der Männer zu zahlen haben, ausserdem haben die Stimmen der Frauen bei Abstimmungen nur das halbe Gewicht wie jene der Männer.

Ist das angebracht? Fair? – Offensichtlich nicht.

Ist das möglich? Legal? – Ja sicher! Jeder private Verein darf sich selbst doch so organisieren wie er es selbst mag. Springender Punkt: Es ist schliesslich niemand gezwungen bei diesem Verein mitzumachen.

Passt dir diese frauenfeindliche Vereinsordnung etwa nicht? Dann hast du zwei Handlungsmöglichkeiten:

1. Du suchst das Gespräch mit dem Vorstand und versuchst eine Stimmenmehrheit für eine Korrektur der Vereinsordnung zu finden.

2. Du trittst aus dem Verein aus. Danach verzichtest du entweder auf die Folklore, du trittst einem verwandten Verein in deiner Umgebung bei, oder du gründest deinen eigenen Verein und wirbst um Mitglieder.

Nun EXAKT das gleiche gilt auch für die römisch-katholische Kirche. Es gibt KEINEN Unterschied.

Und dennoch jammert und laviert die sogenannte „Basis“ seit bald hundert Jahren über ihre Kirche. Man sollte doch dies und jenes anpassen, man möge doch die gute Kirche auch in die Moderne führen, etc.

Die erste Handlungsmöglichkeit wurde also noch-und-noch – mit nur marginalen Erfolgen – versucht (und bis vor ~60 Jahren hatte man vielleicht auch tatsächlich keine andere Option).

So jammern die Katholiken: Aber auch Frauen sollen Priester werden! Aber auch Heiraten sollen Priester können! Aber auch Geschiedene* sollen am Abendmahl teilnehmen dürfen! Aber klar doch ist Verhütung und Prävention vor Geschlechtskrankheiten nicht ein Ding des Teufels (gerade hier hält sich ja kein einziger Katholik an die kirchlichen Vorgaben – zum Glück! – Aber eben: Nicht konsequent… Du verhütest ohne schreckliche Gewissensbisse? – Na dann austreten aus dem Verein, sofort)! Aber auch Homosexuelle sind doch einfach nur Menschen und sollen von der Gemeinschaft nicht ausgeschlossen und diskriminiert werden!

Nur ist das Problem, eine solche Alternativ-Kirche gibt es bereits! Alle Forderungen sind bei der reformierten Kirche erfüllt. Es macht für die katholische Kirche nun wirklich keinen Sinn ebenfalls reformiert zu werden… dann wäre sie ja nicht mehr katholisch.

Der Fehler liegt ganz eindeutig NICHT bei der katholischen Kirche! Nein, die DARF das! Eine Kirche DARF ihre Regeln und Mitgliederbestimmungen SELBST bestimmen (im legalen Rahmen – also die Vertuschung von Kindesmissbrauch und den Schutz vor staatlicher Strafverfolgung der priesterlichen Täter durch die katholische Kirche BLEIBT IMMER ZU VERURTEILEN und wird NICHT vergessen!) – auch GEGEN den Willen ihrer Mitglieder. Ob das angebracht ist? Anständig? Fair? – Offensichtlich nicht.

Der Springende Punkt ist aber: Niemand ist gezwungen bei diesem Verein mitzumachen. Der Fehler liegt bei den „reformistischen“ Katholiken.

Es ist doch so, dass sich die Katholiken selbst dazu entschlossen haben – wenn auch nicht in diesen Verein einzutreten, diese Entscheidung haben deren Eltern für sie getroffen, so doch – Mitglied in einem Verein zu BLEIBEN, dessen Vereinsordnung klipp-und-klar festhält, dass der Verein:

  • Streng hierarchisch organisiert ist,
  • Effektive Führungsrollen Männern vorbehält,
  • Homosexualität als Abartigkeit verdammt,
  • Scheidung* zu einer Mitgliedschaft zweiter Klasse führt,
  • Verhütung und Prävention verbietet,
  • etc.

Ich halte nochmals fest: Die Katholiken SELBST entscheiden sich dazu, bei einem Verein mit solchen Statuten dabei zubleiben! Sie werden nicht dazu gezwungen. Sie SELBST wollen UNBEDINGT dabeibleiben, OBWOHL ihnen diese Statuten ganz und gar nicht passen. Und weil ihnen die Vereinsregeln nicht passen, jammern sie herum und versuchen hin und wieder „die Basis“ zu mobilisieren – obwohl klipp-und-klar festgehalten ist, dass die Regeln in diesem streng hierarchischen Verein… VON OBEN gemacht werden. (Klar kann eine grosse Masse eventuell etwas bewirken. Nur: Dieses „von-unten“ Prinzip widerspricht völlig der Vereinsordnung! Aber sie sind doch just in diesem Verein, weil sie die Regeln dieses Vereins doch so toll finden? Wie jetzt?)

Das ist doch ein ziemlich kindisches Verhalten, das die Katholiken hier an den Tag legen. Es sollte allen offensichtlich sein, dass hier das simpelste Beispiel einer selbstverschuldeten Unmündigkeit vorliegt (jaja Kant undzo).

Liebe „Katholiken“: Ihr wollt eine weniger konservative Kirche? Ihr wollt weibliche Pfarrer? Ihr wollt auch Geschiedene* nicht vom Abendmahl ausschliessen? Ihr wollt auch Pfarrer nicht zum Zölibat verdammen? Ihr wollt einen Vereinsvorstand, der nicht im fernen Rom in den prächtigsten Bauten haust, der nicht als Monarch über einen eigenen Staat herrscht? Nun, wie wäre es dann mit Handlungsmöglichkeit Nummer zwei? (Ausserdem: Falls ihr diese Dinge wirklich wollt, dann könnt ihr euch nicht länger „katholisch“ nennen. Aber das ist wohl zu hoch für euch).

Wer tatsächlich noch eine Kirche braucht, der wird mit Sicherheit bei der reformierten Kirche Aufnahme finden – aber man lebt auch gut ganz ohne Kirche… Und für die ganz Dummen sag‘ ich noch: Man braucht auch ohne Kirchenmitgliedschaft nicht gleich zum Atheisten werden.

*Geschiedene – der Verständlichkeit wegen. Mir ist bekannt, dass es sich technisch-praktisch nur um die Wiederverheirateten handelt. Auch diese Spitzfindigkeit ist natürlich eine weitere, entlarvende katholische Lächerlichkeit (auf die die katholische Kirche mit vollem Recht beharren darf!).

2 Gedanken zu „#144 Schweizer Katholiken: Nicht ganz erwachsen.

  1. Sehr guter Text!

    Eine Ergänzung (aber DIR ist dieser Sachverhalt natürlich schon klar, und der Text sollte ja mich unendlich lang werden…):

    Es ist so, dass Privatpersonen austreten können. Aber: In vielen Kantonen finanziert man die (z.B. römisch-katholische) Kirche trotz Austritt dann immer noch – teils kräftig – mit. Über allgemeine Steuern, Privilegien, Steuerfreiheit dieser Körperschaften usw.
    Zudem: In einigen Kantonen bezahlen Firmen zwangsweise an die Kirchen. Das bezahlt der Firmeninhaber, mittelbar der Konsument.

    • Danke fürs Lob! *stolz*

      Wegen der indirekten Finanzierung solcher Spassvereine wie der römisch-katholischen Kirche, auch ohne Mitgliedschaft: Auch hier unterscheidet sich die RKK nicht/kaum von anderen Vereinen. Mit meinen Steuern werden auch Fussballstadien gebaut, Marschmusikkapellen unterstützt etc. – auch wenn ich solcherlei Zeugs doof finde und sicher nicht Mitglied bin.

      Ein Unterschied ist vielleicht, dass die Kirchen zu den ganz grossen, mächtigen politischen Playern gehören, und der lokale Handballclub eher weniger.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s