#145 Katholisch sein, aber dennoch eine eigene Meinung haben wollen


Was gerade bei (Schweizer) Katholiken immer wieder vorkommt: Sie distanzieren sich von ‚der Lehrmeinung‘. Das geschieht natürlich immer dann, wenn man als ‚giftiger‘ Atheist ihnen die offiziellen Dogmen – IHRES VEREINES – deutsch und deutlich vorhält. Dann heisst es jeweils sehr, sehr schnell: „Du wirst mir doch wohl noch eine eigene Meinung zugestehen! Nicht alles was die katholische Kirche verlauten lässt unterstütze ich auch!“
Und mit „nicht alles was…“ sind meistens absolut zentrale Glaubensinhalte ihrer Konfession mitgemeint…

Wie redlich ist diese Haltung eigentlich?

Nehmen wir an, ich trete einem Nazionalsozialistischen Verein bei. Obwohl ich diesem Verein beigetreten bin – und ihn mit meinen Mitgliederbeiträgen auch finanziell unterstütze – sage ich voller Inbrunst: „Nein! Mit dem Judenhass und der Verehrung von Hitler habe ich nichts am Hut!“. Wie glaubwürdig wäre ich dann? Völlig zu Recht wahrscheinlich überhaupt nicht glaubwürdig – da könnte ich noch lange darauf beharren, dass man mir doch das Recht auf eine eigene – auch vom Verein unterschiedliche – Meinung zugestehen müsse. Einfach lächerlich und durchschaubar wäre das.

Bleibt die Frage, wo der Unterschied zu den genannten Katholiken liegt… eben.

Ein Gedanke zu „#145 Katholisch sein, aber dennoch eine eigene Meinung haben wollen

  1. “Was gerade bei (Schweizer) Katholiken immer wieder vorkommt: Sie distanzieren sich von ‚der Lehrmeinung‘. Das geschieht natürlich immer dann, wenn man als ‚giftiger‘ Atheist ihnen die offiziellen Dogmen – IHRES VEREINES – deutsch und deutlich vorhält. Dann heisst es jeweils sehr, sehr schnell: „Du wirst mir doch wohl noch eine eigene Meinung zugestehen! Nicht alles was die katholische Kirche verlauten lässt unterstütze ich auch!“ Und mit „nicht alles was…“ sind meistens absolut zentrale Glaubensinhalte ihrer Konfession mitgemeint…“

    Das ist eine gute Frage. Ich denke nicht, dass das nur passiert, wenn ihnen ein “giftiger Atheist“ entgegen kommt. Ich denke, dass das ein großer Pluspunkt bei den Evangelischen im Vergleich zu Katholiken und Orthodoxen Gläubigen ist- während orthodox ja schon dem Namen nach bedeutet, dass es die “rechte Lehre“ ist, ist der Katholizismus ja bereits seinem Wesen nach “weltumspannend“ . Die Evangelischen hingegen orientieren sich eher an der Bibel und kommen dabei zu unterschiedlichen Schlüssen- das heißt einerseits, dass diese Szene viel zersplitterter, aber auch viel individueller ist. In einer modernen Gesellschaft, in der Individualismus die Gemeinschaft oft überlagert- weil man nicht zwangsläufig Kompromisse schließen muss, aber dafür glücklicherweise freier denken und reden kann, ist so etwas natürlich bevorzugt. Bei Atheismus ist das natürlich noch stärker; was sollte es denn für ein Verbindendes Element geben? Dass etwas nicht ist, ist ein schwieriges Argument, um Sinn und Zusammenhalt zu stiften.

    “Nehmen wir an, ich trete einem Nazionalsozialistischen (Anm. Bist du aus dem Tessin?) Verein bei. Obwohl ich diesem Verein beigetreten bin – und ihn mit meinen Mitgliederbeiträgen auch finanziell unterstütze – sage ich voller Inbrunst: „Nein! Mit dem Judenhass und der Verehrung von Hitler habe ich nichts am Hut!“. Wie glaubwürdig wäre ich dann? Völlig zu Recht wahrscheinlich überhaupt nicht glaubwürdig – da könnte ich noch lange darauf beharren, dass man mir doch das Recht auf eine eigene – auch vom Verein unterschiedliche – Meinung zugestehen müsse. Einfach lächerlich und durchschaubar wäre das.“

    Es ist nicht so, dass ich Nationalsozialismus goutieren wollte, aber diese Pauschalisierung ist irgendwie unsinnig. Schon während des Nationalsozialismus gab es unterschiedliche Anischten in NSDAP und SA und SS usw. Nicht umsonst gab es den “Röhm-Putsch“ oder zumindest wurde er inszeniert. Nationalsozialismus (rechter Flügel, Rosenberg-affin) und nationaler Sozialismus (linker Flügel, Strasser-affin) haben um die Macht gerungen, und ab und zu gab es noch Querfront-Einschläge von Kommunisten wie Walther Rathenau. Der italienische Faschismus war ja auch nicht gleichzusetzen mit dem Nationalsozialismus- Mussolini hat wiederholt darauf hingewiesen, dass Faschismus und Antisemitismus unvereinbar seien. Das dies geänder wurde, geschah hauptsächlich auf den Druck von außen (dt. Reich), auch wenn es antisemitische Faschisten schon vorher gab. Allerdings waren noch 1937 10% der italienischen Juden Mitglied in der Faschistischen Partei, und trotz der unentschuldbaren Verbrechen an italienischen Juden waren der Fanatismus in Italien viel geringer. Selbst wenn also Nationalsozialismus eine verachtensewerte Ideologie bleibt, selbst rechte Dumpfbacken auf der einen Seite, und wahnsinnige, intelligente Agitatoren auf der anderen sind nicht alle gleich. Es sind nicht mal alle Nationalsozialisten abgrundtief böse, aber ihre Haltung – und Handlungen- werden zu Recht in der heutigen Gesellschaft überwiegend als falsch bewertet, was ja auch wünschenswert ist.

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