#150 Andreas Thiel „Der Schatten des Ostens“


Im Zuge der Eskalation der Interview-Sendung von Roger Schawinski gewinnt Thiels Text aus der Weltwoche aus Woche 48 wieder an Aktualität und ich möchte den Faden aufnehmen.

Zur Schawinski-Sendung nur soviel: Thiels Frage nach der religiösen Verortung Schawinskis finde ich in keinster Weise unangemessen – wann wenn nicht in einem Gespräch zu Glaubensinhalten und -grundlagen darf diese Frage gestellt werden? Thiel hat völlig zu Recht(!) danach gefragt – für den Zuschauer soll/muss doch transparent sein, welche „Interessen“/Perspektive von den Akteuren der Sendung vertreten werden.

Nun mag Thiels Formulierung mit „Papierjude“ etwas gar salopp – und vermutlich absichtlich zur Entgleisung des Gesprächs – gewählt gewesen sein. Doch Schawinskis hilflose Ausflucht „Papierjude? Ich weiss gar nicht was das sein soll.“ ist auch absolut unehrlich und blosse Agitation (er macht später daran den Antisemitismusvorwurf fest – selbst wenn ich Thiel solche Motive durchaus zutraue(!), ist es hier im Konkreten völlig bizarr und an den Haaren herbeigezogen). Ich deutsche also aus: „Papierjude“ ist eine in Analogie zum „Papierschweizer“ oder – noch passender – zum „Taufscheinchristen“ eine völlig nachvollziehbare, unbedenkliche und vom breiten Publikum auch fraglos korrekt verständliche Formulierung. Man will damit eine bloss formale Zugehörigkeit, ohne wirkliche innere Überzeugung, zum Ausdruck bringen – und dabei ist natürlich NUR die religiöse Komponente des Komplexes „Jude“ angesprochen, die kulturelle Zugehörigkeit ist unumstritten. Dabei ist zu betonen, dass Thiel dies Schawinski nicht einfach so unterstellt – nein, er bietet es bloss als ein Element einer Reihe von Möglichkeiten an.

Dann zu Thiels eigentlichem Ding: Der Verriss des Korans.

Ich würde das Thema gerne von klugen Bloggern bearbeitet sehen!

Hier die Fakten:

1. Thiel. Der Schatten des Ostens. Weltwoche 2014-48.

2. Widmer. Koranlesen will gelernt sein. Tages Anzeiger 29.11.2014.

3. Thiel. Im Namen Mohammeds. Weltwoche 2014-49.

4. Sadaqat. Der Koran, ein Buch der Gewalt? Weltwoche 2014-50.

5. Illi. Im Lichte des Orients. Weltwoche 2014-50.

Mein kürzest Kommentar:

Wer Thiels Text wirklich gelesen hat, dem ist untrüglich klar, dass die beiden Hauptvorwürfe an ihn nicht zutreffen: Erstens verunglimpft oder verhöhnt Thiel die Muslime gerade NICHT, sondern zieht von A bis Z sehr klar eine Trennung von friedlichen (Wischi-Waschi-) Gläubigen und menschenverachtendem (und intellektuell lachhaftem) Koran durch. Zweitens kann man Thiel NICHT vorwerfen er pflücke ein, zwei Koranzitate („aus dem Zusammenhang“ – diese oberlangweilige [weil zwar an sich berechtigt, aber im Konkreten viel viel zu oft schon als eben NICHT verfälscht bestätigt] Ausflucht/Schutzbehauptung kennt man ja schon zu Genüge von christlichen Bibelverteidigern) nach Gusto und „zimmere“ sich so eine Aussage zurecht: Thiel hat vorsichtshalber „nur“ 47 Zitate Wort-für-Wort-aus-dem-Koran (die Paraphrase würde bei anderen Themen auch genügen – aber hier bemüht man sich sogar noch um Texttreue!), darunter auch viele längere im Zusammenhang stehende Zeilen, zur Prüfung durch den Leser angeführt!

Man könnte Thiel eigentlich nur etwas vorwerfen: Alles schon dagewesen, nichts ist genuin von ihm. Aber offenbar vergessen die Leute all zu leicht und deshalb finde ich die Erinnerung an die Abscheulichkeit und Niveaulosigkeit des Korans doch eine notwendige Sache (ganz analog zu meinen Bemühungen die Lächerlich- und Ungerechtigkeiten des Katholizismus/Christentums in Erinnerung zu halten).

Dem Religionsfrieden im Lande ist damit kurzfristig wohl weniger gedient, doch langfristig ist die redliche Auseinandersetzung mit den Quellen auch für die „Papiermuslime“ (und für uns Nicht-Muslime) von essentieller Bedeutung. Dazu muss man auch sagen: Wie sonst wollen Kritiker denn die Debatte geführt haben? Wie sonst wenn nicht zivilisiert in einer Zeitschrift als Kampf der Ideen? – Die Leute die nun Drohbriefe an Thiel und Weltwoche verfasst haben sind die eigentlichen Feinde, selbst wenn man Thiels Schreibe scheisse findet.

Eine nachträgliche Ergänzung:

Man kann/soll Thiels Wirken auch etwas breiter betrachten und da wäre so manches noch zu sagen (angefangen bei Persönlichkeitsmerkmalen bis hin zu fragwürdigen politischen Aussagen/Andeutungen). Allein das lasse ich alles bei Seite und konzentriere mich nur auf die vorliegenden Texte, die ich in der Tat nur loben kann.

Ein Gedanke zu „#150 Andreas Thiel „Der Schatten des Ostens“

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