#151 SRF Sternstunde Philosophie: Zwei Philosophen streiten sich über Gott


Die Sendung ist für Atheisten durchaus sehenswert – wenn auch eher etwas langweilig. Theisten werden daraus kaum etwas gewinnen können – sondern werden höchst wahrscheinlich fehlerhaft schliessen, dass in dieser Sendung ihr konkreter Glaube als glaubwürdig dargestellt wurde (dem ist aber nicht so).

Der Link zur Sendung:  Die Gretchenfrage. Zwei Philosophen streiten sich über Gott

Was mir ganz stark aufgefallen ist: Der alte Mann (Tetens) labert furchtbar viel, und man lässt ihn auch über alle Gebühr labern. Auch liebt es der Alte hin und wieder einen scharfen Pfeil in Hübls Richtung abzuschiessen und erlaubt sich mit einer etwas mühsamen Nonchalance einiges an Aggressivität. Hübl dagegen ist unglaublich zurückhaltend. Auch lässt er den Alten immer vollständig ausreden und nimmt nicht einmal das Wort von sich aus an sich (so wie es Tetens tut). Und Spitzen lässt er schon gar keine fallen – sogar auf Tetens Angriffe antwortet er nicht. Mir erscheint es so, als ob Hübl einen falschen Respekt vor dem Alter des Alten hat. So wirkt es, als ob Tetens „Punkte macht“. Obwohl es auf der argumentativen Ebene gar nicht so ist.

Grundsätzlich fand ich Tetens Hinweise sehr interessant. Man sollte ja dankbar sein, wenn man auf blinde Flecken hingewiesen wird: Der Ursprung der Welt ist uns nicht bekannt und mit dem Materie/Geist-Dualismus schlägt man sich noch immer herum (wobei ist das so? Emergenz wird doch intensiv erforscht?). Nur hätte ich dann eine Frage an Herrn Tetens (die Hübl oder Bleisch hätten stellen müssen): Wie kommt man vom philosophisch – zwar nicht den ockham’schen Razor überstehend, aber immerhin – nicht in sich selbst widersprüchlichen Theismus zum christlichen Glauben?

Wer der Argumentation des Alten folgt, der steht dann doch immer noch vor dem Problem der konkreten Religion und deren Theologie. Und die ist keineswegs widerspruchsfrei, hat ihre lange Geschichte (und damit auch Veränderungen erlebt), hat ihre Missbräuche, etc.

Und was macht man mit den – sich widersprechenden! – Alternativen? – Gut, sagen wir Tetens hat mich überzeugt: Ich werde zum Theisten! Von nun an glaube ich an Göttin Kali. Inwiefern will mich dann Tetens logisch davon abbringen? Wer Behauptungen zur Antwort akzeptiert, der muss alle Behauptungen als Gleichwertig anerkennen! Deshalb gilt ja gerade der Grundsatz: Wer Existenz behauptet muss sehr gute Gründe vorbringen können.

Kurzum: Der Hübl hat auf sparsamste Art das bessere Argument vorgebracht: Bis heute fehlen gute Gründe um von der Existenz eines Gottes auszugehen. Alles Geschwafel scheitert letzlich an Ockhams Rasiermesser.

Und sehr gut hat mir gefallen wie Hübl klar und deutlich unsere Lücken im Wissen um die Beschaffenheit der Welt bestätigt hat (sie also nicht schön geredet hat). Ja wir wissen vieles nicht, aber Nichtwissen ist kein Argument für Gott.

Ergänzung:  Hübl versucht den Naturalismus „weit“ zu fassen und betont, dass er nebst den Naturwissenschaften auch die Psychologie (zur Welterklärung) mit einschliesst. Das hört sich für mich über-vorsichtig und sehr defensiv an – ist doch Psychologie zu mindestens der Hälfte (wohl eher zu drei Viertel) eine Naturwissenschaft!

3 Gedanken zu „#151 SRF Sternstunde Philosophie: Zwei Philosophen streiten sich über Gott

  1. Warum sollte sich denn irgendjemand mit Materie/Geist-Dualismus herumschlagen? Ich weiß natürlich, dass Leute es tun, aber dafür gibt’s doch keine guten Gründe, und gab es auch nie. Oder?

    • Keine Ahnung. Offenbar ist es für Religiöse immer ein grosses Thema.
      Meine Denke läuft relativ grosszügig: Evolution halt. Hübl bringt es (etwas gar schüchtern) auch: Es existieren alle möglichen Zwischenstufen von Bewusstsein bei den „höheren“ Tieren.
      Für mich ist es also kein Problem zu behaupten/akzeptieren, dass Geist aus Materie hervorgeht – von unbelebt zu belebt und von bewusstlos bis hin zum Ich-Bewusstsein.
      Von der philosophischen Dimension habe ich halt einfach zu wenig eine Ahnung, als dass ich wirklich antworten könnte.

    • Ich finde halt, es ist zumindest ein genauso blödes Argument wie die anderen auch, weil es eben keins ist. Es hat zugegebenermaßen im Gegenzug zu manch anderen den scheinbaren Vorzug, dass wir immerhin noch nicht ganz verstehen, wie Bewusstsein entsteht und funktioniert, aber das spielt ja andererseits auch keine Rolle. Na gut, wir sind uns ja aber anscheinend einig.

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