#95 Einwohnerverteilung der Schweiz – Gemeindegrössen (10 Diagramme)

Zürich und untere Seegemeinden

Zürich und untere Seegemeinden (Bildautor: Hansueli Krapf, Quelle: Commons Wikimedia)

Wenn man im Kanton Zürich lebt – in der Stadt selbst oder am unteren Seeende, dann vergisst man all zu leicht, dass die erlebte Umwelt nur einem winzigen Teil der Schweiz entspricht. So sage ich beispielsweise gerne, dass ich in einer kleinen Gemeinde von etwas über 15’000 Einwohner lebe – eine typische Grösse für eine Seegemeinde. Nur übersehe ich dabei meistens, dass der Grossteil der Schweizer Gemeinden keine 10’000 Einwohner umfasst!

Um mir ein Bild über die Situation zu verschaffen habe ich einige Statistiken (Stand: 1. Jan. 2010) ausgegraben und zu Diagrammen verarbeitet.

Einige Grundwerte voraus:
– Anzahl Gemeinden Total = 2’584
– Einwohner Total = 7’785’806
– grösste Gemeinde = Zürich ZH (368’677)
– kleinste Gemeinde = Corippo TI (15)

[Gerade bei Zürich sieht man, dass sich im Detail einiges verändert hat – Zürich hat heute (2012) 390’000 Einwohner!]

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#43 Bevölkerungswachstum der Schweiz 1970 bis 2009 – nach Kantonen (13 Diagramme)

Die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz wuchs in der Periode von 1970 bis 2009 um 25.7% – von 6’193’064 auf 7’785’806 Einwohner. In 39 Jahren leben hier also ganze 1’592’742 Menschen mehr als 1970. Dabei fiel das Wachstum natürlich nicht für das ganze Gebiet gleichmässig aus. Manche Kantone wuchsen stark, andere weniger stark und einer wurde sogar kleiner (Basel-Stadt).

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Bevölkerungsentwicklung in den Kantonen von 1970 bis 2009 (absolut)

Zuerst die Übersicht in absoluten Zahlen; die kleinen Kantone habe ich durchaus mit Absicht so unübersichtlich belassen – sie sind bezüglich der Einwohnerzahl vernachlässigbar (sichtbar sind sie aber im Diagramm oben):

Die sechs grössten Kantone (ZH, BE, VD, AG, SG, GE) beherbergen zusammen mit 4’555’066 Einwohner unglaubliche 58.5% der Schweizer Wohnbevölkerung! Das heisst die restlichen 20(!) Kantone entsprechen bloss 41.5% der Bevölkerung.

In diesen sechs Kantonen fand auch ein beträchtliches Wachstum statt – in Zürich gar ein beschleunigtes Wachstum, in den anderen ein mehr oder weniger gleichmässiges; in Bern aber blieb die Bevölkerung in etwa konstant.

Die gleichen Daten in einer etwas übersichtlicheren Darstellung  macht die absoluten Zunahmen der Kantone miteinander vergleichbar: Weiterlesen

#42 Parteimacht im Schweizer Parlament (1 Diagramm)

Habe ich gestern nach der Macht der Kantone in der grossen und kleinen Kammer gefragt, so will ich dies nun mit den Parteien wiederholen (wer gleich zum Diagramm springen möchte – es folgt erst weiter unten). Die parteipolitische Zusammensetzung der Räte ist schon bekannt (hier: #40 Wahlen 2007). Im Nationalrat dominiert die SVP (konstant bis leicht aufsteigend) gefolgt von der SP (eher absteigend) und den gleich starken  kleineren Mitteparteien CVP (konstant bis absteigend) und FDP (eher absteigend). Im Ständerat ist die Situation gerade umgekehrt: Hier dominieren die Mitteparteien CVP (leicht absteigend) sowie die etwas kleinere FDP (konstant), die Pole SP (leicht absteigend bis konstant) und SVP (aufsteigend) Weiterlesen

#41 Kantonsmacht im Schweizer Parlament – klein gegen gross (3 Diagramme)

Immer wieder gerne ärgere ich mich über die kleinen Kantone in der Schweiz (wie hier, oder mehr wirtschaftlich hier). Es ist nicht der Ärger über ihre Kleinheit an sich – die Kleinen sind auch wirklich süss anzuschauen und lohnend zu bereisen. Ich ärgere mich immer dann, wenn die ungeheure politische Macht dieser Winzlinge zum Vorschein kommt. Meistens erscheint diese Macht in Form eines nicht erreichten Ständemehrs bei nationalen Abstimmungen. Die Macht besteht also hauptsächlich in der Möglichkeit Neuerungen abzulehnen und zu verhindern. Auch die Übermacht der Kleinen im Ständerat hat konkret vor allem Verhinderung oder wenigstens Verzögerung und Abschwächung von Vorlagen zur Folge. Die Macht der Kleinen ist also passiver Art. Möchten die Kleinen nämlich aktiv ihre Macht ausüben – also der Bevölkerungsmehrheit etwas aufzwingen – so können sie das vielleicht im Ständerat, scheitern aber zwangsläufig am Nationalrat. Umgekehrt führt diese Konstellation natürlich dazu, dass die grossen Kantone den Kleinen immer Zugeständnisse machen müssen – so sie eine Vorlage durchbringen möchten. Die grossen Kantone sind also Weiterlesen

#40 Schweizer Politik – Wahlen 2007 zur Erinnerung (4 Diagramme)

Das Parlament, wie es sich heute präsentiert hat sich seit den Wahlen 2007 verändert. Makroskopisch gab es Veränderungen auf der Parteiebene: Die BDP hat sich von der SVP abgespalten und die LPS fusionierte mit der FDP, was Auswirkungen auf die Zusammensetzung beider Räte hatte.

Im Nationalrat kam es mikroskopisch auch zu personellen Änderungen: Der zurückgetretene Glarner SPS Nationalrat wurde durch einen BDP Vertreter ersetzt, die SPS hatte einen Parteiaustritt zu verzeichnen (dieser ist als Parteiloser weiterhin Nationalrat) und ein St. Galler CVP Nationalrat wechselte die Partei (zur SVP).

Der Nationalrat – damals und heute: Weiterlesen

#39 Wie gut sind die Kantone im Parlament vertreten? Über eine Million Schweizer hat keine parlamentarische Vertretung! (2 Diagramme)

Die Schweiz ist ein Land von Traditionalisten. Was „historisch gewachsen“ ist, das darf nie geändert werden – und für unsere Institutionen gilt dies ganz besonders.

So haben wir es auch gelernt und wiederholen es als ein Mantra: Der Nationalrat bildet die Bevölkerung proportional zu den Kantonen ab; der Ständerat ist die Vertretung der Kantone.

Nun erlaube ich es mir aber dennoch zu fragen, wie stark die einzelnen Kantone im Parlament nun wirklich vertreten sind. Da beide Kammern gleichberechtigt sind, Weiterlesen

#36 Wieviel Kapital vertreten unsere Nationalräte? (2 Diagramme)

Nach wie vor ist die Parteienfinanzierung in der Schweiz nicht zur Transparenz verpflichtet. Welche Partei von wem Beträge in welcher Höhe erhält bleibt – vorerst – geheim. Auch Zahlungen (oder andere „Zuwendungen“) direkt an Parlamentarier müssen nicht öffentlich deklariert werden… „Korrupte Bande“ denkt sich manch einer – auch ich.

Einzig ihre weiteren Mandate müssen die Parlamentarier offenlegen – ihre „Interessenbindungen“. Das können gemeinnützige Vereine sein, Verbände, Genossenschaften und ähnliches oder aber Verwaltungsratsmandate in milliardenschweren Konzernen (Banken [UBS, CS], Versicherungen [Swiss-Re, Zurich], Pharma- und Chemiebranche [Novartis, Roche] oder Lebensmittelkonzerne [Nestlé, Emmi], etc.).

Nun hat die Firma Credita AG einen Bericht verfasst der es in sich hat. Die haben alle „Interessenbindungen“ (das Register ist öffentlich, hier) und dazu die Kapitalisierung der aufgelisteten Vereine, Genossenschaften und Firmen aus dem Handelsregister (und eigenen Nachforschungen) zusammengetragen.
Das Ergebnis ist (unter anderem) eine kleine Liste, sortiert nach Fraktionen:

Fraktion  Kapitalisierung Total SFR SFR pro Fraktionsmitglied
CVP/EVP/glp 7’552’853’138 145’247’176
BDP 516’525’051 86’087’509
FDP 3’491’054’337 72’730’299
SVP 519’644’311 7’994’528
SP 155’053’000 3’230’271
Grüne 2’166’000 90’250

Aus diesen Angaben habe ich zur Veranschaulichung folgendes Diagramm erstellt: Weiterlesen

#34 Partei- und Blockstärken im Nationalrat von 1919 – 2007 (2 Diagramme)

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Diesen Herbst (2011) finden wieder Nationalratswahlen statt! Hier eine historische Übersicht über die Parteistärken. Unglaublich ist der rasante Aufstieg der SVP (dargestellt als „SVP“ ist vor 1971 auch die BGB und DP) in bloss 12 Jahren zur stärksten Partei der Schweiz (1992 EWR-Nein unter Blocher und Startpunkt des Aufstiegs). Umso tragischer dagegen der Niedergang der staatsgründenden FDP seit den 1980er Jahren (Verluste der FDP kamen direkt der SVP zugute), ein ähnliches Bild auch bei der CVP…

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#33 Geben und Nehmen – von Versagern, Faulenzern und Ausgenutzten (7 Diagramme)

Hinweis: Etwas unglücklich habe ich bei meinen Übersichten Daten aus verschiedenen Jahren gemischt. Die Werte haben sich aber nicht dramatisch verändert – somit sollten Tendenzen und Proportionen nach wie vor korrekt sein. Nur auf die konkreten abgeleiteten Zahlen ist kein Verlass! Jahresangaben: NFA – 2010; direkte Bundessteuern – 2006; Einwohner – 2009.

Die Steuern sind in der Schweiz immer ein grosses Thema – weil eben nicht nur die Schweiz der EU gute Steuerzahler abluchst, sondern auch gewisse Kantone die anderen im Steuerwettbewerb ausbooten. Vom Steuerwettbewerb abgesehen interessiert mich auch die Frage, wer denn nun eigentlich den „Staat Schweiz“ finanziert.

In einem älteren Posting ging ich der Frage schon einmal nach (#30 Wie viel Bundessteuern zahlen die Kantone?), habe dabei aber nur die direkte Bundessteuer (für natürliche und juristische Personen) betrachtet. Nun habe ich zusätzlich auch den Neuen Finanzausgleich (NFA) der Kantone miteinbezogen.

Zum Einstieg erst einmal die Übersicht der Geber und Nehmer im NFA:
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Acht Kantone bezahlen (wobei nur fünf Kantone nennenswerte Beträge beisteuern: ZH, GE, ZG, BS, SZ), achtzehn Kantone beziehen Gelder. Es fällt auf, dass die Beträge der Geber und der Nehmer nicht gleich gross sind, die Differenz begleicht der Bund (Geber Total = 1’158’276’000 SFR, Bezüger Total = 4’058’847’000 SFR, Bund = 2’900’571’000 SFR).
Der Witz dabei ist natürlich, dass auch die „Bundesgelder“ hauptsächlich aus den Kantonen stammen… Manche Kantone zahlen also erst mal viele Bundessteuern und dann müssen sie auch noch NFA direkt an andere Kantone zahlen! Bei anderen verhält es sich gerade umgekehrt: Die zahlen schon mal wenig Bundessteuern und bekommen im Gegenzug auch noch Gelder aus dem NFA! Wie praktisch! So werden die Tüchtigen gleich zweimal übervorteilt…

Es sticht hauptsächlich Bern als grösster Empfänger hervor. Weiter unten wird sich dies jedoch etwas relativieren (weil Bern eben doch auch einiges an Bundessteuern beiträgt und pro Einwohner auch nicht besonders viel NFA bezieht).

In einem zweiten Diagramm stelle ich alle Steuern nebeneinander, welche die Kantone abtreten müssen:

Allein schon diese Gegenüberstellung von NFA und direkten Bundessteuern (NP und JP) lässt unschönes ahnen. Zürich, Zug oder Genf haben drei gewaltige Säulen vorzuweisen – andere v.a. kleine Kantone scheinen (fast) nichts beizusteuern und viel NFA zu beziehen.

Anmerkung: Die gestrichelten, farbigen Linien zeigen den jeweiligen Mittelwert (gilt für alle Diagramme).

Nun möchte ich die drei „Steuersäulen“ addieren und neben die Bevölkerungszahlen stellen, schliesslich interessiert neben den Absolutwerten vor allem die Werte pro Kopf: Weiterlesen

#31 Alternative Verteilung der Nationalratsmandate (2 Diagramme)

Eine Demokratie bildet in den Parlamenten vor allem die Bevölkerungszahlen ihrer Regionen ab (grosse Kammer). Das kann zu Ungerechtigkeiten in der Finanzierung führen. Ist Beispielsweise eine Region mit wenigen Einwohnern sehr tüchtig und wirtschaftlich überdurchschnittlich erfolgreich, so muss diese Region pro Einwohner mehr zur Finanzierung des Staates (Bundes) beitragen als es ihrer Repräsentation im Parlament entspricht. Arbeitsscheue oder Misswirtschaft betreibende Regionen mit grosser Einwohnerzahl müssen dagegen pro Kopf nur wenig zur Finanzierung des Staates beitragen und behalten dennoch eine hohe Repräsentation im Parlament.

Nun frage ich mal ganz naiv, wie denn ein Parlament aussehen könnte, in welchem beides – die Bevölkerungszahl und die Finanzkraft – berücksichtigt wird. Das Diagramm unten zeigt einerseits den IST-Zustand der NR-Sitze je Kanton; andereseits zeigt sie eine alternative Sitzverteilung nach folgender Berechnung: (Anteil Bevölkerung der Schweiz) + (Anteil dir. Bundessteuern der Schweiz). Also: 100% Einwohner CH + 100% Bundessteuern CH = 200 Nationalratssitze; so kommt beispielsweise Aargau auf: 4.9% der Einwohner CH + 7.7% der Bundessteuern CH = 12.6 => 13 Nationalratsmandate. Zuletzt wird dem grössten Kontingent ein Sitz abgezogen, um die Aufrundungen zu kompensieren.

Alternative NR-Mandatsverteilung nach Bevölkerung und Finanzkraft
Alternative NR-Mandatsverteilung -> Diagramm anklicken und man kann alles entziffern!

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