#149 Matt Inman (The Oatmeal): Jibbers Crabst

Köstliche Parabel zum Thema Gottglauben, Beweisbarkeit und psychologischer Schwächen/Gegebenheiten.

Gegen den Schluss des Vortrags nimmt Inman (unausgesprochen) Bezug auf Sartres Existenzialismus. Nur um am Ende in aller Lächerlichkeit die phonetische Ähnlichkeit von „Jibbers Crabst“ und „Jesus Christ“ überdeutlich zu machen.

Hier geht es zur Site von Inman dem Cartoonisten: The Oatmeal

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#114 Analogie: Gerichtsverhandlung über Gottes Existenz

Wird einem Angeklagten der Prozess gemacht, so gilt es ihn einer Tat zu überführen – nur dies ist relevant. Kann nicht schlüssig gezeigt werden, dass der Beschuldigte die Tat begangen hat, so wird er freigesprochen – vollkommen egal ob er tatsächlich unschuldig ist oder nur nicht genügend Beweise vorlagen.

Tatsächlich wäre es in den meisten Fällen auch gar nicht möglich die Unschuld (also die Nicht-Tat) zu beweisen. Allenfalls kann belegt werden, dass sich der Beschuldigte zur Tatzeit woanders aufhielt – er also ein Alibi hat; doch umgekehrt bedeutet das Fehlen eines Alibis noch lange nicht, dass jemand auch Täter war… Weiterlesen

#105 „Gott leugnen“

Als Atheist fehlt mir der Glaube an einen (oder mehrere…) Gott. Aus meiner Perspektive ist es nicht so, dass ich daran glaube, dass es keinen Gott gibt. Die Analogie mit dem Osterhasen macht es sehr anschaulich: Wir haben uns nicht zu einem Anti-Glauben entschieden – uns fehlt schlicht der Glaube an den Osterhasen.

Von religiöser Seite muss man sich natürlich anderes sagen lassen… Atheismus sei auch ein Glaube und andere Verwirrungen. Früher wurde eine ganz eigentümliche Formulierung in dieser Sache benutzt – und man findet sie häufig Weiterlesen

#101 Evoluierte Religion – Begriffe ohne klare Bedeutung

Es ist schon erstaunlich, wie viele Begriffe des alltäglichen Lebens keine einheitliche oder eindeutige Bedeutung haben. „Glück“ ist beispielsweise so ein Begriff – im Allgemeinen vielleicht noch als „Abwesenheit von Leid“ zu Umschreiben, konkret betitelt Glück für verschiedene Menschen völlig unterschiedliche Dinge. Daneben ist „Glück“ auch noch mehrdeutig – ich spreche hier natürlich nicht von „Glück“ im Sinne eines „Zufallsergebnis positiven Ausgangs“. Beide Effekte (die Mehrdeutigkeit und die unscharfen Definitionen) führen zu sehr schwammigen und dehnbaren Begriffen.

Auffallend fand ich schon immer, dass gerade die vermeintlich schwergewichtigen Begriffe „Gott“ und „Religion“ – obwohl omnipräsent und für unser Kulturverständnis zentral – völlig unklar sind. Offensichtlich verbirgt sich hinter dem Wort „Gott“ ein Gottesbegriff, der aber je nach Religion, Kultur, Zeitraum oder politischer Grosswetterlage unterschiedlich ausfällt. Besonders auffallend ist auch, dass gerade die grossen (christlichen) Konfessionen keine Definition von „Gott“ (oder Gott? – jetzt bin ich verwirrt…) geben können – das ist schon einigermassen erstaunlich (oder doch nicht erstaunlich? Ich komme darauf zurück).

Interessant finde ich auch, dass man keine umfassende Definition für „Religion“ gefunden hat (siehe auch Wikipedia/Religionsdefinition). Man kann das Phänomen Religion also nicht klar von anderen Phänomenen (z.B. Herrschaftslegitimation, Heilkunde, soziales Engagement, Kunsthandwerk, …) trennen. Dies rührt einerseits von der unglaublichen Vielfalt an auf der Erde manifestierten „Religionen“ her: Braucht Religion einen Gott? Wie steht es um den Polytheismus? Braucht Religion Vorsprecher? Inwiefern sind andere Ideologien von Religion abzutrennen („Politreligion“)?

Andererseits ist „Religion“ als Kategorie kaum zu definieren, weil Weiterlesen

#97 Die Zehn Gebote – eine peinliche Geschichte

Immer wieder werden die biblischen Zehn Gebote gerühmt – als Grundlage des gesellschaftlichen Zusammenlebens (wie unlängst der ehemalige Bundesverfassungsrichter Di Fabio), als Ursprung einer humanen Gesetzgebung oder als strahlendes Beispiel des überragenden moralischen Massstabs der Bibel. So kennen wir die Zehn Gebote vor allem als Propagandavehikel der katholischen Kirche – in zurechtgelegtem Gebote-Katalog. Die konkreten Bibelworte kennt kaum einer, doch diesen will ich hier nachgehen und schauen, was mir die grossen Zehn Gebote zu sagen haben.

Die zurechtgelegten Zehn Gebote wie sie in der Bibel nicht zu finden sind.
(Bildautor: 4028mdk09; Quelle: Commons Wikimedia)

Wie immer wenn man die Bibel zur Hand nimmt gibt es nicht nur eine Version, sogar bei den zehn Geboten gibt es zwei Varianten: Eine erste findet sich in Exodus 20, eine zweite in Deuteronomium 5. Im Gegensatz zu anderen Geschichten sind die Varianten jedoch erfrischend ähnlich und widersprechen sich grundsätzlich nicht. Ich halte mich hier an die erste Version aus der Lutherbibel von 1984.

Version 1 – Exodus 20 Vers 2-17

2 Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.

3 Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

4 Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Weiterlesen

#85 Gottesglaube und objektive Moral

Das Hammerargument aller Theisten gegen den Atheismus ist, dass mit dem Wegfall einer obersten (strafenden) Instanz uns alle Moral abhanden komme und nur mit einem Gott objektive Moral zu begründen sei.

Der ganze Unsinn beginnt nur schon mit der objektiven Moral des „wahren“ Gottes. Selbstverständlich kann dies ein Gläubiger nicht einsehen – er geht immer davon aus, dass sein Gott der einzig wahre ist und setzt dessen Regeln als objektiv wahr voraus.
Nur ist dies natürlich schon eine subjektive/relative Entscheidung: Welchen Gott hast du dir gewählt? Ist dir klar, dass man auch einen anderen sogenannten „wahren“ Gott wählen und dessen – andere – Regeln als „objektiv“ wahr annehmen könnte?
Die Präsenz von vielen verschiedenen Religionen auf der Erde degradiert jede „objektive“ Moral zum vornherein zur lediglich subjektiven/relativen Moral.

Aus atheistischer Perspektive ist das alles natürlich mehr als lächerlich – objektive Moral gibt es einfach nicht. Und die Sorge der Theisten, dass „ohne Gott alles erlaubt sei“ – ist noch um einiges lächerlicher: Denn offensichtlich ist auch umgekehrt „alles erlaubt“ (der Gottesglaube hinderte noch keinen Priester daran ein Kind zu missbrauchen…).
Interessanterweise hält sich der christliche Gott auch nicht an eine „objektive Moral“ – er ändert seine eigenen Regeln ganz nach belieben: Ist es nach dem 5. Gebot (du sollst nicht töten) nun schlecht und IMMER verboten jemanden zu töten? Oder gibt es doch RELATIVE Auslegungen? Gott selbst jedenfalls ruft auch weiterhin zu Mord und Totschlag gegen Andersgläubige auf…

Ich finde es aber durchaus verständlich, dass man als Theist dies nicht ohne Weiteres einzusehen vermag Weiterlesen

#59 Disput Berlin – Philipp Möller (Video)

Eine Podiumsdiskussion zur These „Ohne Religion wäre die Welt besser dran“.
Alle acht Beiträge sind sehenswert (bis vielleicht auf Frau von Thurn und Taxis). Herausragend ist Philipp Möllers konzise Darstellung der atheistischen Position.

Echt bewundernswert wie kompakt, treffend und humorvoll er die Kritik anbringt.

Man vergleiche dazu Herrn Matusseks Beitrag; dieser ergiesst sich erst einmal Weiterlesen

#58 Fragen an Christen

Mich erstaunt immer wieder, wie intelligente und sonst auch absolut vernünftige Menschen gläubig sein können und diesen Glauben dann auch noch als  rational darstellen.

Andere wiederum leben quasi ein schizophrenes Leben: Sie sind im Alltag völlig vernünftig und mit einer gesunden Portion Skepsis ausgestattet. Den Glauben anderer können sie ebenfalls kritisch betrachten und Unstimmigkeiten erkennen. Den EIGENEN Glauben aber klammern sie völlig aus oder finden abgedrehte Begründungen (welche sie in anderen Bereichen ablehnen würden) für alles.

Ich habe hier versucht ein paar Fragen zu sammeln, welche auch jedem Christen sofort klar machen sollten, dass etwas in seiner Überzeugung nicht stimmen kann. Es ist mir selbstverständlich auch klar, dass Gläubige immer Ausreden und komplizierte, verschlungene Erklärungen gefunden haben, aber eben: Wenn es wie eine Ausrede aussieht, wie eine Ausrede riecht und wie eine Ausrede schmeckt, dann ist es wahrscheinlich auch eine Ausrede.
Der in der Wissenschaft anerkannte Massstab ist dabei die Sparsamkeit der Annahmen (Ockhams Razor), also die Eleganz einer Hypothese. Die Ausreden der Gläubigen sind dabei eigentlich immer als sehr umständlich, also unelegant zu erkennen – wenigstens im direkten Vergleich zur Null-Hypothese „es gibt kein Gott“.

Also Christ, wie beantwortest du:
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#26 Atheismus ist auch nur ein Glaube

Immer wieder bekomme ich diesen Satz zu hören und zu lesen, was mich natürlich ärgert. Mich ärgert vor allem die unreflektierte Analogie mit der Religion:

„Theismus ist ein Glaube – Atheismus ist ein Glaube“.

Gleich drei Unredlichkeiten verstecken sich darin!

A. Begriffliche Vermischung
B. Herstellung von Gleichwertigkeit
C. Absurde Logik

A.
Wer so verfährt, der missbraucht die Mehrdeutigkeit der Begriffe „Glaube“ und „glauben“ für seine Zwecke. Werfen wir doch einen Blick ins Wörterbuch. Zu „glauben“ (Verb):

1. Etwas vermuten, annehmen, der Meinung sein.
2. Dinge, die objektiv nicht bewiesen sind, auf Grund innerer Überzeugung für wahr halten.
(2. Dinge, ohne empirische Evidenz und Notwendigkeit, auf Grund innerer Überzeugung für wahr halten.)
3. Eine religiöse Überzeugung haben.

Wenn wir den Term „Theismus ist ein Glaube“ nehmen, dann ist klar, dass „Glaube“ für „eine religiöse Überzeugung haben“ steht (einen metaphysischen Glauben). Auch die zweite Bedeutung des Verbs „glauben“ schwingt mit: „Dinge, die objektiv nicht bewiesen sind, auf Grund innerer Überzeugung für wahr halten“ – leider muss man sagen, dass „bewiesen“ hier ein unglücklich gewählter Begriff ist; Weiterlesen